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Beratung

Gesund bleiben durch gesunde Zähne

Richtige und konsequente Pflege bis ins hohe Alter

Im Alter verändern sich nicht nur Haut und Knochen, sondern auch das Zahnfleisch und die Zähne. Sie werden dunkler und bekommen einen gelbstichigen Ton. Zudem steigt das Risiko für Parodontitis und Mundschleimhauterkrankungen. Um Zahn­verlust zu verhindern und Folgeerkrankungen vorzubeugen, ist eine gründliche Mundhygiene gefragt. Daher gilt auch für Senioren: Zähne und Zahnersatz regelmäßig pflegen und auf eine professionelle Zahnreinigung setzen. So lassen sich die Zähne bis ins hohe Alter gesund erhalten. | Von Ines Winterhagen

Gesunde Zähne sind auch im Alter wichtig. Dabei geht es um weit mehr als um kosmetische Aspekte. Denn nur mit gesunden Zähnen und gut gepflegtem Zahnersatz können Senioren problemlos essen, schmerzfrei kauen und sich verständlich artikulieren. Bestimmte Umstände im Alter wie einseitige Ernährung bringen die Mundgesundheit in Gefahr. Eine Verschlechterung der Motorik kann das Halten einer Handzahnbürste erschweren, eine abnehmende Sehkraft dazu führen, dass Zahnbelag nicht erkannt und somit nicht gründlich entfernt wird. Zudem können Krankheiten oder Arzneimittel mit anticholinergen Nebenwirkungen (z. B. Bronchodilatoren wie Ipratropium und Tiotropium, Urologika wie Oxybutynin und Tolterodin oder tricyclische Antidepressiva) zu Mundtrockenheit führen, wodurch das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündungen steigt.

Eine bakterielle Gingivitis zeichnet sich durch Rötung, Schwellung sowie eine erhöhte Blutungsneigung aus. Unbehandelt kann sie sich zu einer Parodontitis entwickeln, indem Enzyme und Toxine älterer Plaque-Bakterien im Zahnbelag das periodontale Gewebe schrittweise abbauen. Doch nicht nur für die Zähne ist eine nicht rechtzeitig behandelte Parodontitis eine Gefahr. Neben einer schwerwiegenden Zerstörung des Zahnhalteapparates und frühzeitigem Zahn­verlust gehen Parodontalerkrankungen vielmehr mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Herz-Kreislauf-­Erkrankungen, Diabetes mellitus und rheumatischen Erkrankungen einher. Deshalb ist es vor allem im Alter wichtig, sich genügend Zeit für eine gründliche und sorgfältige Mundhygiene und Prothesenpflege zu nehmen. Meist sind Personen in Senioren- und Pflegeheimen bei der täglichen Zahnpflege auf die Hilfe von Angehörigen oder Pflegepersonal angewiesen. Soweit die Betroffenen dazu in der Lage sind, sollten sie jedoch selbst bei der Zahnreinigung mithelfen.

Verringerter Speichelfluss bei älteren Menschen

Mit dem Alter nimmt häufig das Durstempfinden ab. Insgesamt wird weniger Speichel produziert, der jedoch eine wichtige Funktion hat: Er neutralisiert zahnschädigende Säuren und hilft, Mineralverluste im Zahnschmelz auszugleichen. Außerdem reduziert er aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung das Bakterienwachstum. Um Mundtrockenheit zu verhindern und den Speichelfluss anzuregen, sollten täglich mindestens zwei Liter Wasser, ungesüßter Tee oder Saftschorlen getrunken werden. Ansonsten empfiehlt es sich, zuckerfreies Kaugummi zu kauen oder – beim Tragen von Zahnersatz – zuckerfreie Bonbons bzw. Eisstücke zu lutschen und wasserhaltiges Obst zu konsumieren. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, stehen in der Apotheke Speichelersatzlösungen (z. B. Glandosane®, Lipo Saliva®, Gum® Hydral®) zur Verfügung.

Gründliche Mundpflege auch im Alter

Als einfache Grundregel gilt auch im Alter, zweimal täglich gründlich Zähne und Zahnersatz (Implantate und Prothesen) mit der Zahnbürste zu putzen. Da durch die abnehmende Speichelproduktion schneller Karies entstehen kann, sollte die Zahnpasta in jedem Fall Fluorid enthalten. Zahnzwischenräume sind mindestens einmal täglich mit Zahnseide oder speziellen Interdentalbürstchen zu reinigen. Gerade im Seniorenalter nimmt diese intensive Pflege einen hohen Stellenwert ein, da die Zahnzwischenräume durch den Rückgang des Zahnfleisches größer werden und dort häufig Speisereste hängenbleiben. Darüber hinaus kann eine umfassende Mundhygiene durch einen Zungenschaber und eine antibakterielle Mundspülung sinnvoll ergänzt werden. Nicht zu vergessen ist zudem die halbjährliche Kontrolle beim Zahnarzt. Im Rahmen der professionellen Zahnreinigung lassen sich auch die Beläge an den schwer zugänglichen Stellen gründlich und restlos entfernen. Daneben kontrolliert der Zahnarzt, ob Druckstellen oder Entzündungen des Zahnfleischs vorliegen und ob die Zahnprothese noch korrekt sitzt. Denn mit der Zeit kommt es bei vielen Gebissträgern zu einem Abbau des Kieferknochens, sodass der Zahnersatz sich lockert und neu angepasst werden muss.

Hilfsmittel für Senioren

Zahnbürsten mit einem verdickten Griff lassen sich besser halten. Über den Großhandel zu beziehen sind z. B. TePe®Extra Grip Zahnbürstengriff-Verstärkung (www.tepe.com), Holdi® Greifhilfe Zahnputz-Assistent und Moosgummihülle zur Verstärkung der Griffe (www.dr-hinz-dental.de) oder Griffverstärker für Zahnbürsten (www.dentocare.de). Spezielle Prothesenbürsten haben einen großen, ergonomisch geformten Fingerform-Griff und verschieden große Borsten­felder für die Oberflächen der Prothesen und die schwer erreichbaren Innen­seiten (z. B. Protho Brush® De Luxe, www.miradent.de). Elektrische Zahnbürsten können helfen, wenn die Finger nicht mehr so beweglich sind. Mit ihren kleinen Bürstenköpfen lassen sich auch hintere Winkel im Mund putzen, spezielle Aufsätze reinigen die Zahnzwischenräume.

Wahl der richtigen Zahnbürste

Wenn Sehkraft und feinmotorische Fähigkeiten im Alter nachlassen, kann dies die tägliche Zahnpflege beeinträchtigen. Damit Senioren bei der Mundhygiene keine Abstriche machen müssen, gibt es Spezialzahnbürsten mit größeren, robusteren Griffen, die das Festhalten der Bürste und somit den Putzvorgang erheblich erleichtern (siehe Kasten „Hilfsmittel für Senioren“). Durch Verdicken des Bürstengriffs kann die Zahnbürste in den meisten Fällen wieder sicher gehalten und dadurch während des Zähneputzens gut geführt werden. Als Verstärkung kommen ein durchstochener Tennisball, ein Griff vom Fahrrad oder ein Stück Moosgummihülle infrage. Alternativ bietet der TePe® Extra Grip-Zahnbürstengriff-Verstärker ein bequemes und stabiles Halten der Zahnbürste, ebenso das Produkt Holdi®. Bei dieser Greifhilfe handelt es sich um einen elastischen Silikon-Doppelring, der sich einfach über die Handzahnbürste bzw. den Aufsatz einer elektrischen Zahnbürste ziehen lässt. Praktisch ist auch eine speziell geformte Dreikopfbürste: Sie muss nur von vorne nach hinten bewegt werden und reinigt während dieses Vorgangs Innen-, Außen- und Kauflächen gleichzeitig. Ebenso können elektrische Zahnbürsten gerade für ältere Menschen eine ideale Hilfe sein, weil sie einen Teil der Putzbewegungen abnehmen. Allgemein sollte der Bürstenkopf weiche Borsten und ein abgerundetes Kopfende haben, um Verletzungen im Mund zu vermeiden. Weiterhin ist daran zu denken, die Zahnbürste bzw. den Bürstenaufsatz spätestens nach drei Monaten Gebrauch zu ersetzen.

Mundspüllösungen zur Prävention und Therapie gingivaler Erkrankungen

Verschiedene Studien ergaben, dass eine sorgfältige mechanische Mundhygiene, die neben dem Zähneputzen auch eine Interdentalreinigung einschloss, Karies und Parodontitis nicht bei allen Studienteilnehmern verhindern konnte. Für ältere Patienten, die eine sorgfältige Mundhygiene nicht regelmäßig durchführen können, sind daher Mundwässer mit kariesreduzierenden Zusatzstoffen mit mindestens 0,025% Fluorid ratsam. Zudem empfiehlt die S3-Leitlinie „Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis“ antibakterielle Mundspüllösungen bei bestimmten Risikogruppen als Ergänzung zur täglichen mechanischen Zahnreinigung. Zu dem genannten Kreis zählen auch Personen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen und insbesondere Pflegebedürftige. Geraten werden kann zu Formulierungen mit Aminfluorid/Zinnfluorid, ätherischen Ölen, Cetylpyridiniumchlorid sowie Chlorhexidin < 0,1%. Nur in Situationen, bei denen kurzfristig (etwa zwei bis vier Wochen) eine hohe Keimzahlreduktion notwendig ist, sollte auf Chlorhexidin-haltige Spüllösungen ≥ 0,1% zurückgegriffen werden. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass Chlorhexidin die Zähne bräunlich verfärben kann. Abhilfe soll hier die Mundspülung Curasept ADS® schaffen, die zwar auch Chlorhexidin enthält, aber auch Ascorbinsäure und Natriumdisulfit (Anti-Discoloration System), wodurch die Häufigkeit und das Ausmaß der Verfärbung reduziert werden sollen. Mitgegeben werden kann auch der Tipp, nach der Anwendung Chlorhexidin-haltiger Spüllösungen drei Stunden keinen Kaffee, Tee oder Rotwein zu trinken, um das Risiko der Braunfärbung zu reduzieren.

Interdentale Reinigung: Zahnseide und Zwischenraumbürstchen

Putzen der Außen-, Innen- und Kauflächen mit der Zahnbürste reicht allein nicht aus. Die restlichen 30% der schwer zugänglichen Zahnoberflächen, die besonders kariesanfälligen Zahnzwischenräume, erfordern täglich eine zusätzliche Reinigung mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen. So kann Zahnzwischenraumkaries, Zahnfleischentzündungen und Parodontitis vorgebeugt werden. Speziell für die Pflege von Brücken und Implantaten bieten sich verstärkte Zahnseiden (z. B. Oral-B® Superfloss) an. Ansonsten lässt sich die Reinigung mit Zahnseide, die sich vor allem für die Frontzähne eignet, mit kleinen Haltevorrichtungen erleichtern, auf denen der Faden aufgespannt ist (z. B. TePe Mini FlosserTM, Cura­prox® DF 967 „flosspic“ Zahnstocher mit Zahnseide). Weil gerade im Alter die motorische Fähigkeit der Hände nachlässt, gestaltet sich die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten insgesamt einfacher. Mit diesen Hygienehilfsmitteln kommt man durch die feinen Borsten noch besser an versteckte Zahnbeläge als mit Zahnseide. Die farbcodierten Zahnzwischenraumbürsten sind in verschiedenen Größen mit unterschiedlichen Borsten und Grifflängen erhältlich (z. B. Curaprox® CPS prime/regular, TePe AngleTM: gewinkelte Bürste mit langem, flachem Griff oder miradent Pic-Brush®). Vor der Anwendung ist eine Beratung beim Zahnarzt notwendig: Zum einen muss die Führung zwischen den Zähnen bekannt sein, sonst kann bei unsachgemäßer Handhabung leicht das Zahnfleisch verletzt werden, zum anderen muss die Größe der Bürstchen passen. Die meisten Menschen benötigen mehrere Größen für eine bestmögliche Reinigung der ungleichen Zahnzwischenräume. Für eine bessere Zugänglichkeit im Backenzahnbereich kann die Bürste leicht gebogen – aber nicht geknickt – werden. Für die Vorderzähne ist eine separate, nicht gebogene Bürste zu verwenden, die immer vorsichtig zwischen die Zähne eingeführt werden sollte. Hierzu wird die Interdentalbürste an den Eingang des Interdentalraumes gesetzt, mit der Spitze schräg zur Zahnachse gestellt und behutsam bis etwa zur Zahnmitte eingeschoben. Nun wird der Griff zunächst senkrecht zur Zahnachse ausgerichtet, ohne die Bürste weiter vorzuschieben. Erst dann wird die Bürste sorgfältig durchgeschoben und wieder herausgezogen, eine einzige Putzbewegung reicht aus. Die Bürste ist nach Gebrauch gründlich abzuspülen und bei abgenutzten Borsten unverzüglich zu wechseln. Die luftdurchlässige Schutzkappe kann als hygienischer Schutz und auch zur Griffverlängerung dienen.

Chlorhexidin

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Das Bisbiguanid wird wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften gegen ein breites Spektrum von Erregern seit den 1950er- Jahren z. B. in Salben medizinisch verwendet. Als Kation bindet das positiv geladene Chlorhexidin-Molekül sich vor allem an die (negativ geladenen) Phospholipide der inneren Bakterienmembran und erhöht deren Permeabilität. Es konnte gezeigt werden, dass die tägliche Verwendung einer 0,2%igen Chlorhexidin–Lösung die Plaquebildung vollständig verhindern kann. Die antibakterielle Wirkung soll bis zu zwölf Stunden im Mund anhalten. Gemessen an anderen Plaque- und Gingivitis-reduzierenden Substanzen gilt es immer noch als „Goldstandard“. Es können aber reversible Nebenwirkungen auftreten, so dass Chlorhexidin nicht zur Daueranwendung empfohlen wird, sondern nur in speziellen Situationen. Häufigste Nebenwirkungen sind bräunliche Verfärbungen an Zähnen, Zunge sowie zahnfarbenen Restaurationen. Durch Anlagerung an die Geschmacksknospen der Zunge kann es zu Geschmacksirritation oder Taubheitsgefühl der Zunge kommen. Werden zeitgleich eine Chlorhexidin-haltige Mundspüllösung und Natriumlaurylsulfat-haltige Zahnpasta verwendet, sollte 30 bis 120 Minuten Abstand zwischen Zähneputzen und Mundspülung eingehalten werden, da der Schaumbildner der Zahnpasta Chlorhexidin inaktivieren kann. Es gibt Spüllösungen in Konzentrationen von 0,06%, 0,1%, 0,12% sowie 0,2%. Eine 0,2%-ige Lösung gibt es auch in Sprayform (Chlorhexa­med® forte Spray), die sich vor allem dann anbietet, wenn der Anwender nicht aktiv ausspucken kann und ein Spülen mit einer Lösung nicht möglich ist. Daneben gibt es verschiedene Gel-Formulierungen mit 0,2% und 1% Chlorhexidin. Es gibt auch Chlorhexidin-haltige Zahnpasten, z. B. Curasept® Zahnpasta 0,05% CHX ADS705, Gum® Paroex® 0,06% CHX Zahnpasta.

[S3-Leitlinie „Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis“]

Reinigung der „Dritten“

Herausnehmbarer Zahnersatz, also ein künstliches Gebiss, muss genauso gründlich gereinigt werden wie die natürlichen Zähne. Denn auch an Teil- oder Vollprothesen kann sich Plaque bilden und Mundgeruch oder Zahnfleischentzündungen verursachen sowie das Karies- und Parodontitisrisiko für Restzähne erhöhen. Die „Dritten“ erfordern nicht nur eine Entfernung von Belägen an den Außen-, sondern ebenso auf den Innenflächen, die auf dem Zahnfleischkamm und dem Gaumen im Unter- oder Oberkiefer aufliegen. Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass sich Zahnstein leicht an Verbindungselementen und Kontaktflächen von Prothesen festsetzt, wodurch ein optimaler Halt an den Träger- bzw. Pfeilerzähnen nicht mehr gewährleistet ist. Um lose Speisereste zu entfernen, sollten die künstlichen Zähne möglichst nach jedem Essen unter fließendem, warmem Wasser abgespült werden. Zusätzlich ist zu empfehlen, die Prothese mindestens ein-, besser zweimal täglich gründlich mit einer speziellen Prothesenbürste zu reinigen – nach Möglichkeit über einem Waschbecken, das entweder mit Wasser gefüllt oder mit einem gefalteten Handtuch ausgelegt ist. So kann der Zahnersatz nicht beschädigt werden, falls er versehentlich herunterfällt.

Prothesenbürsten (z. B. TePe Denture Care™ mit nach hinten biegbarem Bürstenkopf) haben im Gegensatz zu einer normalen Zahnbürste noch ein Borstenbüschel auf der gegenüberliegenden Seite und erreichen somit auch die schwer zugänglichen Stellen, an denen die dritten Zähne auf dem Kieferknochen aufsitzen. Generell sollte das Bürsten nicht zu kräftig erfolgen, um Plastik- oder Metallteile nicht zu verbiegen oder anderweitig zu beschädigen. Für die Reinigung der Prothese sollte aufgrund der hohen abrasiven Wirkung keine normale Zahnpasta verwendet werden. Besser geeignet ist eine spezielle Zahncreme mit schonenden Schleifkörpern, welche die Oberfläche der Prothese nicht aufrauen (z.B. Blend-a-dent® Hygienic speziel für dritte Zähne). Zur Vermeidung von unangenehmen Gerüchen sollte der Zahnersatz jeden Abend für mehrere Minuten in eine Gebissreinigungslösung (z. B. blend-a-dent Reinigungs-Tabs, Corega®-Tabs®, Curaprox® Reinigungskonzentrat) gelegt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass das Reinigungskonzentrat nicht den Prothesenkunststoff angreift. Vor dem Wiedereinsetzen sollte die Prothese gründlich mit Wasser abgespült werden. Während der tragefreien Zeit ist der Zahnersatz sicher in einer passenden Plastikbox zu lagern (z. B. Curaprox® BDC Box). Wichtig: Zahnärzte empfehlen Gebissträgern, nicht nur die Prothese, sondern auch Gaumen, Zunge und das Zahnfleisch täglich mit einer weichen Zahnbürste zu reinigen und zu massieren, um Reizungen und Entzündungen des Zahnfleisches zu vermeiden. Im Anschluss kann mit einer Mundspülung gegurgelt werden, um das von der Prothese stark beanspruchte Zahnfleisch zusätzlich zu schützen.

  • Die perfekte Zahnpflege beinhaltet auch im Seniorenalter ein zweimal tägliches Putzen mit mechanischer oder elektrischer Zahnbürste und fluoridhaltiger Zahnpasta, die Reinigung der Zwischenräume mit Zahnseide und/oder Interdentalbürstchen sowie die Zungenreinigung und gegebenenfalls die Verwendung einer antibakteriellen Mundspüllösung. Nicht zu vergessen ist die halbjährliche Kontrolle beim Zahnarzt.
  • Spezielle Zahnbürsten erleichtern Senioren mit nachlassender Sehkraft und eingeschränkter Feinmotorik die tägliche Zahnreinigung.
  • Bei Zahnersatz führt nur das Miteinander von Zahnfleischpflege und Prothesenreinigung zum Ziel. Die Pflege der „Dritten“ unterliegt dabei besonderen Anforderungen.
  • Haftcremes und -pulver sorgen für mehr Sicherheit beim Tragen von Zahnprothesen.
  • Das Nachlassen der Speichelproduktion im höheren Lebensalter erfordert entsprechenden Beratungsbedarf in der Apotheke.

Mehr Halt für die Dritten

Eine optimale Anpassung der Zahnprothese ist die wichtigste Voraussetzung für einen guten Halt. Vor allem in der Eingewöhnungsphase oder bei Übergangsprothesen kann ein geeignetes Haftmittel – Creme, Pulver, Kissen oder Polster – zusätzlich für mehr Halt und Sicherheit beim Sprechen und Essen sorgen. Auch wenn bei starker Kieferrückbildung oder schwierigen Kieferverhältnissen anderweitig keine Optimierung des Prothesenhalts möglich ist, können Haftmittel einen höheren Tragekomfort ermöglichen. Hauptinhaltsstoffe von Haftcremes sind Quellmittel, die mithilfe des Speichels ein dünnes, elastisches Polster zwischen Prothese und Schleimhaut schaffen. Sie helfen so, den Unterdruck aufrechtzuerhalten, der wesentlich für den Halt der Prothese ist. Direkt vor dem Einsetzen wird täglich eine erbsengroße Menge der Haftcreme (z. B. Blend-a-dent®-Haftcreme, Protefix® Haftcreme, Corega® Ultra Haftcreme) an mehreren Stellen auf die Prothese aufgetragen, ohne dass Creme an der Seite hervorquillt. Rückstände lassen sich von der Prothese oder dem Zahnfleisch mit einem einfachen Trick entfernen. Hierzu wird ein Wattestäbchen oder ein weiches Tuch in Sonnenblumenöl getaucht und damit vorsichtig über die betroffenen Stellen gerieben. Haftpulver wird gleichmäßig dünn auf die angefeuchtete Prothese gestreut und entwickelt sofort nach dem Einsetzen eine sichere, lang anhaltende Haftleistung (z. B. Protefix® Haft-Pulver, Blend-a-dent® Super-Haftpulver). Neben Haftcremes und -pulver stehen Haftkissen (z. B. Smig® Gebiss-Haftkissen) und Haftpolster (z. B. Protefix® Haft-Polster für Ober- oder Unterkiefer aus geformtem Faservlies) zur Verfügung.

Wenn die Zahnprothese drückt

Zu Beginn des Tragens von neuem Zahnersatz können sich kleinere Druckstellen oder Entzündungen der Schleimhaut entwickeln. Verschwinden diese nicht nach kurzer Zeit oder sind sie mit Schmerzen verbunden, sollte der Zahnarzt aufgesucht werden. Möglicherweise ist eine Nachkorrektur zu langer oder scharfkantiger Prothesenränder erforderlich. Ansonsten können gut haftende, schmerzlindernde Mundgele zum Abheilen empfohlen werden, etwa Protefix® Wund- und Schutzgel, Kamistad® Gel oder Dynexan Mundgel®. |

Literatur

Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis. S3-Leitlinie, Hrsg: Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO), AWMF-Registernummer: 083-016, Stand November 2018

Informationen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), www.kzbv.de

Gebisshaftcremes: Plus an Lebensqualität. Stiftung Warentest 2005;2, www.test.de, www.test.de/Gebisshaftcremes-Plus-an-Lebensqualitaet-1234839-0

www.curaprox.com

www.tepe.com

www.oralb.de

www.prodente.de

www.denta-expert.de

Autorin

Ines Winterhagen, Fachapothekerin für Offizinpharmazie, Homöopathie und Naturheilkunde; Autorin für die DAZ und den Deutschen Apotheker Verlag; Mitglied im Aus- und Weiterbildungsausschuss der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg

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