Tierpharmazie

Krankheitsüberträger Katze

Toxoplasmose und andere Zoonosen

Sabine Wanderburg | Mehr als 60% der in den letzten Jahrzehnten neu identifizierten Infektionserreger wurden von Tieren oder tierischen Erzeugnissen übertragen, hat die WHO ermittelt. In deutschen Haushalten leben über 23 Millionen Tiere (Stand 2009), davon über acht Millionen Katzen. Sie sind damit vor Hunden und Kleintieren die mit Abstand häufigsten Haustiere. Erreger, die von der Katze auf den Menschen übertragen werden können, sind damit sehr bedeutsam. Neben unspezifischen bakteriellen Infektionen der Haut, die durch Kratz- oder Bissverletzungen entstehen können, gibt es auch Infektionen, die zu mitunter schweren systemischen Erkrankungen führen können (siehe Tabelle). In diesem Artikel werden insbesondere die Toxoplasmose und die Katzenkratzkrankheit näher vorgestellt.

Zu den wichtigsten Zoonosen gehören die durch Würmer übertragenen Erkrankungen (siehe DAZ 2010, Nr. 17, S. 90 – 97). Eine andere häufige parasitäre Zoonose ist die Toxoplasmose, die besonders für ungeborene Kinder lebensbedrohlich sein kann.

Toxoplasmose – gefährliche Erstinfektion in der Schwangerschaft

Eine Erstinfektion der Mutter mit Toxoplasma gondii kann vor allem im ersten Drittel der Schwangerschaft zu schweren Embryoschädigungen bis hin zum Abort führen. Bei Erstinfektionen in einem späteren Schwangerschaftsstadium kann es zu Hydrozephalus, intrakraniellen Verkalkungen und Retinochorioiditis kommen, wobei letztere sich auch erst nach Monaten oder Jahren manifestieren kann. Werden bei der Mutter vor der Schwangerschaft bereits Antikörper gegen T. gondii festgestellt, ist der Fetus in der Regel durch die mütterliche Immunität vor einer Infektion geschützt. Während bei immunkompetenten Menschen eine akute Toxoplasma-Infektion normalerweise asymptomatisch verläuft, kann es bei Immunsupprimierten zu schweren Verlaufsformen mit Enzephalitis kommen.

Infektionszyklus von Toxoplasma gondii

Die einzigen Endwirte von T. gondii sind Katzen. Nur in ihrem Darmepithel kann die geschlechtliche Vermehrung der Toxoplasmen stattfinden. Die dabei entstehenden Oozysten werden mit dem Kot ausgeschieden. Erst nach einer Sporulation, die je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit zwischen zwei und vier Tagen dauert, sind die Oozysten infektiös. Frischer Katzenkot führt demnach nicht zur Infektion. Eine tägliche Reinigung des Katzenklos verringert daher das Risiko sehr. Entsprechend dem Entwicklungszyklus sind hauptsächlich zwei Infektionswege für die Infektion des Menschen verantwortlich:

  • Aufnahme von rohem oder ungenügend behandeltem, zystenhaltigem Fleisch bzw. Fleischprodukten

  • Aufnahme von mit sporulierten Oozysten kontaminierter Nahrung oder Erde (z. B. bei der Gartenarbeit)

Mit sporulierten Oozysten, die infektiöse Sporozoiten enthalten, können sich alle Warmblüter inklusive des Menschen infizieren. Zuerst kommt es vor allem im retikuloendothelialen System zur schnellen intrazellulären Vermehrung von Tachyzoiten. Rupturieren die Wirtszellen, setzt die Immunantwort des Wirts ein und führt zur Umwandlung der replikativen Tachyzoiten in Bradyzoiten. In der Regel sind Tausende solcher Bradyzoiten von einer gemeinsamen Zystenwand umgeben. Die viele Jahre lang lebensfähigen Zysten kommen hauptsächlich in Retina, Skelett- und Herzmuskulatur und im Gehirn vor und halten die latente inaktive Infektionsphase aufrecht. In Deutschland beträgt die durchschnittliche Durchseuchung der Bevölkerung je nach Lebensalter 45 bis 72%.

Nur wenn sich eine Katze erstmalig mit sporulierten Oozysten einer anderen Katze infiziert (Endwirt-Endwirt-Zyklus) oder durch das Fressen von Fleisch eines Zwischenwirtes, das Tachy- oder Bradyzoiten enthält (Endwirt-Zwischenwirt-Zyklus), schließt sich der Infektionszyklus. Dann scheidet die Katze nach Schizo- und Gametogonie nach etwa zwei bis drei Wochen Oozysten aus.

Wie können (nicht immune) Schwangere einer Toxoplasmose-Infektion vorbeugen?


  • Garten- oder Feldarbeit nur mit Handschuhen durchführen und dabei nicht mit unsauberen Händen essen oder sich in den Mund fahren, da sporulierte Oozysten mehrere Jahre lang im Erdboden infektiös bleiben können

  • kein ungefiltertes Wasser aus Seen oder Bächen trinken

  • rohes Gemüse und Obst vor dem Verzehr gründlich waschen

  • Händewaschen vor dem Essen, nach der Verarbeitung von rohem Fleisch und nach dem Besuch von Sandspielplätzen

  • Verzicht auf den Verzehr rohen oder ungenügend erhitzten Fleisches, insbesondere von Schwein, Schaf, Ziege, Wildtieren und Geflügel, und von nur kurz gereifter Rohwurst (Landjäger, Mettwurst, Teewurst). 20-minütiges Erhitzen bei mindestens 50 °C Kerntemperatur oder längeres Tiefgefrieren bei -21 °C tötet Toxoplasmen ab

  • Katzen nicht mit rohem Fleisch füttern, sondern nur mit Dosen- oder Trockenfutter

  • tägliche Reinigung und Auswaschen des Katzenklos mit über 55 °C heißem Wasser mit Handschuhen und keinesfalls durch die Schwangere

  • keine Freigängerkatzen streicheln

Differenzierte Therapie der Katzen

Schätzungsweise 70% aller Katzen sind mit Toxoplasmen infiziert. Die geschlechtliche Vermehrung der Parasiten mit Oozystenausscheidung erfolgt im Regelfall nur bei der Erstinfektion der Katze. Anschließend entwickelt sie zumeist eine lebenslange Immunität, bei der es bei einer erneuten Infektion nicht mehr zur Oozystenbildung und -ausscheidung kommt.

Bei erwachsenen Katzen verläuft die Erstinfektion meist subklinisch und ohne deutliche Krankheitsanzeichen. Leichter Durchfall und kurzzeitiges Fieber sind oft die einzigen unspezifischen Symptome. Nur bei Katzenwelpen können schwere Erkrankungsverläufe mit plötzlichen Todesfällen auftreten. Erkrankte Katzen können mit Sulfonamiden oder Clindamycin wirksam behandelt werden. Die Behandlung latent infizierter Katzen, die keine Oozysten mehr ausscheiden, ist unnötig und nicht angezeigt.

Werden Oozysten ausgeschieden, können sie im Kot mittels Flotationsverfahren nachgewiesen werden. Eine Therapie mit Toltrazuril (Baycox®) in der Dosierung von 5 mg pro kg Körpergewicht kann die Oozystenausscheidung drastisch verringern, aber nicht völlig unterbinden.

Mittels indirektem Immunfluoreszenz-Antikörper-Test (IFAT) können serologisch Antikörper nachgewiesen werden. Ein ansteigender Titer in einer zweiten Blutprobe nach etwa zwei Wochen spricht für eine Erstinfektion. Da es bei Folgeinfektionen nicht mehr zur Oozystenausscheidung kommt, ist eine Therapie bei gleichbleibendem Titer nicht angezeigt.


Abb. 1: Auch gesund erscheinende und nur in der Wohnung lebende Katzen können den Erreger der "Katzenkratzkrankheit", Bartonella henselae, beim Biss oder durch eine Kratzverletzung auf den Menschen übertragen.
Foto: S. Wanderburg, Süsel

"Katzenkratzkrankheit"

Die Katzenkratzkrankheit, auch "cat scratch disease" genannt, ist seit über 100 Jahren bekannt und kommt weltweit vor, wurde als Zoonose bisher aber unterschätzt. Ihr Erreger Bartonella henselae gehört zu den gramnegativen Rickettsien. In Deutschland kommt er bei bis zu 70% aller Katzen vor. Die Infektion verläuft bei ihnen in der Regel symptomlos. Auch gesund erscheinende und nur in der Wohnung lebende Katzen können den Erreger beim Biss oder durch eine Kratzverletzung auf den Menschen übertragen (Abb. 1). Müdigkeit, Kopfschmerzen und Lymphknotenschwellungen im Lymphabflussgebiet der Wunde, meist an Achseln und Hals, sind die Folge. Während bei gesunden Erwachsenen die Infektion normalerweise ohne Behandlung ausheilt, kann es bei Immunsupprimierten, Alten und Kindern zu Komplikationen mit zystischen Entartungen in Leber und Haut sowie zu Enzephalitis, Polyneuritis, Neuroretinitis, Endokarditis und anderen Organbeteiligungen kommen. Daher sollten alle Kratz- und Bissverletzungen, auch wenn sie nur sehr klein sind, sofort gründlich mit Seife ausgewaschen und z. B. mit einer Jod-Zubereitung desinfiziert werden.

Flöhe als Überträger

Nach neuen Erkenntnissen können zudem Flöhe den Erreger beim Blutsaugen aufnehmen und ihn beim nächsten Saugakt auf den Menschen übertragen. Ein weiterer möglicher Infektionsweg ist der direkte Kontakt mit Flohkot, in dem Bartonella henselae mehr als eine Woche überleben kann. Die konsequente Bekämpfung von Flöhen (siehe DAZ 2010, Nr. 30, S. 46 – 64) ist daher auch für die menschliche Gesundheit von großer Bedeutung.

Spezialfall Bartonellose als Co-Infektion bei Borreliose

Im Zusammenhang mit therapieresistenten Borreliose-Erkrankungen wird berichtet, dass die Therapie einer später entdeckten Co-Infektion mit Bartonella henselae zur Verbesserung des Zustands des Patienten führen würde. Bei ausbleibendem Therapieerfolg sollten Borreliose-Patienten daher auf eine mögliche Infektion mit Bartonella henselae untersucht werden.

Abb. 2: Katze mit einer Hautveränderung über dem rechten Auge, die durch das Pockenvirus Orthopoxvirus bovis verursacht wurde.
Foto: Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Quandt und Bracke, Greifswald

Therapie von Bartonella-Infektionen

Bartonellosen können mit Makrolid-Antibiotika, Doxycyclin oder Gyrasehemmern behandelt werden. Leider gelingt es bei den betroffenen Tieren nicht immer, die Erreger zu eliminieren. Auch sind Re-Infektionen jederzeit möglich. Daher sollten nur klinisch erkrankte Tiere und infizierte Katzen, die Kontakt mit immungeschwächten Menschen haben, behandelt werden. Der Prävention, insbesondere der konsequenten Ektoparasitenbekämpfung, kommt die größte Bedeutung im zoonotischen Geschehen zu.

"Katzenpocken" – eine Zoonose im Kommen

"Katzenpocken" (Abb. 2) werden von Orthopox virus bovis hervorgerufen. Natürliches Virusreservoir sind Nagetiere, aber die Pockeninfektion kann bei einer Vielzahl von Tieren und auch beim Menschen vorkommen. Das Virus kann durch Biss- oder Kratzverletzungen in die Haut eindringen. Es führt zu stark juckenden, teilweise nekrotisierenden Pocken. Meist kommt es nach einigen Wochen zur Selbstheilung. Bei immunsupprimierten Menschen kann es jedoch zur systemischen Infektion mit schweren bis tödlichen Pneumonien kommen. Die bis Mitte der siebziger Jahre durchgeführte Pockenimpfung schützt zwar nicht vor der Infektion mit Katzenpocken, jedoch ist der Krankheitsverlauf bei Geimpften schwächer. Da sowohl die Zahl ungeimpfter Menschen zunimmt als auch die Zahl der Heimtierratten, wird in Zukunft wahrscheinlich auch die Zahl schwererer Erkrankungen ansteigen.

Glossar


Tachyzoiten: asexuelle Vermehrungsstadien von Toxoplasma gondii in den Zellen des retikuloendothelialen Systems (RES) und in Makrophagen.


Bradyzoiten: intrazelluläre Ruhestadien von Toxoplasma gondii. In einer intrazellulären Toxoplasma-Zyste (z. B. in Muskulatur und ZNS) befinden sich Tausende Bradyzoiten.


Quelle

Toxoplasmose. Ratgeber für Ärzte, herausgegeben vom Robert Koch-Institut, www.rki.de

Full information on zoonoses. The FAO-OIE-WHO Collaboration. www.who.int/foodsafety/zoonoses/en/

Sander, A.: Epidemiologie, Klinik und Diagnostik von Bartonella-Infektionen. Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Freiburg. www.antibiotikamonitor.at

Eine tierische Zeitbombe: Toxoplasmose. Laboklin Rat & Tat, Bad Kissingen.

Janitschke, K.: Parasitäre Zoonosen. Vet Med Labor, Ludwigsburg.

Stähr, E.: Wenn Katzen kratzen – Die Katzenkratzkrankheit. In: Kleintiermedizin Nr. 4/11.

Stähr, E.: Emerging Zoonosis: Katzenkratzkrankheit. In: Deutsches Tierärzteblatt 9/2011.

Steil, D., et al.: Kuhpockeninfektion bei einer Katze. In: Kleintiermedizin Nr. 3/11.


Anschrift der Verfasserin

Tierärztin Sabine Wanderburg, Seeweg 5a, 23701 Süsel




Literaturtipp:
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Tierkrankheiten und ihre Behandlung

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DAZ 2012, Nr. 2, S. 60