ZDF WISO Apothekentest

Beratung in Apotheken „sehr erschreckend“

Berlin - 11.03.2014, 10:31 Uhr


Die Mainzer ZDF-Redaktion der Sendung WISO hat sich für seine gestrige Sendung die Beratung in Apotheken vorgeknöpft und dafür drei Apotheken aufgesucht. Das Ergebnis der Testerin fällt am Ende wenig schmeichelhaft aus: „Es wurden keine wichtigen Fragen gestellt, Wechselwirkungen nicht erkannt, zu teure Produkte angeboten. Es herrschte zeitweise große Unsicherheit bei den Beratenden. Und es wurden auch des Öfteren gesundheitsschädliche Einnahmehinweise gegeben.“

Eine ältere Dame – im Beitrag „Oma“ genannt – stellte für WISO die Beratung in Apotheken auf die Probe. Wohlgemerkt: in drei Apotheken. Dafür wurde sie mit einem Sender im Ohr ausgestattet, der sie per Funk mit Manuela Brandl verbindet. Brandl arbeitet selbst in einer Apotheke und soll für unabhängige Prüforganisationen über 200 Apotheken getestet haben. Schon zu Beginn der Sendung erklärt Brandl, dass ihre Erwartungen mäßig sind: „Leider Gottes weiß man, dass wirklich so um die 50 Prozent nicht allzu gut beraten.“

Es folgt der erste Test. Oma will ein Grippemittel für ihren dreijährigen Enkel. In der Apotheke verlangt sie „ein Grippemittel, das gut hilft“. Die Apothekerin hat die Leitlinien der Bundesapothekerkammer „offenbar nicht gelesen“, mutmaßt die Redaktion. Denn ohne nachzufragen, für wen das Präparat sein soll, schlägt sie Grippostad vor – ein für Kinder unter zwölf Jahren ungeeignetes Kombinationspräparat. Auf Omas Frage, ob Kinder einfach ein bisschen weniger nehmen sollen, hakt die Apothekerin nach und empfiehlt dann einen Hustensaft oder eine homöopathische Kombination. Als Oma das hohe Fieber anspricht, empfiehlt die Apothekerin, zum Arzt zu gehen. Daraufhin verlangt Oma Durchfalltabletten, für die Reise. Die Apothekerin reicht ihr Imodium® akut – „klar, das teure Original“, kritisiert die Redaktion. Auf Nachfrage erhält Oma dann aber doch das günstigere Loperamid-CT. Nachdem Brandl die Situation aufgeklärt hat, räumt die Apothekerin ohne Kamera angeblich ein, selten nachzufragen. Wenn andere Kunden warten, fühle sie sich unter Druck gesetzt. Für Brandl kein Argument: Der Kunde müsse König sein und im Vordergrund stehen. „Egal, wie viel der Beratende im Hintergrund vielleicht noch zu tun hat.“

Zufriedener reagiert die Apothekentesterin Brandl auf Test Nummer zwei. Auch hier möchte Oma ein Durchfallmedikament für ihre Reiseapotheke kaufen und gerät an einen jungen Apotheker. Der berät sofort umfassend zum Wirkstoff Loperamid und erklärt: „Es muss auch gar keine Marke sein.“ Als Oma dazu Calcium-Tabletten möchte und fragt, ob sie bei der Einnahme etwas beachten muss, hakt der Pharmazeut nach, welche anderen Präparate sie einnehme. Oma berichtet von der wöchentlichen Alendron-Einnahme, woraufhin der Apotheker warnt: „Das dürfen Sie nicht zusammen einnehmen. Nur mit zwei Stunden Abstand.“ Apothekentesterin Brandl quittiert dies mit: „Der ist richtig gut!“

In der dritten Apotheke bedient der Inhaber persönlich. Oma startet direkt mit ihren Calcium-Tabletten. Der Apotheker gibt ihr ohne Nachfrage oder Hinweise das gewünschte Präparat. Als Oma fragt, ob sie etwas beachten muss, gar etwas falsch machen kann, antwortet er: „Gar nichts.“ Auch nicht, wenn andere Dauermedikamente eingenommen werden, will Oma wissen – wie Alendron? „Mit Alendron haben Sie keine Probleme. Damit können Sie nur keine Antibiotika einnehmen“, versichert der Apotheker. Doch Oma lässt nicht locker, hält dem Apotheker ihr Smartphone unter die Nase: „Ich hab da was im Internet gefunden, wegen dieser Wechselwirkungen.“ Jetzt wird der Apotheker doch unsicher, sieht selbst im Computer nach und stimmt Oma zu: „Wenn Sie die Alendronsäure gleichzeitig mit Milchprodukten oder calciumenthaltenden Mitteln einnehmen, dann haben wir Probleme.“ Als Brandl die Situation auflöst, gesteht der Apotheker ein, „vielleicht nicht so aufmerksam“ gewesen zu sein. Brandl hält seine Beratung eher für fahrlässig: „Es ist sehr erschreckend, dass so etwas überhaupt vorkommen kann.“ Viele ältere Menschen fragten schließlich nicht so nach, wie die Test-Oma. „Und dann kann es öfter passieren, dass sie mit Wirkverlusten zu tun haben oder dann auch schwere gesundheitliche Probleme auftreten.“

Hier können Sie sich das Video zur WISO-Sendung vom 10. März ansehen, der Apothekentest startet circa ab der 18. Minute.


Juliane Ziegler


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