Arzneimittel und Therapie

Weltdiabetestag 2007

Diabetes bei Kindern: hohe Zuwachsraten

Beim Begriff "Diabetes" denkt man automatisch an ältere und alte Menschen. Doch weit gefehlt: In zunehmendem Maße sind Jugendliche und vor allem auch Kinder betroffen, und das gleichermaßen beim Typ 1- und beim Typ 2-Diabetes. Die Behandlung muss dabei besonderen Anforderungen gerecht werden.

Zum Jahr des Kindes mit Diabetes haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Diabetes-Föderation (IDF) das Jahr 2007-2008 ausgerufen. Die beiden Organisationen wollen so darauf aufmerksam machen, dass sowohl der Typ 1- als auch der Typ 2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen in zum Teil erheblichem Maße an Häufigkeit zunimmt. Auch der Weltdiabetestag 2007 am 14. November macht auf die besondere Situation diabeteskranker Kinder aufmerksam. Er steht unter dem Motto "Diabetes bei Kindern und Jugendlichen".

Sowohl beim Typ 1- wie auch beim Typ 2-Diabetes handelt es sich um ernst zu nehmende Erkrankungen, wobei jedoch zentrale Unterschiede zu bedenken sind. So ist der Typ 2-Diabetes im Wesentlichen durch den Lebensstil mit Bewegungsarmut und hochkalorischer Nahrungszufuhr bedingt, was zwangsläufig gute Präventionsmöglichkeiten impliziert. Ganz anders beim Typ 1-Diabetes, einer Autoimmunerkrankung, an der 90 Prozent der Patienten bereits im Kindes- oder Jugendalter erkranken, an der sie lebenslang leiden werden und bei der weder eine Prävention noch eine Heilung möglich ist. Der Typ 1-Diabetes ist dabei eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter.

Und generell gilt: Bei Kindern mit Diabetes ist aufgrund der Stoffwechselerkrankung die allgemeine Lebenserwartung um durchschnittlich 15 Jahre verkürzt.

Um rund drei bis fünf Prozent pro Jahr nimmt die Inzidenz beim Typ 1-Diabetes zu. Konkret erkranken Schätzungen zufolge weltweit pro Jahr rund 70.000 Kinder unter 15 Jahren am Typ 1-Diabetes.

Bei ihrer Behandlung geht es ebenso wie bei Erwachsenen darum, eine möglichst gute Stoffwechselkontrolle zu erzielen und den Diabetes möglichst normnah einzustellen. Denn auch für Kinder gilt: Je besser die Blutzuckereinstellung, umso geringer ist das Risiko für Folgekomplikationen und umgekehrt. So ist auch beim jugendlichen Diabetes gezeigt worden, dass die Gefahr von Folgekomplikationen wie etwa der Retinopathie exponentiell mit dem HbA1c -Wert ansteigt.

Bei der Therapie aber sind einige Besonderheiten der kindlichen und jugendlichen Situation zu berücksichtigen. So leben junge Menschen in aller Regel spontaner als Ältere. Sie schlafen mehr, haben ein höheres Bewegungsbedürfnis, essen unregelmäßiger und leiden häufiger unter einem Infekt, alles Faktoren, die die Insulinbehandlung beeinflussen und bedacht sein müssen.

Die Insulintherapie, ohne die Typ 1-Diabetiker nicht auskommen, muss deshalb im Jugendalter deutlich flexibler gestaltet werden als bei Erwachsenen, die Behandlungsschemata müssen in aller Regel ein mobiles Leben erlauben und an berufliche Herausforderungen und sportliche Ambitionen angepasst werden können. Zu meistern sind diese Anforderungen durch die Kombination von Normalinsulin mit einem kurzwirksamen Insulinanalogon, sodass neben der Basistherapie auch eine bedarfsorientierte Behandlung möglich ist oder wie häufig praktiziert durch eine intensivierte Insulintherapie, wenn das Kind alt genug dafür ist.

Eine weitere Besonderheit in der Kinderdiabetologie besteht auch darin, dass neben den Kindern auch deren Eltern und gegebenenfalls sogar Betreuerinnen im Kindergarten in die Therapie und die Schulungen hierzu integriert werden müssen, und das umso intensiver, je jünger das Kind noch ist. Erst ab etwa dem Schulalter kann die Behandlung dann zunehmend durch das Kind selbst erfolgen.

Auch dann aber sind immer wieder altersgerechte Schulungen notwendig, die besondere Situationen wie sie sich beispielsweise in der Pubertät ergeben, berücksichtigen. Denn die Belastungen, denen die Kinder infolge der Stoffwechselstörung ausgesetzt sind, sind groß, beginnend mit den regelmäßigen Blutzuckermessungen, über die Restriktionen, die sich bei der Ernährung ergeben, die Notwendigkeiten der Insulintherapie bis hin zum Bewusstsein, chronisch krank zu sein und nicht zuletzt auch bis hin zu den psychosozialen Folgen der Erkrankung.

Kindlicher Typ 2-Diabetes – Bewegungsarmut und Übergewicht

In den USA hat in einigen Regionen der Typ 2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen den Typ 1-Diabetes bereits an Häufigkeit überholt. Ebenso sieht es in Japan aus. Soweit ist die Situation in Deutschland (noch) nicht. Doch auch hierzulande wird ein Ansteigen der Inzidenz beobachtet und aufgrund des zunehmenden Anteils übergewichtiger Kinder für die Zukunft auch weiter erwartet. Zurzeit sind Erhebungen zufolge etwa sechs Prozent der Kinder adipös und 13 Prozent übergewichtig. Das ist etwa doppelt so viel wie vor zehn Jahren.

Noch ist die Zahl der Kinder mit Typ 2-Diabetes mit rund 400 gemeldeten Fällen hierzulande klein, sie dürfte nach Ansicht der Experten aber sprunghaft ansteigen, wenn sich die Probleme mit Übergewicht und Adipositas weiter verschärfen. Weltweit rechnen die Experten mit Inzidenz-Zuwachsraten von bis zu 50 Prozent in den kommenden 15 Jahren.

Der Typ 2-Diabetes entwickelt sich bei Kindern und Jugendlichen auf dem Boden einer genetischen Prädisposition, wobei der Typ 2-Diabetes sich in aller Regel "erst" in der Pubertät manifestiert, da es dann physiologischerweise zu einer Zunahme der Insulinresistenz kommt, die sich anschließend bei gesunden Jugendlichen wieder normalisiert. Analog der Situation des Erwachsenen entwickelt der Typ 2-Diabetes sich langsam schleichend und zunächst ohne auffallende Symptome, was zur Folge hat, dass die Stoffwechselstörung bei den Jugendlichen ebenso wie bei erwachsenen Typ 2-Diabetikern zum Teil erst mit jahrelanger Verzögerung tatsächlich erkannt und diagnostiziert wird.

Quellen

Vortrag Professor Dr. Thomas Danne, Hannover, Pressegespräch "Aktuelles aus der praktischen Diabetestherapie: Neue Angebote für Arzt und Patient", "Herbsttagung für praktische Diabetologie" der Deutschen Diabetes Gesellschaft, 26. Oktober 2007, Berlin, Veranstalter: Lilly Deutschland GmbH

Diabetes Leitlinie DDD Pädiatrie

Gesundheitsberichterstattung des Bundes für Deutschland 1998

PD Dr. Thomas Reinher, Datteln, Diabetes aktuell, 2007, 5, 217

www.worlddiabetesday.org

Christine Vetter, Köln
Neuer Halbschritt-Pen für Kinder und Jugendliche
Präziser ist die Insulindosierung bei Kindern und Jugendlichen mit dem neuen HumaPen® LUXURA HD möglich, der die Injektion von Insulin in Dosisschritten von halben Einheiten erlaubt. Das trägt der höheren Insulinempfindlichkeit der kleinen Patienten Rechnung. Der dschungelgrüne Pen ist robust, leicht zu handhaben, kann mit sehr kleinen Kanülen eingesetzt werden und wird den ersten Erfahrungen zufolge von Kindern und Jugendlichen gut akzeptiert.
Bei der Behandlung von Kindern geht es wie bei Erwachsenen darum, eine möglichst gute Stoffwechselkontrolle zu erzielen und den Diabetes möglichst normnah einzustellen.
Foto: LifeScan

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