Gesundheitspolitik

Österreich: Jede dritte Apotheke auf Talfahrt

Internationales Wirtschaftsforum in Österreich – APOdirekt am Start

WIEN (diz) | Die Zeiten, in denen es sich Österreichs Apotheken auf dem wirtschaftlichen Berggipfel bequem machen konnten, neigen sich dem Ende. Die finanzielle Lage der Apotheken im Alpenland ist angespannt: Umsätze stagnieren, Margen sinken, Kosten steigen. Ein Drittel der österreichischen Apotheken ist bereits auf Talfahrt.

Wie Dr. Christian Müller-Uri, Präsident des Österreichischen Apothekerverbands, auf dem Internationalen Wirtschaftsforum am 23. und 24. April in Wien ausführte, ist die Kassenspanne im vergangenen Jahr weiter gesunken. Lag sie 2007 noch bei 19,8 Prozent, so ist sie mittlerweile auf 17,03 Prozent gesunken. Das bringt die Apotheken in Bedrängnis. Es werde immer schwieriger, die Apothekenbetriebe zu finanzieren, so Müller-Uri. Durch die angespannte Ertragssituation stünden bereits zahlreiche Apotheken am Rande der Existenz. Bereits jede dritte Apotheke sei in die Verlustzone geraten. Dies führe auch dazu, dass immer weniger pharmazeutisches Personal nachgefragt werde.

Der Apothekerverband appellierte daher an die Gesundheitspolitik, die Apotheken stärker im Zuge der Gesundheitsreform in den Prozess der Gesundheitsnahversorgung einzubinden. So sollten in Zukunft neue Dienstleistungen wie etwa das Medikationsmanagement, die strukturierte Betreuung chronisch Kranker und bundesweite Vorscreening-Aktionen gefördert, aber auch honoriert werden. Das entlaste die Apotheken, aber auch das gesamte Gesundheitssystem. Als Beispiel für bezahlte Dienstleistungen führte der Verbandspräsident die Schweiz an, wo Apotheker für den Polymedikations-Check rund 50 Euro berechnen.

Interesse an NNF-Modell

Mit Interesse betrachten die Österreicher das Modell des Nacht- und Notdienstfonds (NNF) in Deutschland. Da der Nachtdienst in Österreich von den Apotheken ohne gesonderte Honorierung erbracht werde und nicht kostendeckend sei, könne man sich dieses Modell für Österreich sehr gut vorstellen, so einige Diskutanten auf dem Wirtschaftsforum.

Online-Plattform startklar

Ein besonderes Ereignis für die österreichischen ApothekerInnen: Im Rahmen der in Wien stattfindenden pharmazeutischen Messe Austropharm fiel am 25. April der Startschuss für die Online-Plattform APOdirekt. Mit dieser Plattform wollen Österreichs Apotheker dem im kommenden Jahr erlaubten OTC-Versandhandel die Stirn zeigen. Auf www.APOdirekt.at kann der Kunde seine Medikation online auswählen, vorbestellen und in der Apotheke seiner Wahl, sofern sie bei APOdirekt mitmacht, abholen. Österreichs Apothekerverband und -kammer wollen die internetaffinen Kunden in ihre stationäre Apotheke führen, da nur dort die persönliche Beratung mit fachlicher Kompetenz eine optimale Versorgung garantiere. Man zeigte sich zuversichtlich, dass die Kunden dieses Angebot annehmen werden, da viele Kunden der Vorabbezahlung im Internet misstrauisch gegenüberstehen. Sehr viele Apotheken Österreichs hätten sich bereits für APOdirekt angemeldet, verriet Müller-Uri und zeigte sich vom Erfolg des Konzepts überzeugt. 

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