Arzneimittel und Therapie

Tageszeitliche Schwankungen bei COPD beachten: Neue Präparate zweimal täglich inhalieren

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Tageszeitliche Schwankungen sind nicht nur charakteristisch für das Asthma, sondern auch für die COPD. Der neue langwirkende, inhalierbare Muscarin-Antagonist Aclidinium, der sich in der Zulassung befindet, trägt den aktuellen Erkenntnissen durch eine zweimal tägliche Applikation Rechnung. So kann die Symptomatik der Patienten effektiver gelindert werden – bei Tag und Nacht.

Das Phänomen tageszeitlicher Schwankungen der Symptomatik wurde laut Prof. Dr. Helgo Magnussen, Großhansdorf, bei der COPD lange unterschätzt. Doch ähnlich wie bei Asthmatikern ist auch bei COPD-Patienten die Symptomlast in den frühen Morgenstunden besonders hoch, wie auf dem von Almirall veranstalteten Symposium "Prävention, Passion und Intervention – vom Alltag mit COPD-Patienten" im Rahmen des 53. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie in Nürnberg deutlich wurde. Bei der Behandlung wurde jedoch bislang vorwiegend auf langwirksame Bronchodilatatoren mit zuverlässiger 24-Stunden-Wirkung gesetzt, damit die Patienten nur einmal täglich ihre Medikation einnehmen müssen. Dieses Konzept hat zur Folge, dass oft tagsüber vergleichsweise hohe Wirkstoffkonzentrationen wirksam werden, die so nicht unbedingt erforderlich sind, während die Medikation in den frühen Morgenstunden, wenn die Luftnot des Patienten am größten ist, nur noch bedingt wirksam ist.

Die nächtlichen Symptome gehen nach Magnussen mit Schlafstörungen einher, mit einer Hypoxämie und mit pulmonalen Funktionsstörungen und sind damit medizinisch wie auch im Hinblick auf die Befindlichkeit der Patienten relevant. "Es sollte deshalb künftig verstärkt auf eine gezielte Behandlung auch der nächtlichen Symptomatik geachtet werden", forderte der Pneumologe. Möglich ist dies zum Beispiel durch eine zweimal tägliche Einnahme der verordneten Wirkstoffe, wie es bei neuen Substanzen wie Aclidinium bereits vorgesehen ist. "Es ist nicht davon auszugehen, dass sich eine solche Einnahmefrequenz ungünstig auf die Compliance auswirkt, da die Patienten vermutlich spüren werden, dass es ihnen besser geht", betonte Magnussen. Denn nicht die Häufigkeit der Anwendung, sondern die Wirksamkeit des Therapieregimes bestimmt nach seinen Worten die Compliance.

Neuer Muskarinantagonist Aclidinium

Bei Aclidinium handelt es sich nach Priv.-Doz. Dr. Kai-Michael Beeh, Wiesbaden, um einen neuen langwirkenden Muskarin-antagonisten (LAMA), der derzeit zur Zulassung ansteht. Der Wirkstoff wird in einer Dosierung von zweimal täglich 400 μg verabreicht. Er zeichnet sich durch einen schnellen Wirkeintritt in vitro aus, durch eine hohe Affinität zu den muskarinergen Rezeptoren mit langer Wirkung am M3 -Rezeptor und nur kurzer Wirkung am M2 -Rezeptor. Aclidinium wird rasch im Plasma hydrolysiert mit Bildung von zwei inaktiven Metaboliten.

Die Pharmakokinetik des neuen Muskarinantagonisten ist laut Beeh unabhängig von der Nierenfunktion, so dass eine Dosisanpassung bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion nicht erforderlich ist. Zweimal täglich verabreicht wird den Studien zufolge eine zuverlässige Bronchodilatation über 24 Stunden erwirkt, wobei die abendliche Wirkstoffgabe dafür sorgt, dass der Patient auch in der Nacht und bis in die frühen Morgenstunden hinein eine effektive Besserung seiner Lungenfunktion erfährt.


Über Aclidiniumbromid


Aclidiniumbromid ist ein neuer, langwirkender, inhalierbarer Muscarin-Antagonist, der eine lange Verweildauer auf M3-Rezeptoren und eine kürzere Verweildauer auf M2-Rezeptoren aufweist. Wenn es inhaliert wird, führt Aclidinium zu einer Bronchodilatation, indem die Kontraktion der glatten Muskelzellen der Atemwege gehemmt wird. Aclidinium wird im Organismus schnell in zwei größere inaktive Metabolite hydrolysiert. Dies führt zu einer hohen therapeutischen Wirksamkeit, aber zu geringen systemisch-anticholinergen Wirkungen. Der Wirkstoff befindet sich in der Zulassung: Forest Laboratories Inc. hält die Lizenzrechte an Aclidinium von Almirall in den USA, während Almirall die Rechte für den Rest der Welt hält.

Anhaltende Besserung der Lungenfunktion

Das dokumentieren zwei klinische Studien, die sogenannte ACCORD-Studie, in der Aclidinium bei 561 COPD-Patienten über zwölf Wochen geprüft wurde, und die ATTAIN-Studie bei 828 COPD-Patienten, die den Wirkstoff 24 Wochen erhielten. In beiden Studien kamen jeweils zwei Dosierungen (200 und 400 μg) zum Einsatz. Die Studien belegen nach Beeh eine signifikante Besserung des trough FEV1 als primärem Endpunkt der ACCORD-Studie mit einem Zuwachs von 124 ml unter der höheren Dosierung. Parallel wurde eine statistisch gesicherte Besserung der Symptomatik gesehen, und das sowohl bei der Luftnot, beim Husten, der Sputumproduktion sowie dem Wheezing.

Die ATTAIN-Studie bestätigt die gute klinische Wirksamkeit auch über einen Zeitraum von 24 Wochen, wie Beeh ausführte. Der Zuwachs des trough FEV1 war mit 128 ml ebenfalls signifikant. Es wurden auch bei der Langzeitanwendung eine effektive und anhaltende Besserung der Dyspnoe sowie des allgemeinen Gesundheitsstatus der Patienten gemessen mittels des St. George´s Respiratory Questionnaire (SGRQ) registriert sowie eine signifikante Reduktion der Rate an COPD-Exazerbationen und eine Steigerung der Ausdauerbelastbarkeit der Patienten.


Christine Vetter, freie Medizinjournalistin



DAZ 2012, Nr. 15, S. 38

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