Efsa-Entscheidung

Umstrittenes Glyphosat wahrscheinlich nicht krebserregend

Parma - 12.11.2015, 13:45 Uhr

Glyphosat: Weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln.(Foto: Gina Sanders / Fotolia)

Glyphosat: Weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln.(Foto: Gina Sanders / Fotolia)


Der weit verbreitete Unkrautvernichter Glyphosat ist seit langem umstritten. Verursacht das Mittel Krebs oder nicht? Die neue Einschätzung einer EU-Agentur dürfte für heftige Reaktionen sorgen.

Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist nach Ansicht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) wahrscheinlich nicht krebserregend. Ein Expertengremium sei zu dem Schluss gekommen, dass der Stoff vermutlich keine krebserregende Bedrohung für den Menschen darstelle, heißt es in einem am Donnerstag in Parma veröffentlichten Gutachten. Die Zulassung des Mittels in Europa war bis Mitte 2016 verlängert worden, die EU-Kommission entscheidet nun auf Basis des Efsa-Gutachtens über eine Neuzulassung.

Neuer Grenzwert vorgeschlagen

Die Efsa-Fachleute schlagen vor, einen neuen Grenzwert für die akute Aufnahme von Glyphosat, zum Beispiel während einer einzigen Mahlzeit, von 0,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festzulegen. Damit werde "die künftige Bewertung potenzieller Risiken durch Glyphosat" verschärft, erklärte José Tarazona, Leiter des Referats für Pestizide der Efsa. Bislang gibt es nur einen Grenzwert für die tägliche regelmäßige Aufnahme des Stoffes, er soll laut Efsa-Empfehlung von 0,3 auf 0,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht erhöht werden.

Der Unkrautvernichter steht seit längerem unter Krebsverdacht, die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO (IARC) hatte das Mittel Ende Juli in einem Bericht als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.

Die Efsa erklärte, sie haben diesen Bericht mit in ihre Bewertung einbezogen, sei aber zu einer anderen Schlussfolgerung gelangt, auch, weil sie eine Reihe anderer Studien mit einbezogen habe. "Was die Karzinogenität betrifft, so ist es unwahrscheinlich, dass dieser Stoff krebserregend ist", sagte Tarazona.

Glyphosat aus dem Verkehr ziehen?

Der Protest ließ nicht lang auf sich warten: „Die Einschätzung der EFSA ist unverantwortlich“, erklärte Sophia Guttenberger, Referentin für Gentechnik und Verbraucherschutz am Umweltinstitut am Donnerstag. „Besteht der begründete Verdacht, dass ein Stoff krebserregend ist und die Fruchtbarkeit schädigt, muss er sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Doch anstatt die Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen, werden einseitig die Interessen der chemischen Industrie bedient.“

Glyphosat ist weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln. Auch in Deutschland wird er in der Landwirtschaft und im Gartenbau vor der Aussaat zur Unkrautbekämpfung verwendet. Umweltschutzorganisationen warnen bereits seit einiger Zeit vor einer Neuzulassung des Mittels. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) war hingegen in seiner jüngsten Bewertung zu dem Schluss gekommen, dass bei richtiger Anwendung von Glyphosat kein Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten ist.


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