Mythen und Fakten zum Läusebefall

Können Läuse springen?

Stuttgart - 01.09.2018, 07:00 Uhr

Auskämmen ist neben der pedikuloziden Therapie die zweite wichtige Säule einer erfolgreichen Behandlung bei Kopflausbefall. (Foto: Foto: pridannikov / stock.adobe.com)
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Auskämmen ist neben der pedikuloziden Therapie die zweite wichtige Säule einer erfolgreichen Behandlung bei Kopflausbefall. (Foto: Foto: pridannikov / stock.adobe.com)


Über Kopfläuse gibt es viele Mythen. Auch in der Apotheke wird man mit ihnen konfrontiert. So heißt es mitunter, ein Kopflausbefall weise auf einen Hygienemangel hin. Oder Läuse seien Überträger von Krankheiten. Mitunter wird ihnen auch unterstellt, springen zu können. Hier ein paar der bekanntesten Läusemythen. 

Kopfläuse sind ein Zeichen von mangelnder Hygiene

Kopfläusen ist es egal, ob Haare gewaschen oder ungewaschen sind. Es wird sogar die Auffassung vertreten, dass Läuse an gewaschenen Haaren besser haften als an fettigen oder ungewaschenen. Kleiderläuse, die zwischen der Körperbehaarung (außer Kopf) oder in der Bekleidung hausen, treten hingegen tatsächlich unter schlechten hygienischen Bedingungen auf. 

Läuse übertragen Krankheiten

Weder Kopfläuse noch ihre Familienmitglieder, die Filzläuse, – beide gehören zur Familie der Menschenläuse Pediculidae – übertragen gefährliche Erreger. Allerdings können sich Verletzungen, die durch Kratzen entstanden sind, infizieren. Anders sieht das bei den Kleiderläusen aus. Sie können unter anderem das bakterielle Läuse-Rückfallfieber (Erreger: verschiedene Borrelien) übertragen.

Läuse können von Kopf zu Kopf springen

Läuse bewegen sich ausschließlich krabbelnd fort. Um den Wirt zu wechseln, haften sich die befruchteten Weibchen in die Haarspitzen, um sich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit auf dem nächsten Kopf niederzulassen. Dazu muss dieser aber ganz nah kommen.

Essig ist ein tolles Hausmittel 

Essig ist zwar ein gutes Hausmittel, zum Beispiel um Kalk loszuwerden, aber nicht gegen Läuse, obwohl früher oft zur Essigspülung geraten wurde. Die Rationale dahinter? Essig glättet die Oberfläche der Haare, die Läuse können sich nur noch schwer festhalten. Auf die klebrigen Nissen hat das keinen Effekt. Man müsste zusätzlich sehr gründlich auskämmen und dabei sicher gehen, dass man wirklich alle Läuse und Nissen erwischt.

Föhnen hilft gegen Läuse

Auch das ist ein Mythos. Zwar halten Läuse hohe Temperaturen tatsächlich nicht aus und sterben. Doch die dazu benötigten Temperaturen würden auch Haaren und Kopfhaut zu schaffen machen. Im schlimmsten Fall gibt es Verbrennungen auf der Kopfhaut. Außerdem gilt es, auf der ohnehin schon gereizten Kopfhaut jede zusätzliche Reizung zu vermeiden. Wird Fönwärme in Kombination mit bestimmten Dimeticon-haltigen Läusemitteln eingesetzt, wird es sogar richtig gefährlich. Einige der Präparate sind entflammbar. 

Entflammbare Läusemittel, Einfrieren und Waschempfehlungen

Alle Dimeticon-haltigen Präparate sind entflammbar

Einige Dimeticon-Mischungen sind entflammbar, zum Beispiel Dimeticon plus Ciclometicon. Bei den jeweiligen Produkten wie Etopril findet sich ein Warnhinweis in der Packungsbeilage. Auch bei Nyda wird gewarnt. Das Mittel enthält eine Mischung aus Diemticon, niedrigviskosem Dimeticon, mittelkettigen Triglyceriden und flüssigem Jojobawachs. Kein Hinweis findet sich beispielsweise bei Dimet. Die Wirkung basiert hier auf einer Dimeticon-Dodecanol-Mischung. Der Hersteller von jacutin Pedicul Fluid darf sogar damit werben, dass sein Präparat, das nur Dimeticon enthält, nicht entflammbar ist. Er kann ein entsprechendes TÜV-Zertifikat aufweisen.

Kissen, Kuscheltiere und Wollsachen müssen in die Gefriertruhe

Kopfläuse ernähren sich ausschließlich von menschlichem Blut. Etwa alle drei Stunden benötigen sie eine Blutmahlzeit. Abseits des Kopfes ist die Laus schnell geschwächt und stirbt. Was das Einfrieren von Mützen und Kuscheltieren betrifft, gehen die Empfehlungen auseinander, je nach Quelle. Von „Einfrieren nicht notwendig“ bis zu „zwei Wochen einfrieren“. Alternativ sind die Kuscheltiere luftdicht in Plastiktüten zu verpacken. Beides schadet sicher nicht, aber es reichen drei Tage. Dies empfiehlt auch das RKI, allerdings sprechen sich die Experten dort für die Plastiktüte aus. Die Deutsche Pediculosis Gesellschaft ist der Meinung, dass eine Reinigung der Umgebung nicht notwendig ist.

Wenn Mützen innerhalb von kurzer Zeit von einem Kopf zum nächsten wandern, können mit großer Wahrscheinlichkeit Läuse übertragen werden. Das gilt übrigens auch bei der gemeinsamen Benutzung von Bürsten oder Kämmen: Nur innerhalb von kürzester Zeit ist eine Übertragung möglich. 

Bettwäsche, Handtücher und Kleidung muss man waschen

Hier gilt das Gleiche wie für die nicht-waschbaren Stücke: Abseits des Kopfes leben Läuse nicht lange. Doch da man auf Kopfkissen und Kleidung durchaus tote und geschwächte Läuse findet, sollte man sie aus hygienischen Gründen durchwaschen. Das RKI empfiehlt auch, Schlafanzüge und Bettwäsche, Handtücher und Leibwäsche zu wechseln und zu waschen. Auch bei Kämmen, Haarspangen und Bürsten empfiehlt es sich, sie mit heißer Seifenlösung zu spülen. Zuvor sollten die Haare entfernt werden. 

Giftige Läusemittel, Mehrfachbehandlung und Prophylaxe

Läusemittel aus der Apotheke sind giftig

Einige Präparate (Goldgeist, Infectopedicul, Jacutin Spray) haben tatsächlich einen neurotoxischen Wirkansatz. Sie töten Läuse, indem sie bei ihnen als Kontaktgift spannungsabhängige Natriumkanäle in den Nervenmembranen irreversibel blockieren. Durch die Blockade kommt es zur Atemlähmung bei der Laus. Sie erstickt also. Bei topischer Applikation und korrekter Anwendung ist mit einer nennenswerten systemischen Verfügbarkeit nicht zu rechnen. Ist aber zum Beispiel die Kopfhaut stark aufgekratzt, kann das schon wieder anders sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, verwendet Produkte mit physikalischem Wirkprinzip, zum Beispiel auf Dimeticon-Basis.

Kopflausbefall behandeln und vorbeugen

„Wir müssen draußen bleiben“

Man kann vorbeugend behandeln

Eine prophylaktische Behandlung mit einem ausgewiesenen Mittel gegen Kopflausbefall, einem Pediculozid, ist Quatsch. Es gibt aber eine ganze Reihe von Präparaten, die Kopflausbefall verhindern sollen, zum Beispiel durch ätherische Öle. Sie werden in der Regel auf das Haar aufgesprüht, zum Beispiel AntiJump® Läuse-Abwehrspray, Mosquito® Läuse Abwehr-Spray oder Hedrin® Protect & Go.

Läuse verschwinden irgendwann wieder

Solange sie Nahrung finden, sprich menschliches Blut, verschwinden Läuse nicht. Aus der Nisse, dem Ei, einwickelt sich eine Larve, Nymphe genannt – innerhalb von 6 bis 9 Tagen. Aus der Nymphe wird nach weiteren sieben bis zehn Tagen eine fortpflanzungsfähige Laus. Bis zu 150 neue Eier legen die Weibchen über einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen. 

Einmal behandeln reicht

Das RKI empfiehlt an Tag 8, 9 oder 10 eine zweite Runde, um spät geschlüpfte Larven abzutöten. Die Deutsche Pediculosis Gesellschaft rät, zu behandeln und auszukämmen, und dann am Tag fünf noch einmal auszukämmen. Nach Abschluss der Behandlung sollen noch Nachkontrollen durchgeführt werden. Viele Hersteller geben jedoch an, dass ihre Mittel für eine einmalige Behandlung erprobt und wirksam sind.Das ist zum Beispiel der Fall bei Licener® Shampoo, Jacutin® Pedicul Spray. oder Hedrin® Once.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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