Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

23.01.2022, 05:27 Uhr

Manchmal hat es auch sein Gutes, wenn ein Start verschoben wird – z. B. beim E-Rezept... (Foto: Alex Schelbert)

Manchmal hat es auch sein Gutes, wenn ein Start verschoben wird – z. B. beim E-Rezept... (Foto: Alex Schelbert)


20. Januar 2020

Immer wieder zeigt es sich, dass es nicht verkehrt war, die Einführung des E-Rezepts zu verschieben. So sind beispielsweise noch viele Spezialfälle zu regeln. Ein solcher Spezialfall ist die legale Zuweisung von Rezepten für Zytostatikazubereitungen. Die Gematik hat nun eine Spezifikation erstellt. Allerdings sollte man da mal genau hinschauen, ob die speziellen Wege für solche Sonderfälle nicht unzulässigen Zuweisungen Tür und Tor öffnen. Die Zytostatikarezepte dürfen nämlich einer bestimmten Apotheke zugewiesen werden, um kurzfristige Änderungen und Absprachen zur termingenauen Lieferung ohne Mitwirkung des Patienten zu ermöglichen. Der Patient ist da also erstmal außen vor, er kann das Rezept nicht selbst einer Apotheke zuweisen und er kann das Rezept auch nicht löschen. Schaut man sich den Workflow an, wie mit solchen Rezepten verfahren wird, erkennt man, dass die für legale Fälle geschaffene Ausnahme eine Hintertür im Schutzsystem des E-Rezepts öffnet und damit auch illegale Nutzungen möglich machen könnte. So könnte es denkbar sein, dass einzelne Ärzte diese Funktionen als allgemein zulässige „komfortable“ Alternative missverstehen. Mein liebes Tagebuch, die Wege dieser Spezialfälle sind also wirklich gut zu prüfen – Hintertürchen für eine allgemeine bequeme Rezeptzuweisung von Arztpraxen an bestimmte voreingestellte Apotheken darf es nicht geben.

 

Die Vorbereitungen für Covid-19-Impfungen in Apotheken laufen auf Hochtouren an. In manchen Bundesländern werden Ende Januar, Anfang Februar die ersten Impfungen durchgeführt werden. Damit die Bevölkerung auch weiß, dass ihre Apotheke Covid-19-Impfungen anbietet, muss die Apotheke auf die Impfung hinweisen dürfen: Werbung für Covid-Impfungen – ist das erlaubt? Ja, die Apotheke darf dafür werben, solange sie nur für das Impfen als Dienstleistung wirbt. Dagegen  darf die Apotheke nicht dafür werben, dass sie zum Beispiel den Biontech- oder Moderna-Impfstoff einsetzt, denn das wäre eine Werbung für ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Eine solche Werbung erlaubt das Heilmittelwerbegesetz nicht, da sie sich an Laien wendet. Mein liebes Tagebuch, ein Flyer, ein Handzettel, ein Hinweis in einer Zeitung oder im Schaufenster und im Straßenaufsteller ist in Ordnung, aber ohne Impfstoffangabe. Der Hinweis „Hier wird mit Mercedes- oder Rolls-Royce-Impfstoff geimpft“ geht nicht.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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3 Kommentare

Booster

von Karl Friedrich Müller am 23.01.2022 um 15:04 Uhr

ja, man kann sich alles schön reden. Nachdem, zumindest hier in der Region, sich die Ärzte in den Impfzentren die Füße in den Bauch stehen, brauchen wir (Covid) impfende Apotheke so sehr wie das Virus - gar nicht. Ein wenig weniger Aktionismus und Verzettelung, dafür mehr Bündelung und Weitsicht wäre gut in der Pandemie.
Der Beruf soll und muss sich weiterentwickeln, daher ist es schon gut, wenn auch beim Impfen die Voraussetzungen geschaffen werden, für später, wenn ich Apotheken auch mal alles geimpft werden kann.
Warum sind wir überhaupt an diesen Punkt gelangt, dass wir jede Chance auf (Zusatz-) Einkommen wahr nehmen müssen?
Ich arbeite seit über 40 Jahren in dem Beruf, drei Viertel davon selbst und ständig, habe daher einige "Reformen" miterlebt. Als junger Apotheker war ich begeistert von den Möglichkeiten, den Kunden und Kranken zu helfen, ein besseres Leben zu führen. An der Uni lehrte Professor Ammon über Wirkungen und Wechselwirkungen. Mir war schnell klar, dass hier ein großes Betätigungsfels auf uns zukam. Schon damals gab es in der Apotheke Nebenfelder, wie Tierarzneimittel und so weiter, für die ich mich kaum interessiert habe. Meine Credo war: Mit dem Feld der Arzneimittel haben wir genug zu tun. Ich sehe es heute noch so. Im Beruf stellte sich schnell heraus, das man auf WIderstände stieß, wenn man sein Wissen anbringen wollte, aber es gab auch positive Resonanz. Immerhin war der Beruf überall angesehen. Das änderte sich im Lauf der Zeit. In Medien, Politik und Krankenkassen wurde man zunehmend ablehnend und aggressiv. Ich verstehe noch heute den Grund nicht. Mit den 90ern, als dann der Shaerholder Value das Wichtigste wurde, wurde es für alle im Gesundheitswesen unangenehm. Es wurde umgestaltet vom Dienstleister und Versicherung der Kranken zum Dienstleister für Konzerne und Anleger. Gemacht wird, was Geld bringt, der Rest ist mies bezahlt, so dass man da nur über die schiere Masse auf ein vernünftiges Einkommen kommt. Wenn Sie eine Diagnose wollen, müssen Sie jedes Quartal ein mal in die Praxis dackeln, bis dann nach Jahren das Ergebnis feststeht. Es wird gegeizt, gedeckelt, geknausert beim Versicherten, während andere absahnen.
Heute in der SZ: Pflege-und Seniorenheime bringen 5% Rendite. Im Gesundheitswesen dürfte es genauso aussehen,
Das ist pervers!!! Dafür sind die Krankenkassen nicht da!!
Auch bei uns wurde "gespart", man hat uns die Unabhängigkeit genommen und müssen nun um Erhöhung betteln. Preisfreigabe bei OTC, Erlaubnis zum Versand, mit dreisten Lügen: SPD; DIE GRÜNEN, CDU
Ebenso dreist soll das eRezept eingeführt werden, das nicht nur den Versand weiter begünstigen wird, sondern auch die unerlaubte Rezeptschieberei, die jetzt schon unerträglich ist., die Zuweisungen. Was mich zur Verzweiflung bringt, ist die Blauäugigkeit, auch der DAZ. Nicht nur die Gefahren durch Hacker sind immens, die Gefahr durch Strom und Internetausfall, sondern auch die Gefahr, nein die Sicherheit, dass Krankenkassen uns bei jedem Schritt kontrollieren und weiter mit Unsinn überziehen werden. Weiter unser Einkommen und Umsatz minimieren werden.
Weil es geht!!
Die Diskussion um die Tariferhöhungen ließ in den Foren die Diskussion über Boni und Prämien für Mitarbeiter aufkommen. Ich denk so: Schnallt Ihr gar nichts? Man ist so betriebsblind, dass man das Hamsterrad, die Versklavung und Erpressung gar nicht mehr sieht. Man gibt den Druck fröhlich an die Mitarbeiter weiter, man kannibalisiert, will wachsen auf Kosten von Mitbewerbern, statt endlich Forderungen nach auskömmlicher Honorierung zu stellen.
Die angebotene Vergütung für PCR Tests sagt doch alles: Unter dem EK!!! Wir sollen (viel) Leistung erbringen, aber nichts kosten! Wir haben nach wie vor eine viel zu schwache Vertretung. Die Verbände dürfen nicht mehr jede Zumutung abnicken!! Die ABDA muss mal Kante zeigen! So geht das nicht weiter.
Wir sind heute sehr viel weiter als vor 40 Jahren. Wir haben gute Möglichkeiten, den Kunden zu helfen, Medikationsplan, pharmazeutische Betreuung, viel mehr Wissen. Wir könnten ein wichtiger Bestandteil in der Versorgung sein.
Statt dessen macht man uns kaputt und wir uns selbst.
Immer noch.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Booster

von Christian Metze am 24.01.2022 um 9:50 Uhr

Lieber Kollege Müller,
ich gebe Ihnen vollständig recht.

AW: Boostern- wen?

von Reinhard Rodiger am 24.01.2022 um 12:06 Uhr

Danke, lieber Kollege Müller ! Auf den Punkt.
Mich lässt verzweifeln, dass das Hauptproblem die eigene Führung ist, flankiert von Trägheit und Resignation.Nicht zu vergessen das zunehmende Fehlen eines kritischen Diskurses.Hier lässt auch die DAZ mögliche Impulse vermissen.Somit bleibt nur, die notwendigen Gedanken nicht völlig untergehen zu lassen.Die Debatte hier schafft schon den Charakter der Einzigartigkeit.

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