DAZ-Interview

Schmidt: „Ich bin kein Teflon-Mensch“

Berlin - 04.09.2013, 15:00 Uhr


Die harte und zum Teil polemische Kritik an der Arbeit des ABDA-Präsidenten ist an Friedemann Schmidt nicht spurlos vorbeigegangen: „Ich bin nicht immun, kein Teflon-Mensch“, sagte Schmidt im Interview mit der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ). Er sei sich bewusst, dass er selbst mit einigen Äußerungen für Kritik gesorgt habe. Es beunruhige ihn, dass es ihm noch nicht gelungen sei, die Ziele seiner Arbeit für alle deutlich zu machen.

Zugleich rechtfertige der ABDA-Präsident sein Vorgehen. Er habe ganz bewusst einen berufspolitischen Impuls zur Veränderung der Apothekerschaft gesetzt. Schmidt: „Es war absehbar, dass der nicht unwidersprochen bleiben würde.“ Er glaube, dass der Apothekerberuf einen Veränderungsprozess benötige. Hinter seinen Aussagen stecke die Absicht, den Berufsstand „aufzurütteln und weiterzuentwickeln“. „Das löst Sorgen und Ängste aus“, so Schmidt, „darauf muss ich in Zukunft stärker eingehen.“

Schmidt bedauerte, dass seine vom Magazin „Stern“ zitierten Aussagen aus dem Kontext eines zweistündigen Gesprächs gerissen worden seien. Darin habe er darauf hingewiesen, dass den Apothekern in Deutschland in der Therapiebegleitung von Patienten „ganz wesentliche Instrumente fehlen, die in anderen Ländern zum Teil seit mehr als zehn Jahren zum Repertoire gehören“. Schmidt: „Wenn man dieses Zitat isoliert herauszieht, wird daraus nur der Vorwurf, wir wären zehn Jahre hinterher. Das ist natürlich Quatsch.“

Ziel seiner verschiedenen Interviews sei es gewesen, die Wahrnehmung „unseres Berufsstandes und der ABDA in den Medien zu verbessern“. Er habe alle Gespräche genutzt, um die Idee von der Weiterentwicklung des Apothekerberufs zu kommunizieren und Interesse dafür zu wecken. Schmidt: „Ich stehe dazu, dass die Rahmenbedingungen unseres Berufes verbesserungsbedürftig sind.“

Was das präsidiale Video zum Notdienstfonds betrifft, räumte Schmidt im DAZ-Interview ein, „dass die technische Umsetzung und das Szenenbild auf einem Missverständnis gründen“. Er könne das besser, so Schmidt: „Ich lerne aus solchen Fehlern. Ich werde sicherlich außerhalb von Weihnachten keine solche Ansprache mehr halten.“ Adressiert gewesen sei das Video vor allem an die Politik. Es habe in der Regierungskoalition Verwunderung und Verärgerung über die Kritik aus der Apothekerschaft an der Notdienstpauschale gegeben. „Ich wollte ein Signal in diese Richtung setzen, dass die Notdienstpauschale ein richtiger struktureller Schritt ist“, so Schmidt.

Vom Mitte September anstehenden Deutschen Apothekertag (DAT) erwartet der ABDA-Präsident, dass mit der Vorstellung des neuen Leitbildes der „inhaltliche Zusammenhang unseres Handelns deutlich wird“. Das sei ihm bisher nicht immer so gelungen, wie er sich das gewünscht habe. Auf dem DAT „sollen unsere Ziele und Ideen klar werden“, so Schmidt.

Der Apotheker sei und bleibe ein freier Beruf, „das ist für mich das wichtigste Ziel“. Das Kennzeichen des freien Berufs sei die ideelle Leistung, die besondere Dienstleistung. Die Expertenrolle des Apothekers liege in erster Linie nicht mehr in der Faktenvermittlung über Fertigarzneimittel. Schmidt: „Entscheidend für die Zukunft unseres Berufes ist es, das Faktenwissen für jeden einzelnen Patienten aufzubereiten und über die gesamte Therapiedauer mit dem Patienten zu arbeiten. Das ist ein Unterschied zu heute.“

Im Unterschied zum bisherigen Politikstil der ADBA sei er der Meinung, dass „wir Apotheker darüber öffentlich reden und diskutieren müssen und nicht nur innerhalb der Standesorganisationen“. Schmidt: „Sie können nicht im stillen Kämmerlein so etwas auskaspern. Es gibt eine Erwartungshaltung der Gesellschaft nach Öffentlichkeit.“

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen DAZ 36.


Lothar Klein


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