Therapien im Gespräch

Von banal bis unheilbar

Infektionskrankheiten sind wie das „täglich Brot“

cae | Viren, Bakterien, einzellige Pilze und Protozoen sind die häufigsten Erreger von Infektionskrankheit. In jeder Ausgabe der DAZ können Sie etwas Neues da­rüber lesen. Hier erinnern wir an einige größere Beiträge aus diesem Jahr.

Pilzinfektionen

Auf unserer Haut siedeln etwa eine Billion Mikroorganismen, darunter auch einige Pilze. Die meisten von ­ihnen sind nicht pathogen, sondern schützen uns sogar vor pathogenen Keimen. Wenn aber das Gleichgewicht in der Hautflora gestört oder unser Immunsystem geschwächt ist, kann eine einzelne Spezies sich ungebremst vermehren und eine „Pilzinfektion“ auslösen. Bei den humanpathogenen Pilzen unterscheidet man

  • Dermatophyten (Fadenpilze),
  • Hefen (z. B. Candida) und
  • Schimmelpilze.

Die meisten Hautmykosen werden von Dermatophyten ausgelöst. Sie vermehren sich bei einem Temperaturoptimum von 25 °C und benötigen Keratin zum Wachstum. Die Infektion wird als „Tinea“ bezeichnet; der Zusatz „pedis“ z. B. bedeutet Fußpilz. Hautmykosen können lokal oder oral und systemisch durch eine breite Palette von Arzneistoffen behandelt werden. Bei der oralen Therapie ist auf Interaktionen mit anderen Arzneistoffen zu achten. ­Griseofulvin kann erbgutschädigend wirken; deshalb sollten gebärfähige Frauen, die in einer Partnerschaft leben, bis einen Monat nach der Therapie eine Empfängnis verhüten. (DAZ 37, S. 34)

Husten und Bronchitis pflanzlich behandeln

Phytopharmaka, die ätherische Öle oder Saponine enthalten, sind eine gute Empfehlung, wenn sich ein festsitzender, verschleimter Husten lösen soll. Für einige Mittel wurde die Wirksamkeit – bei geringer Nebenwirkungsrate – in randomisierten placebokontrollierten Studien nach­gewiesen.

Nach oraler Aufnahme in den Magen wirken Triterpensaponine und bestimmte ätherische Öle durch den gastropulmonalen Reflex indirekt sekretolytisch: Sie erregen die sensiblen Nerven der Magenschleimhaut und stimulieren dadurch die Sekretolyse in den Bronchien. Zudem wirken ätherische Öle nach der Inhalation sekretomotorisch: Sie erhöhen die Schlagfrequenz der Zilien, sodass der Schleim zusammen mit Infektionserregern schneller in Richtung Rachen abtransportiert wird. Thymol, ein Hauptbestandteil des Thymianöls, wirkt in höheren Konzentrationen β2 -sympathomimetisch und erweitert dadurch die Bronchien. (DAZ 36, S. 40)

Sommergrippe oder Urlaubsfieber

Für grippeähnliche Symptome in den Sommermonaten sind meist Echo- oder Coxsackie-Viren verantwortlich, da sie bei höheren Temperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit aktiver sind. Eine Sommergrippe beginnt wie ein grippaler Infekt im Winter mit allgemeinem Krankheitsgefühl, Kratzen und Schmerzen im Hals und einem geröteten Rachen. Die Nasenatmung ist behindert; ein Schnupfen ist anfangs wässrig, nach drei bis vier Tagen purulent. Daran schließt sich häufig ein trockener, später produktiver Husten an. Zusätzlich können Kopf- und Ohrenschmerzen sowie leichtes Fieber auftreten.

Die Behandlung ist ähnlich wie bei einem grippalen Effekt im Herbst oder Winter. Die Beschwerden werden symptomatisch behandelt, und zwar in der Regel mit Mitteln der Selbstmedikation. Je nach der individuellen Ausprägung kann die Apotheke den Patienten rezeptfreie Präparate mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Wirkstoffen, abschwellende Nasentropfen oder Sekretolytika empfehlen. (DAZ 20, S. 52)

HIV-Infektion und Aids

Das HI-Virus, das die Immun­schwächekrankheit Aids auslöst, gehört zu den am besten erforschten Viren. Entsprechend seinem Verhalten im menschlichen Körper bieten sich mehrere Ansatzpunkte, das HIV durch Arzneistoffe zu bekämpfen. Etwa 25 sind bei uns zugelassen. Sie gehören (in abnehmender Häufigkeit) zu den Reverse-Transkriptase-Inhibitoren, Protease-Inhibitoren, Integrase-Inhibitoren und Entry-Inhibitoren. Der Therapieerfolg hängt von einer sinnvollen Kombination mehrerer Arzneistoffe und der Compliance des Patienten ab, die durch die teils schwerwiegenden Nebenwirkungen der Arzneistoffe gefährdet ist. Sie betreffen fast alle Organe, vor allem den Gastrointestinaltrakt, die Leber, die Niere, die Knochen und die Haut.

Glücklicherweise ist die Erkrankungsrate in Deutschland im internationalen Vergleich niedrig. Zur Betreuung der Aids-Patienten können Apotheken einen großen Beitrag leisten (s. Kasten „Der HIV-Patient in der Apotheke“).

Trotz weiterer Forschungsbemühungen gilt es, die antiretrovirale Therapie (ART) lebenslang durchzuführen, denn eine Eradikation des HIV und eine Heilung von Aids-Patienten dürfte auf lange Sicht nicht möglich sein – übrigens sind auch die Aussichten auf einen Impfstoff gegen HIV nicht besser. (DAZ 22, S. 35)

Der HIV-Patient in der Apotheke

Die insgesamt geringe Inzidenz von HIV in Deutschland, die Versorgung in spezialisierten Zentren und die gute Verträglichkeit der modernen ART machen die Versorgung von HIV-Patienten außerhalb von Prävalenzregionen (Großstädte) eher zur Rarität. Wesentlich bei Betreuung in der Offizin ist:

  • Keine Angst vor Ansteckung!
  • Die Wissenskompetenz des Kunden erfragen.
  • Sich versichern, dass der Patient von HIV-Spezialisten versorgt wird.
  • Nicht zögern für Rückfragen beim spezialisierten Arzt oder Apotheker.
  • Arzneimittelinteraktionen und Nebenwirkungen ernst nehmen.
  • Die Adhärenz (Compliance) fördern.

Chlamydien-Infektionen und andere STI

Bei sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten (STI) denkt jeder zuerst an die „Klassiker“ Syphilis und Gonorrhö sowie an die seit etwa 1980 sich schnell ausbreitenden HIV-Infektionen. In ihrer Symptomatik leichter, aber zahlenmäßig viel bedeutsamer sind Chlamydien-Infektionen: Die ­Anzahl der jährlichen Neuinfektionen in Deutschland wird auf 100.000 geschätzt. Sehr hohe Infektionsraten (bis 13%) sind unter sexuell aktiven weiblichen Jugendlichen zu finden.

Die bakteriellen STI sind heute gut zu therapieren. Am besten ist es jedoch, wenn man es vermeidet, sich und andere zu infizieren, z. B. durch die Verwendung von Kondomen. Trotz staatlich finanzierter Aufklärungskampagnen verhalten sich viele Menschen diesbezüglich ignorant, leichtsinnig oder rücksichtslos.

Hinweise zur STI-Therapie

  • Teilweise untypische Dosierungen von Antibiotika, z. B. Azithromycin nicht über drei Tage, sondern alle drei Tabletten auf einmal nehmen (Stoßtherapie).
  • Der Patient muss eine Antibio­tika-Packung nicht immer „aufbrauchen“ (bei Ciprofloxacin und Cefixim z. T. Einmalgaben).
  • Der Patient soll seine Sexualpartner der letzten sechs Monate informieren und selbst sexuell enthaltsam leben, solange er potenziell infektiös ist.
  • Bei Patientinnen, die häufiger nach einem Präparat gegen eine Vaginalmykose fragen, auch an sexuell übertragbare Infektionen denken und sie an den Arzt verweisen.
  • In der Beratung Wissen zur STI-Prävention vermitteln, vor allem bei der Abgabe der „Pille danach“.

Auch die Apotheke sollte potenziell gefährdete Personen auf dieses Thema ansprechen, z. B. bei der Beratung zur hormonellen Kontrazeption oder bei der Abgabe der „Pille danach“ (s. Kasten „Hinweise zur STI-Therapie). Die Anwender denken oft nur an die gewünschte Empfängnisver­hütung und ziehen eine mögliche STI-Infektion nicht in Betracht. (DAZ 39, S. 52) |

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