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Beratung

Einfach Atem beraubend

Wissenswertes für die Beratung bei Mundgeruch

„Du stinkst“ – ein Satz, den niemand gerne hören möchte. Doch ca. 25% der Bevölkerung leiden unter Mundgeruch. Der Gang zum Zahnarzt ist bei manchen Betroffenen mit Angst verbunden, weshalb eine gute Beratung in der Apotheke sehr hilfreich sein kann. Welche Arten von Mundgeruch gibt es? Welche Ursachen stecken dahinter? Was kann ich dagegen tun? | Von Sabine Fischer

Das Angebot von Produkten gegen Mundgeruch ist riesig und reicht von Mundspüllösungen über Kaugummis oder Zungenbürsten. Doch Mundgeruch ist nicht gleich Mund­geruch. Die Ursachen sind vielfältig und je genauer diese bekannt sind, desto gezielter kann eine Strategie zur Bekämpfung des Mundgeruchs ausgewählt werden.

Mundgeruch wird in der Fachsprache als Halitosis (von lateinisch Halitos = Dunst, Hauch) bezeichnet. Zum Teil wird Synonym auch der Begriff Foetor ex ore verwendet, was allerdings nicht ganz korrekt ist. Der Begriff Halitosis umfasst nämlich eine übelriechende Ausatemluft, die auch beim Ausatmen durch die Nase mit geschlossenem Mund wahr­genommen werden kann. Foetor ex ore hingegen bezieht sich nur auf einen ungewöhnlichen Geruch beim Ausatmen durch den Mund.

Spricht man von Halitosis so muss man die folgenden Formen unterscheiden:

  • transiente Halitosis
  • echter Mundgeruch – intraorale Ursachen – extraorale Ursachen
  • Pseudohalitosis bzw. Haliophobie

Eine transiente, also vorübergehende Halitosis ist nicht pathologisch und kann durch Getränke oder Speisen (zum Beispiel Knoblauch, Zwiebeln oder Alkohol) oder Rauchen ausgelöst werden. Auch ein schlechter Atem am Morgen nach dem Aufstehen, der sogenannte morning bad breath gehört in diese Kategorie. Er entsteht durch verminderten Speichelfluss in der Nacht.

Beim echten Mundgeruch muss man zwischen intraoralen und extraoralen Ursachen unterscheiden. Intraorale Ursachen wie unzureichende Mundhygiene, Zahnfleisch­erkrankungen oder Infektionen der Mundhöhle machen dabei ca. 80% aus. Extraorale Ursachen sind beispielsweise HNO-Erkrankungen (z. B. Sinusitis, Tonsilitis), Erkrankungen der Nieren, Leber oder ein unbehandelter Diabetes mellitus. Gastrointestinale Ursachen hingegen sind entgegen einer weit verbreiteten Meinung nur sehr selten die Ursache. Auch Arzneimittel können eine Halitosis verursachen, indirekt durch Reduktion des Speichelflusses oder direkt durch Abatmung schlecht riechender Metabolite. Dazu zählen zum Beispiel Antihistaminika, Anticholinergika, Antihypertensiva, Appetitzügler, Antidepressiva, Diuretika, Antiparkinsonmittel, Sulfasalazine oder Antibiotika im Langzeit­gebrauch [Hollerbach 2018].

Bei Pseudohalitosis bzw. Haliophobie glauben die Patienten nur, dass sie an Mundgeruch leiden, obwohl dies nicht stimmt. Patienten mit Pseudohalitosis lassen sich nach einer Untersuchung und Aufklärung davon überzeugen, dass kein Mundgeruch vorliegt, Haliophobiker hingegen halten an ihrer Meinung fest.

Entstehung des echten Mundgeruchs

Hauptursache für intraorale Halitosis ist die Zunge, dies konnte in verschiedenen Untersuchungen gezeigt werden. Häufig werden zwar die Zähne sorgfältig gereinigt, die Zunge jedoch wird bei der Mundhygiene vergessen. Gerade im hinteren Teil können sich so in den Furchen und Vertiefungen Beläge aus Speiseresten, abgeschuppten Epithelzellen und Speichel bilden. Diese bieten vor allem gramnegativen, anaeroben Bakterien einen optimalen sauerstoffarmen Nährboden. Bei der bakteriellen Zersetzung von organischem Material entstehen flüchtige übelriechende Schwefelverbindungen (VSC), unter anderem Schwefelwasserstoff (H2S), Metylmercaptan (CH3SH) und Dimethylsulfid ([CH3]2S). Weitere Ursachen für eine intraorale Halitosis sind Gingivitis, Parodontitis, Kariesläsionen, schlechte Zahn- oder Prothesenhygiene. Auch bei lokalen Infektionen wie der Perikoronitis (= eine Infektion im Zahnfleisch um die Krone eines Zahnes herum, der nur teilweise durchgebrochen ist), Periimplantitis (= die Entzündung des Implantatbetts von Zahnimplantaten) oder Candidiasis (s. Abb. 1).

Verstärkt werden kann die Problematik unter anderem durch verringerten Speichelfluss, Stress, Rauchen, einen hohen Kaffeekonsum, Mundatmung, einseitige Ernährung (auch spezielle Diäten), Zungenpiercings, Alkoholkonsum sowie die getrunkene Wassermenge pro Tag.

Abb. 1: Flüchtige Schwefelverbindungen sind Hauptbestandteile des schlechten Geruches in der Atemluft. Ursache können Beläge auf der Zunge (Bildung von Schwefelwasserstoff), Parodontopathie (Bildung von Methylmercaptan) oder auch extraoral gebildete Dimethylsulfide sein (nach [Noack 2018]).

Maßnahmen gegen Mundgeruch

Eine rationale Therapie der Halitosis basiert auf den folgenden Grundprinzipien

  • Entfernung der Beläge an Zunge oder Zähnen
  • chemische Reduktion der Bakterien
  • bei dennoch vorhandener Geruchs­belastung Unterstützung durch Überdecken/Neutralisation
  • im Einzelfall: Behandlung der auslösenden Grunderkrankung (z. B. Diabetes, chronische Lebererkrankung)

Abb. 2: Nur wenn die Ursache bekannt ist, kann eine Therapie der Halitosis erfolgreich sein. In etwa 90% der Fälle kann durch einen Besuch beim Zahnarzt Abhilfe geschaffen werden (hier das strukturierte Halitosis-Therapiekonzept der Universität Basel, nach [Filippi 2008]).

In speziellen Halitosis-Sprechstunden – von denen es allerdings nicht viele gibt – kann durch allgemeine Anamnese sowie Untersuchungen der Ausatemluft (organoleptisch durch den Untersuchenden oder instrumentell durch Nachweis der Schwefelverbindungen in der Ausatemluft) der Ursache nachgegangen werden. Oft genügt aber ein Gang zum Zahnarzt, der dann genauer die intraoralen Ursachen ermitteln und gegebenenfalls behandeln bzw. bei Ausschluss intraoraler Ursachen an den entsprechenden Facharzt weitervermitteln kann (Abb. 2). Scheut der Patient den Gang zum Zahnarzt, kann zunächst auch versucht werden, durch eine gezielte Beratung in der Apotheke und allgemeine Maßnahmen Abhilfe zu schaffen:

  • tägliche Reinigung von Zähnen, Zahnzwischenräumen und Zunge
  • viel Trinken
  • Vermeiden von Alkohol und scharfem Essen
  • eine ausgewogene obst- und gemüsereiche Ernährung
  • Kost, die arm an Fleisch und an tierischen Proteinen ist
  • Rauchstopp

Produkte gegen Mundgeruch

Die große Menge an Produkten (s. Tab. 1) lässt sich in zwei Gruppen unterteilen:

  • Produkte, die an der Ursache des Mundgeruchs an­greifen, z. B. Zungenreiniger oder antibakterielle Mundspüllösungen und
  • Produkte, die den Geruch maskieren.
Tab. 1: Übersicht ausgewählter Produkte gegen Mundgeruch [Lauer-Fischer-Taxe, Stand: 28. September 2019]
Inhaltsstoffe
Beispiel
Mundspüllösungen mit Chlorhexidin
  • CB12® Mundspüllösung (enthält auch Zink-Ionen)
  • Chlorhexamed® Fluid
  • Curasept® Ads
  • Glandomed® Spüllösung
  • Gum Paroex® 0,06% CHX Mundspülung (enthält auch Cetylpyridiniumchlorid)
  • Hap020 PVP-VA 0,2+Hyaluronsäure Mundspülung
  • Kamistad® Mundspüllösung
  • Meridol® Med CHX
  • Parodur Liquid Mundspüllösung
  • Paroex® Mundwasser
  • Perio Aid Maintenance Mundspülung (enthält auch Cetylpyridiniumchlorid)
Mundspüllösungen mit Cetylpyridiniumchlorid
  • Gum Paroex® 0,06% CHX Mundspülung (enthält auch Chlorhexidin)
  • Listerine Smart Kidz
  • One Drop Only® Mundspülung Effektiv Classic
  • Oral B® Zahnfleisch & -schmelz Mundspüllösung extrafrisch
  • Perio Aid Maintenance Mundspülung (enthält auch Chlorhexidin)
  • Sensodyne ProSchmelz Mundspülung
  • Vitis Orthodontic Mundspülung
Mundspüllösungen mit Zinn- oder Zink-Ionen
  • CB12® Mundspüllösung (enthält auch Chlorhexidin)
  • Elmex® Zahnschmelzschutz Professional Zahnspülung
  • Gum HaliControl Mundspülung ohne Alkohol (enthält auch Cetylpyridiniumchlorid)
  • Listerine® Zahnsteinschutz Lösung
  • Meridol® Mundspüllösung
  • Vitis Gingival Mundspülung (enthält auch Cetylpyridiniumchlorid)
Zungenreiniger
  • Curaprox CTC 201/202/203 Zungenreiniger
  • Miradent Zungenreiniger Tong-Clin
  • Tepe® Zungenreiniger
  • Zungenreiniger Bombastus
Kaugummi mit Xylitol
  • Apagum Kaugummi
  • CB12® boost Kaugummi
  • Kaux Zahnpflegekaugummi
  • Miradent Xylitol Zahnpflegekaugummi
  • Sensodyne Kaugummi

Mundspüllösungen
Mundspüllösungen lassen sich in maskierende und neutra­lisierende Produkte unterteilen. Durch eine maskierende Lösung lässt sich der Mundgeruch lediglich für eine Zeit lang überdecken, die eigentliche Ursache jedoch bleibt un­behandelt. Solche Lösungen enthalten zum Beispiel Minze oder Menthol. Neutralisierende Mundspüllösungen enthalten Wirkstoffe wie Chlorhexidingluconat (CHX) oder Cetylpyridiniumchlorid. Beide Substanzen besitzen eine antibakterielle Wirkung. Durch die Reduktion der Bakterien werden weniger flüchtige, übelriechende Schwefelverbindungen gebildet. Zink- oder Zinn-haltige Lösungen führen über eine Oxidation der freien Thiolgruppen der Geruchsstoffe zur Ausfällung in Form geruchsneutraler Substanzen. Von einer langfristigen Anwendung hochkonzentrierter Chlorhexidin-Lösungen sollte abgesehen werden, da es sonst zu Verfärbungen an Zungen und Zähnen sowie einer Ver­änderung der Geschmackswahrnehmung kommen kann. Eine gute Wirksamkeit konnte für die Kombination von niedrigdosiertem Chlorhexidin mit Zink-/Zinn-haltigen Lösungen gezeigt werden. Unbedingt beachtet werden muss, dass einige Mundspüllösungen der Verschreibungspflicht unterliegen!

Zungenreiniger
Da Zungenbeläge die häufigste Ursache für intraorale Halitosis überhaupt sind, ist eine Entfernung dieser eine grundlegende Maßnahme zur Behandlung. Mit einem Zungenreiniger können die Vertiefungen der Zunge gründlich gesäubert werden. Da sich die meisten Bakterien am Zungengrund befinden, sollte immer dort begonnen und dann sukzessive zur Zungenspitze vorgearbeitet werden. Dabei dürfen die Zungenränder nicht vergessen werden.

Zahnseide oder Interdentalbürsten
Nicht nur Beläge auf der Zunge, sondern auch Ablagerungen und Speisereste in den Zahnzwischenräumen führen zu Mundgeruch. Die Reinigung der Zwischenräume sollte aber generell zu einer guten Mundhygiene gehören, nicht nur bei Mundgeruch. Zur Verfügung stehen Zahnseide oder Interdentalbürsten von zahlreichen Herstellern.

Auf einen Blick

  • Mundgeruch oder Halitosis bezeichnet eine übelriechende Ausatemluft.
  • Ursachen sind zu 80% intraoral, zu 20% extraoral
  • häufigste intraorale Ursache sind Zungenbeläge
  • Mundpflegeprodukte können entweder maskieren oder die Ursache bekämpfen.

Kaugummis
Das Kauen von Kaugummis regt den Speichelfluss an und kann so Mundgeruch reduzieren. Der oft enthaltene Zuckeraustauschstoff Xylitol senkt das Kariesrisiko. Darüber hinaus sind häufig stark riechende Substanzen wie Pfeffer­minze zugesetzt, die den Mundgeruch maskieren.

Natürliche Spüllösungen, Tees und Öle
Verschiedene Öle und Hausmittel können ebenfalls eingesetzt werden. So kann die Mundhöhle mit Limetten- oder Zitronenwasser, in Wasser gelöstem Backpulver oder Pfefferminzöl/Teebaumöl (in Wasser) gespült werden. Im grünen Tee vorkommende Epigallocatechingallate haben ebenfalls einen positiven Effekt auf Mundgeruch.

Aus dem ayurvedischen Bereich stammende Extrakte des Neem-Baums können als Aufguss, Tee oder Spüllösung eingesetzt werden. Auch Kardamom-Tee oder Chlorophyll-Tabletten wird eine geruchshemmende Wirkung zugesprochen. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit muss dabei im Einzelfall geprüft werden. |

 

Literatur

Filippi A. Halitosis - Aktueller Stand und Perspektiven. Zahnmedizin up2date4, 2008;351-366

Filippi A. Was ist Halitosis? Informationen des Arbeitskreis Halitosis der DGZMK, www.ak-halitosis.de/home-3/was-ist-halitosis/

Hollerbach S. Rezepte gegen schlechten Atem. Der Allgemeinarzt 2018;40(5):54-57

Lauer-Fischer-Taxe. Stand: 28. September 2019

Noack MJ, Deutscher D. Halitosis – Ein Update für Generalisten. Prophylaxe Journal 2018;2, www.zwp-online.info/fachgebiete/prophylaxe/therapie/halitosis-ein-update-fuer-den-generalisten

Schmalz G. Mundgeruch: Ursache und Therapie. Informationen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e. V. (DGZMK), www.dgzmk.de/patienten/faqs/mundgeruch-ursache-und-therapie.html

Zürcher A et al. Diagnosis, Prevalence and Treatment of Halitosis. Curr Oral Health Rep 2014;1:279-285

Autorin

Dr. Sabine Fischer ist Apothekerin aus Stuttgart. Seit dem Pharmaziestudium in Freiburg und einer Promotion in Tübingen arbeitet sie an der PTA-Schule und in öffentlichen Apotheken. Nebenbei schreibt sie als freie Journalistin.

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