Kooperationsgipfel

Brauchen Apotheken den Außendienst noch?

München - 03.05.2022, 16:45 Uhr

Andreas Kierndorfer diskutierte beim Kooperationsgipfel mit Martina Gampel, Iris Blaschke und Robert Bielmeier. (Foto: Melanie Löffler)

Andreas Kierndorfer diskutierte beim Kooperationsgipfel mit Martina Gampel, Iris Blaschke und Robert Bielmeier. (Foto: Melanie Löffler)


Die Corona-Pandemie hat vieles verändert, so auch die Arbeit des Apothekenaußendienstes, der quasi von einem Tag auf den anderen nicht mehr stattfand. Lässt sich diese Entwicklung wieder zurückdrehen? Kann man den Außendienst vielleicht ganz ersetzen? Und was macht eigentlich einen starken Außendienst aus? Darüber diskutierten Vertreter aus der Industrie und der Apothekerschaft beim Kooperationsgipfel, der derzeit in München stattfindet.

Der Kooperationsgipfel ist zurück vor Ort. Nach Pandemie-Abstinenz im vergangenen Jahr, in der vom Bundesverband der deutschen Apothekenkooperationen organisierte Branchentreff nur digital stattfand, trifft man sich in diesem Jahr unter 2G+-Bedingungen wieder in München. Zur großen Freude des Organisators und BVDAK-Vorsitzenden Stefan Hartmann, aber auch aller Teilnehmer:innen, kann man den Vorträgen und Diskussionsrunden nun wieder unmittelbar lauschen und sich persönlich austauschen.

Nach der Begrüßung durch Stefan Hartmann und seine Co-Moderatorin Vanessa Conin-Ohnsorge gab es ein paar Anregungen, was man sich von Ameisen abschauen könnte. Zudem einen Parforceritt durch die aktuelle Gesundheitspolitik von Manuela-Andrea Pohl, Senior Specialist Public Affairs bei Noventi, gefolgt von einer Diskussionsrunde zur Frage, was einen starken OTC-Außendienst auszeichnet. Darüber diskutierten Martina Gampl von Dr. Pfleger, Apothekerin Iris Blaschke, Leitung & COO der St. Vitus Apotheke in Gilching und Robert Bielmeier, Inhaber von der Personalberatung Bielmeier & Partner. 

Denn klar ist: Corona hat den Außendienst in den Apotheken massiv verändert, schließlich wurden die Besuche von einem Tag auf den anderen auf nahezu null reduziert. Dadurch hat er an Bedeutung verloren. Das ist in den Augen von Iris Blaschke auch nur schwer zurückzudrehen. Die Außendienstler, die vor der Pandemie einen guten Job gemacht und eine persönliche Beziehung aufgebaut haben und auch während der Beschränkungen Kontakt zur Apotheke gehalten haben, haben auch weiterhin eine Chance. „Die müssen auch nichts zurückholen“, wie sie erklärt. Für die anderen, die alle Apotheken nach dem Gießkannenprinzip gleichbehandeln, sei die Entwicklung aber nicht mehr umkehrbar, so Blaschke. Dazu komme der Personalmangel, sodass man sich bei jedem Besuch überlege, ob das wirklich sein müsse. Wer aber bereit sei, neue Wege zu gehen, könne weiterhin erfolgreich sein. 

„Außendienstler müssen auf individuelle Bedingungen eingehen können“

Laut Industrievertreterin Gampel hat der Außendienst weiterhin Bedeutung und wurde auch vermisst – zum Teil zumindest. Deswegen müsse sich der Außendienst verändern, der Anspruch werde höher, er müsse echten Mehrwert bringen. Dafür sei es aber erforderlich, dessen Kompetenz auszubauen. „Außendienstler müssen auf individuelle Bedingungen eingehen können“, so Gampel. Auch Personalprofi Bielmeier misst dem Außendienst weiterhin Bedeutung bei: „Die Industrie baut den Außendienst derzeit massiv aus, das muss einen Grund haben. Die Apotheke ist ein Goldstück.“



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Aussendienst

von Lars Peter Wall am 03.05.2022 um 23:42 Uhr

Ich möchte da Frau Gampl vollumfänglich zustimmen!
Eine persönliche Betreuung ist für die Kundenbeziehung zur Apotheke extrem wichtig!
Es ist ja tatsächlich so....wenn ich da jemanden mag und der / die toll mit mir zusammenarbeitet. Bumm dann klappt das. Auch der hybride Ansatz ist super. Ich muss nicht alle ADler ständig vor Ort haben. 2-4x im Jahr plus Zoom oder Ähnliches! Top!

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