Ökotest

Gute Noten für Naturarzneimittel

Berlin - 02.05.2011, 12:17 Uhr


Pflanzliche Arzneimittel sind beliebt: Verbraucher halten sie in der Regel für gut verträglich und nebenwirkungsarm. Nach einer aktuellen Analyse der Zeitschrift „Öko-Test“ ist diese Einschätzung vielfach berechtigt. 115 Präparate hat das Verbrauchermagazin unter die Lupe genommen. Im Mai-Heft werden die Ergebnisse der Abführmittel, Schlafmittel und Schmerzmittel vorgestellt.

Die Hälfte der 16 getesteten Abführmittel auf pflanzlicher Basis schnitt mit dem Ergebnis „sehr gut“ ab, zwei weitere mit „gut“. Sie enthalten beispielsweise den quellend wirkenden Indischen Flohsamen – er gilt bei Verstopfungen als Mittel der Wahl, schreibt „Öko-Test“. Aber auch stimulierende Abführmittel, die die Darmwand reizen (z.B. Sennesblätter/-früchte oder Cascararinde), hätten sich in Studien als wirksam erwiesen. Fünf Mal wurde zudem ein „befriedigend“ vergeben – abwertend wirkten hier kritische Hilfsstoffe wie Paraffine. Mit „ungenügend“ wurden lediglich die „Chol-Kugeletten Neu“ (Dolorgiet) bewertet. Sie enthalten neben Aloe – das von den Testern an sich schon als „zu stark“ eingestuft wird – noch Schöllkraut. Dieses soll den Gallefluss  und  damit  die Verdauung anregen. Dies sei in Abführmitteln nicht nur überflüssig – Schöllkraut ist zudem wegen seiner leberschädigenden Wirkung bekannt, was auch im Beipackzettel vermerkt ist.

Auch die pflanzlichen Schlafmittel sind dem Test zufolge in der Mehrzahl empfehlenswert. Es handelt sich um Arzneimittel, die Trockenextrakte aus Baldrian enthalten sowie Präparate, die auf eine Kombination von Baldrian mit Melissenblättern, Passionsblumenkraut oder Hopfen setzen. Getestet wurden 18 Präparate, von denen ebenfalls die Hälfte mit „sehr gut“ abschnitt, ein weiteres mit „gut“. Dazu zählen zum Beispiel Allunapret/Bionorica, Baldrian-Ratiopharm 450 mg, Baldriparan/Pfizer/Whitehall-Much oder Klosterfrau Nervenruh Baldrian Forte 600. Zudem wurde drei Mal ein „befriedigend“ vergeben. Allerdings gab es auch fünf „mangelhafte“ Produkte. Bei diesen Präparaten wurde die Baldriandosierung als zu gering angesehen. Zur Abwertung führten zudem bedenkliche Hilfsstoffe wie synthetische Lebensmittelfarbstoffe oder Alkohol.

Die 15 getesteten Schmerzmittel auf pflanzlicher Basis (elf von ihnen basieren auf dem Wirkstoff der Teufelskrallenwurzel) konnten weniger überzeugen. Hier gab es nur zwei „gute“ Produkte (Doloteffin Filmtabletten/Ardeypharm und Rivoltan Teufelskralle 480 mg Filmtabletten/Krewel Meuselbach). Die breite Masse schnitt hier mit „befriedigend“ ab – ein Präparat wurde mit „ausreichend“ bewertet. Moniert wurde hier, dass Studien, die belegen können, dass die Produkte Schmerzen lindern oder Entzündungen hemmen können, nur spärlich vorliegen. Eine überzeugende Datenlage stellten die Tester nur für die  Phytodolor Tinktur aus dem Hause Steigerwald fest. Das Kombinationspräparat aus Eschenrinde, Zitterpappelrinde und -blättern sowie Echtem Goldrutenkraut erwies sich in klinischen Studien bei der Behandlung degenerativer Gelenkerkrankungen gegenüber Placebo als überlegen und verglichen mit chemischen Schmerzmitteln wie Diclofenac als gleichwertig. Dass es am Ende doch zum Gesamturteil „befriedigend“ kam lag unter anderem am Beipackzettel. Hier fehle der Hinweis, dass das Präparat nicht bei Magen-/Darmgeschwüren angewendet sollte sowie eine Altersangabe. Wegen des fehlenden Hinweises bezüglich der Anwendung bei Kindern falle auch der Alkoholgehalt von 45,6 Vol.-% stärker ins Gewicht.

In der Juni-Ausgabe von „Öko-Test“ soll der zweite Teil der Naturheilmittel-Testreihe veröffentlicht werden. Dann geht es um Husten- und Venenmittel, Johanniskrautpräparate und Phytos zur Behandlung von Prostataproblemen.


Kirsten Sucker-Sket