Österreich

Gutachten empfiehlt Öffnung des Apothekenmarktes

Berlin - 10.10.2015, 10:00 Uhr

Geht es den österreichischen Apotheken zu gut? (Foto: Bilderbox)

Geht es den österreichischen Apotheken zu gut? (Foto: Bilderbox)


Apothekenketten sind zuzulassen, Ärzte dürfen Arzneien abgeben, OTC-Produkte werden in Drogerien verkauft: Vorgaben vergleichbar denen der OECD für Griechenland, werden nun auch im Nachbarland Österreich diskutiert.

Seit dem Jahr 2000 sind in Österreich die Gesundheitsausgaben um mehr als 50 Prozent gestiegen,  Sparpotenziale werden dringend gesucht: 180 Millionen Euro ließen sich jährlich mit der Liberalisierung des Apothekenmarkte einsparten – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Kreutzer Fischer & Partner (KFP).

Gemeinsamkeit: Apotheker und Schornsteinfeger

„Weitgehend ungeschoren kamen bisher die öffentlichen Apotheken davon, dabei gibt es speziell hier noch einiges zu heben“, so der Tenor der Studie. Der Apothekenmarkt sei vor allem im ländlichen Raum nach wie vor zu starker Konkurrenz aufgrund der gültigen Bedarfsplanung abgeschottet. Neben den Schornsteinfegern zählten Apotheken daher zu den ganz wenigen „geschützten Branchen“ in Österreich.

Dementsprechend üppig sind auch nach wie vor die Erträge. Im Durchschnitt werfe eine Apotheke jährlich 220.000 Euro ab. Im Jahr 2014 gab es laut Studie in Österreich 1.328 Apotheken, 28 hatten einen Filialbetrieb. Insgesamt setzten die öffentlichen Apotheken zuletzt rund 3,6 Milliarden Euro um. Der Durchschnittsumsatz pro Apotheke lag bei mehr als 2,7 Millionen Euro und stieg in den letzten fünf Jahren jährlich um 2,4 Prozent, also rascher als das Bruttoinlandsprodukt. Der Gewinn einer Apotheke betrug im Mittel vor Steuer knapp 220.000 Euro. „Apotheker gehören hierzulande nicht zu den Ärmsten im Land“, erklärt Studienleiter Andreas Kreutzer.

Arzt-Apotheken ein Vorteil

Schon jetzt gebe es landesweit rund 870 ärztliche Hausapotheken, die vor allem im ländlichen Raum die Versorgung der Patienten mit Medikamenten sichern. „Ein Ausbau dieser Schiene wäre sowohl aus versorgungstechnischer, wie gesundheits-ökonomischer Sicht sinnvoll“, empfehlen die Studienleiter.

Spezielle „Arzt-Apotheken“ brächten für die Patienten enorme Vorteile, „müssten diese doch für die Beschaffung der Medikamente nicht einen extra Weg auf sich nehmen.“ Gelänge es etwa die Hälfte aller öffentlichen Apotheken in den Wirkungsbereich der niedergelassenen Ärzte zu integrieren, würde das Gesundheitssystem jährlich um gut 180 Millionen Euro entlastet.  


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