WHO vs. BfR

Glyphosat wahrscheinlich krebserregend?

Lyon/Berlin - 30.07.2015, 15:20 Uhr

Glyphosat krebserregend? WHO und BfR sind sich nicht einig. (Bild: Zerbor/Fotolia)

Glyphosat krebserregend? WHO und BfR sind sich nicht einig. (Bild: Zerbor/Fotolia)


Das weit verbreitete Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat ist nach Einschätzung der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) wahrscheinlich krebserregend. Zu diesem Schluss kam die Behörde der Weltgesundheitsagentur (WHO) nach Auswertung zahlreicher Studien. Sie widersprach damit in einem nun veröffentlichten offiziellen Bericht der Einschätzung anderer Behörden wie des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Umweltorganisationen fordern, in Deutschland sofort Konsequenzen aus dem Bericht zu ziehen.

„Alle Anwendungen, bei denen es sehr wahrscheinlich ist, dass Menschen mit Glyphosat in direkten Kontakt kommen, müssen umgehend ausgesetzt werden“, erklärte Greenpeace-Agrarexpertin Christiane Huxdorff. Das BfR kündigte am Donnerstag an, den Bericht zu prüfen. Die EU-Kommission hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) nach Angaben eines Sprechers bereits aufgefordert, die Ergebnisse bei der laufenden Überprüfung der Zulassung für Glyphosat zu berücksichtigen.

Das BfR war in seiner jüngsten Bewertung zu Glyphosat zu dem Schluss gekommen, dass bei richtiger Anwendung kein Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten ist. Das deutsche Institut hat die Federführung beim EU-Zulassungsverfahren für Glyphosat. Es wies darauf hin, dass ein anderes WHO-Gremium zu einer anderen Einschätzung gelangt sei als die Krebsforschungsagentur – eine WHO-Task Force suche derzeit nach den Gründen. Inhaltlich werde man erst nach Prüfung des IARC-Berichts Stellung nehmen.

Die WHO-Krebsforschungsagentur in Lyon hatte ihre Auffassung bereits im März angekündigt, in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht lieferten die Wissenschaftler nun die Begründung nach. Sie sehen in Studien bei Menschen eingeschränkte Belege dafür, dass Glyphosat Krebs erzeuge. Bei Tierversuchen gebe es ausreichende Belege für einen solchen Effekt. Insgesamt stuften sie Glyphosat in die zweithöchste Risikokategorie ein („wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“).

Deutsche Umweltschützer und Grünen-Politiker kritisierten die Haltung des Bundesinstituts. „Was das BfR vorgelegt hat, taugt nicht als Grundlage für ein Wiederzulassungsverfahren“, kommentierte der agrarpolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Martin Häusling. Er forderte eine Neubewertung. „Es ist unverantwortlich, Glyphosat weiter als unbedenklich einzustufen“, meinte auch der Pestizidexperte des BUND, Tomas Brückmann.


dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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