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Verhütung für Männer: Impfstoff zur Spermaneutralisation bei Affen wirksam

Verhütung ist nach wie vor Frauensache. Obwohl seit langem versucht wird, sichere und verträgliche Verhütungsmittel auch für den Mann zu entwickeln, ist abgesehen von Kondomen bislang nichts auf dem Markt, was diesen Anspruch erfüllen würde. Vielleicht ändert sich dies jedoch in absehbarer Zukunft: Ein Impfstoff, der die Spermienproduktion zeitweilig außer Kraft setzt, hat im Tierversuch mit Affen gute Wirkung gezeigt.

Ein Team um Michael O’Rand von der Universität von North Carolina hat die in der renommierten Fachzeitschrift "Science" veröffentlichte Impfstudie durchgeführt. Sie injizierten neun Affen alle drei Wochen die menschliche Variante des Proteins Eppin, das in den Nebenhoden gebildet wird und im äußeren Mantel des Spermiums sitzt. Sieben der Tiere produzierten in der Folge ausreichende Mengen Antikörper gegen das körperfremde Eppin und erwiesen sich bei der Paarung als unfruchtbar. Die vorübergehende Unfruchtbarkeit kommt laut den Studiendurchführenden wahrscheinlich dadurch zustande, dass die Antikörper gegen das menschliche Protein an das verwandte Affenprotein andockten, dessen Funktion blockierten und damit eine normale Bildung der Samenflüssigkeit verhinderten.

Die Anzahl der Samenzellen wurde im Versuch dagegen nicht beeinflusst. Die Studiendurchführenden hoffen, dass ihr Ansatz als Verhütungsform für Männer adaptiert werden kann. Allerdings sind in Vorfeld noch viele Fragen zu klären. So ist beispielsweise noch unklar, ob der Impfstoff voll reversibel ist. Nur fünf der sieben Affen erlangten nach Absetzen der Behandlung ihre Fruchtbarkeit wieder. Auch muss der Effekt des Impfstoffs auf das Hodengewebe untersucht werden.

Aus früheren Versuchen, einen Impfstoff zur Verhütung bei Männern zu entwickeln, weiß man, dass Antikörper gegen die Spermienproduktion andere Zellen in den Hoden in Mitleidenschaft ziehen und Entzündungen auslösen können. Eine weitere offene Frage ist, ob es mit den gebildeten Antikörpern tatsächlich gelingt, sämtliche Spermien an ihrer Aktivität zu hindern, also ein 100-prozentig sicherer Verhütungsschutz gewährleistet werden kann. ral

Quelle: Science 306 (2699), 1189-1190 (2004) -

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