IQVIA-Statistik 

142.000 Cannabisrezepte in 2018 - (k)ein Zeichen für Missbrauch? 

Berlin - 01.03.2019, 15:00 Uhr

Die Zahl der Cannabisrezepte steigt immer noch. Die Entwicklung spaltet die Fachwelt: Kritiker befürchten Missbrauch, Befürworter verweisen auf das medizinische Potenzial und positive Therapieerfahrungen.  ( r / Foto: imago)

Die Zahl der Cannabisrezepte steigt immer noch. Die Entwicklung spaltet die Fachwelt: Kritiker befürchten Missbrauch, Befürworter verweisen auf das medizinische Potenzial und positive Therapieerfahrungen.  ( r / Foto: imago)


Rund 142.000 Kassenrezepte über Cannabisarzneimittel landeten 2018 in Deutschlands Apotheken. Dies geht aus einer Statistik des Marktforschungsinstituts IQVIA hervor. Den Daten zufolge zeichnet sich ein anhaltender Wachstumstrend ab, insbesondere bei Cannabisrezepturen. Für Kritiker wie die Bundesapothekerkammer ist diese Entwicklung ein Zeichen für Missbrauch. Stimmen aus der Praxis interpretieren den Trend als eine Art Lernkurve mit dieser relativ jungen Behandlungsoption.  

Seit knapp zwei Jahren können Ärzte Cannabis als Medizin verordnen.Nach ersten Anlaufschwierigkeiten hatte sich die Zahl der Kassenrezepte vor allem in eine Richtung entwickelt, und zwar nach oben. Dies zeigt auch die aktuelle Verordnungsstatistik des Marktforschungsinstituts IQVIA, die am heutigen Freitag veröffentlicht wurde.  

Als Datengrundlage zog IQVIA die Zahl der Cannabisrezepte heran, die im Jahr 2018 als Fertig-, als Rezepturarzneimittel oder als unverarbeitete Cannabisblüten zulasten der GKV abgerechnet wurden. Die Blütentherapie fließt damit an zwei Stellen ein. So umfasst die Gruppe der Cannabisrezepturen sowohl Zubereitungen mit Rezeptursubstanzen (z.B. Dronabinol oder Tilray-Extrakte) als auch die Verarbeitung von Blüten, beispielsweise durch Zerkleinern. Eine weitere Aufschlüsselung der Kategorie geht aus der Statistik allerdings nicht hervor.  

Wachstumstrend ungebrochen

Vergleicht man die Medizinalhanf-Verordnungen monatsweise im Vergleich zum Vorjahr, ergibt sich zwischen März und Dezember 2018 jeweils ein Zuwachs im dreistelligen Bereich gegenüber dem entsprechenden Monat in 2017. Zwischen März und August 2018 lag der Anstieg bei über 200 Prozent. Dabei ist zu bedenken, dass die Gesetzesänderung im März 2017 in Kraft trat, und in den ersten Monaten danach die Zahl der Verordnungen noch niedrig war. 

Grundsätzlich ist anzumerken, dass die Statistik keine Rückschlüsse auf die Zahl der Cannabispatienten zulässt, da auch Folgeverordnungen eingeflossen sind. Außerdem fehlen die Zahlen von Privatversicherten und Selbstzahlern.

Zunehmend mehr Rezepturen als Fertigarzneimittel

Laut IQVIA wurden 2018 rund 142.000 Kassenrezepte ausgestellt. Über ein Drittel davon ging auf das Konto von Allgemeinärzten, gefolgt von Neurologen, Ambulanzen und Anästhesisten. Dieses Facharztgruppenverhältnis weicht von einer Statistik der Techniker Krankenkasse vom Mai 2018 ab, bei der die Neurologen und Psychiater vorne gelegen hatten.  

In der aktuellen IQVIA-Statistik entfallen 42 Prozent der Verordnungen auf Cannabisrezepturen, gefolgt von Fertigarzneimitteln mit 34 Prozent und Cannabisblüten ohne Verarbeitung mit 24 Prozent. Dies zeigt eine Verschiebung zwischen den Kategorien, denn bis einschließlich Februar 2018 dominierten Fertigarzneimittel als mengenstärkste Kategorie. Im März 2018 vereinten erstmals Zubereitungen den größten Anteil auf sich, seit Mai 2018 zeigt sich dies auch für die restlichen Monate des Jahres.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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3 Kommentare

Respektlos

von Rainer W. am 07.03.2019 um 15:44 Uhr

Zumindest bei uns sind die einzigen Verordnungen über Cannabis aus der Palliativversorgung. Das Kiefer sich hier ohne jegliche Zahlen- oder Datenbasis anmaßt einer ganzen Patientengruppe Mißbrauch zu unterstellen ist ein gewaltiger Affront gegen diese Menschen.

Einmal mehr beweist der Präsident, dass er nicht anhand wissenschaftlicher Daten sondern einzig auf Basis von Vorurteilen, Sentiments und Ideologien entscheidet.
Fehlt nur noch, dass er eine Anekdote als Beweis anführt...

Eines wissenschaftlichen Berufes unwürdig.

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Respektlos

von Rainer W. am 07.03.2019 um 8:48 Uhr

Die Nachfragen zu Cannabis haben bei uns tatsächlich zugenommen, darunter bestimmt auch der ein oder andere, der es vermutlich zum Freizeitkonsum verordnet haben möchte.

Die einzigen, die aber tatsächlich Cannabis verordnet (!) bekommen haben und deshalb in dieser Statistik auftauchen sind Palliativpatienten mit chronischen Schmerzen, Krebs im Endstadium usw.

Sowas ohne Datengrundlage als "Missbrauch" abzustempeln ist eines Apothekers unwürdig, Kiefer sollte sich schämen. Zumal es keine Zahlen geben dürfte die seine ideologisch gefärbte, völlig frei erfundene These untermauern.

Mal ganz abgesehen davon, dass die von ihm so befürwortetete qualitative Analytik gar nicht geeignet ist quantitativen "Verschnitt" nachzuweisen. Das lernt man im ersten Semester Pharmazie. Solchen Unfug sollte ein Kammerpräsident eigentlich nicht von sich geben ohne rot zu werden.

Cannabis ist sicher nicht das Allheilmittel, das die Befürworter darin sehen. Wenn ich mir aber die Kommentare von Kiefer und Bodendiek ohne Datengrundlage sehe und im starken Kontrast dazu die Patienten, die bei uns tatsächlich Cannabis auf Rezept erhalten frage ich mich ob die Gegenseite nicht mindestens genauso ideologisch verblendet ist.

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Reicht's nicht endlich ?

von M.Thole am 04.03.2019 um 4:40 Uhr

So oft, wie die Herren Kiefer und Bodendiek bereits aufgefallen sind machen sie den Eindruck, Mißbrauchsopfer mit Psychose zu sein

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