55 rezeptfreie Mittel in der BIld

Das Beste gegen Erkältung und „Haut-Kribbeln“

Stuttgart - 22.11.2016, 17:55 Uhr

Die Bild stellt die besten rezeptfreien Mittel vor, ermittelt von Stiftung Warentest. (Foto: Screenshot)

Die Bild stellt die besten rezeptfreien Mittel vor, ermittelt von Stiftung Warentest. (Foto: Screenshot)


„Die besten rezeptfreien Mittel“ – diesem Thema hat Stiftung Warentest ein ganzes Heft gewidmet. Dort werden Arzneimittel gegen Beschwerden von „Allergie bis Zahnweh“ vorgestellt – hilfreich und zum günstigen Preis. 55 – die angeblich besten und günstigsten – präsentiert die „Bild“ am Dienstag in sehr verkürzter Form.

„Wir nähern uns der Hochsaison bei Husten und Schnupfen – und viele kämpfen zurzeit mit Magen-Darm-Problemen“, schreibt die „Bild“ in ihrer online-Ausgabe vom Dienstag und stellt 55 rezeptfreie Arzneimittel vor, die von der „Stiftung Warentest" nicht nur für gut, sondern auch für günstig befunden wurden.

Zu verschiedenen Indikationen sind dann die nach Ansicht der Stiftung-Warentest-Experten besten Mittel aufgeführt, garniert mit jeweils drei beratenden Sätzen. Geeignet sind nach den Kriterien von Stiftung Warentest die Arzneimittel, deren Wirkung ausreichend nachgewiesen ist. Außerdem muss das entsprechende Präparat ausreichend erprobt und der Nutzen größer als die Risiken sein. Mittel mit der Bewertung „mit Einschränkung geeignet“ sind zwar nach Ansicht von Stiftung Warentest wirksam, ihr Risikopotenzial ist aber schwerer einzuschätzen oder höher als das der Mittel der ersten Wahl. „Mit Einschränkung geeignet“ kann aber auch bedeuten, dass die Präparate weniger wirksam sind als andere oder die Wirksamkeit weniger gut belegt ist. Arzneimittel, die nach Einschätzung von Stiftung Warentest „wenig geeignet“ sind, hat die Bild nicht aufgegriffen. Das sind zum Beispiel Kombinationspräparate, bei denen sich die enthaltenen Wirkstoffe nicht sinnvoll ergänzen oder keine zusätzlichen therapeutischen Nutzen zeigen. 

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Husten, Schnupfen, Halsweh

So lautet die Empfehlung bei Reizhusten Dextromethorphan, das günstigste Präparat soll der Hustenstiller von Ratiopharm sein. Ohne ärztlichen Rat sollte man das aber nicht länger als drei Tage nehmen. Als sanfte Alternative kann Spitzwegerich eingesetzt werden. Präparatetipp: ein Hustensaft aus dem Drogeriemarkt. Dieser ist zwar tatsächlich dem Gesamtpreis nach der Günstigste, bezieht man sich auf den Preis pro Milliliter wäre der Saft aus der Apotheke, Broncholind, jedoch die bessere Wahl.

Laut DEGAM-Leitlinie „Husten“ wirken Antitussiva hinsichtlich des Hustenreizes nicht besser als Placebo. Allerdings verbessern sie die Fähigkeit zu schlafen. Sie sollten nur nachts zur Anwendung kommen bei nicht produktivem und quälendem Reizhusten für maximal 14 Tage, sagt die Leitlinie.

Hustenlöser sind laut Bild nur mit Einschränkung geeignet. Produktempfehlungen sind generische ACC- oder Ambroxolpräparate sowie Efeu- und Thymian – Monopräparate (Efeu 1a Pharma oder Thymiverlan). Die Leitlinie erachtet eine Therapie mit Expektoranzien bei akutem Husten übrigens für nicht notwendig.

Efeu-Extrakt hilft auch Erwachsenen

Zubereitungen aus Efeu-Extrakt werden vorrangig zur Behandlung von Husten bei Kindern eingesetzt. Dass sie auch bei Erwachsenen mit akutem Husten wirksam sind, konnte nun in einer randomisierten, kon­trollierten, doppelblinden Studie nachgewiesen werden.

DAZ-Abonnenten lesen hier mehr oder in DAZ 2016, Nr. 44 auf Seite 43

Für die Indikation Schnupfen heißt es auf jeden Fall konservierungsmittelfrei und nicht länger als fünf bis sieben Tage. Xylometazolin (Nasenspray ratiopharm oder Tussamag) und Oxymetazolin (Nasivin) sind die Mittel der Wahl. Salzhaltige Sprays (Abtei Meersalz Nasenspray) befeuchten die Schleimhäute, Dexpanthenol (Imidin sanft Nasenpflege) pflege zusätzlich, heißt es. 

Bei Halsschmerzen rät die Bild unter Berufung auf Stiftung Warentest zu Tabletten mit Emser Salz (Emser Pastillen), das helfe Mund und Rachen zu befeuchten. Alternativ können Lokalanästhetika empfohlen werden – Ambroxol (Mucoangin) oder Lidocain (Trachlid). Die DEGAM-Leitlinie „Halsschmerzen" (allerdings abgelaufen) rät von der Verwendung von Lokalanästhetika ab, sieht aber für Ambroxol noch die beste Datenlage. Dort sind systemische Analgetika Mittel der Wahl. 

Magen-Darm und Haut

Weitere Indikationen, für die Arzneimittel empfohlen werden, sind Fieber und Schmerzen, Sodbrennen sowie Verstopfung und Durchfall. Bei letzterem heißt es einleitend: „Trockenhefe stärkt die Abwehr, Loperamid beruhigt den Darm, Elektrolyt-Mischungen ersetzen die verlorenen Mineralien.“ Die bekannte Glaeske-Linie „Monopräparate über alles“ – er fungiert bei Warentest wieder der wieder als Experte – wird dabei durchgezogen.

Den Abschluss bilden dann Erkrankungen der Haut – Haut-Wunden, die mit Povidon-Jod desinfiziert werden können, sowie „Haut-Kribbeln“. Wirft man einen Blick in die Quelle, das Sonderheft von Stiftung Warentest, sind damit juckende Hauterkrankungen gemeint. Sie können bei Entzündung kleinerer Hautflächen mit Hydrocortison (Hydrocutan) behandelt werden. Polidocanol oder Synthetische Gerbstoffe (Delagil) betäuben beziehungsweise lindern Juckreiz.

Ist es am Ende dienlich, die Ausführungen von Stiftung Warentest auf jeweils drei Sätze und einen Preis zu reduzieren? Für die Headline „Das sind die 55 besten rezeptfreien Mittel“ war es in jedem Fall gut. Falls auch Patienten davon profitieren möchten, sollten sie vielleicht besser weitergehende Infos zur Therapie ihres „Haut-Kribbeln“ oder anderer Symptome bei ihrem Apotheker einholen

Viele Themen rund ums Arzneimittel von der Bild-Zeitung auf ein Minimum verkürzt. 

Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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