„Gewaltiges Masernproblem“

Kinderärzte fordern Impfpflicht

Berlin - 22.11.2016, 16:10 Uhr

 Noch immer sind zu wenige Kinder in Deutschland gegen Masern geimpft, um dem Ziel, die Erkrankung auszurotten, näher zu kommen. (Foto: sonar512 / Fotolia)

 Noch immer sind zu wenige Kinder in Deutschland gegen Masern geimpft, um dem Ziel, die Erkrankung auszurotten, näher zu kommen. (Foto: sonar512 / Fotolia)


Die Kinder- und Jugendärzte fordern erneut eine Impfpflicht – Anlass gibt ein aktueller Report zum Stand der Eliminierung der Masern und Röteln in Deutschland. Danach war Deutschland im Jahr 2015 von der Elimination der Masern so weit entfernt wie lange nicht.
 

Nach dem schlechten Expertenurteil zur Masern-Situation in Deutschland fordern Ärzte erneut eine Impfpflicht. „Die verpflichtende Impfberatung, die inzwischen Gesetz ist, reicht leider nicht aus, um die Masern auszurotten und Kinder zu schützen“, erklärte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, am heutigen Dienstag. Eine Impfpflicht sei nötig zur Ausrottung der Masern und auch der Röteln. Fischbach attestiert Deutschland ein „gewaltiges Masernproblem“.

Fischbach erklärte, dass Kinder unter fünf Jahren, die an Masern erkranken, ein Risiko von 1:1387 hätten, an einer chronischen Masern-Gehirnhautentzündung zu erkranken. Für Säuglinge liege das Risiko in den ersten zwölf Lebensmonaten sogar bei 1:609. Die Grundimmunisierung bekommen Kinder aber erst zwischen dem 11. und dem 14. Monat. Fischbach: „Vorher sind Säuglinge nur geschützt, wenn sie gestillt werden und die Mutter Antikörper gegen den Virus hat. Säuglinge sind daher auf die sogenannte Herdenimmunität angewiesen, darauf, dass die Menschen in ihrer Umgebung geimpft sind".

Am Montag war ein Bericht veröffentlicht worden, demzufolge Deutschland angesichts von Masernausbrüchen im vergangenen Jahr so weit von der Ausrottung entfernt war „wie lange nicht“. Das hatte die Nationale Verifizierungskommission Masern/Röteln am Robert Koch-Institut (RKI) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitgeteilt.

Eine heftige Debatte um die Einführung der Impfpflicht in Deutschland war bereits während und nach der Masern-Epidemie in Berlin 2015 entbrannt. Betroffen waren vor allem Menschen ohne Impfschutz, ein Kleinkind starb. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) führte daraufhin eine verpflichtende Impfberatung ein. Diese sollen Eltern absolvieren, bevor sie ihr Kind in eine Kita schicken.



dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Masern-Virus

von Katrin Wölfel am 23.11.2016 um 11:53 Uhr

Der Masern-Virus ist nicht nachgewiesen Dr. Lanka, welcher für den Nachweis des Masern-Virus 100.000,00 € auslobte, hat das Geld zurück bekommen, weil er in 2. Instanz Recht bekam, dass es sich bei dem eingereichten Material nicht um einen Nachweis des Masern-Virus handelte. Das las man in den einschlägigen Medien im Kleingedruckten. Die in ersten Instanz erlassene gerichtliche Zahlungsverpflichtung erhielt eine große Schlagzeile, einschließlich Foto von Dr. Lanka.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Masern-Virus

von Kinderdok am 24.11.2016 um 7:27 Uhr

Wrong.
Lanka hat den Prozess gewonnen, weil er den ursprünglichen Wettbewerb ausgelobt hatte und damit über die Regeln entscheiden darf. Das Gericht hat klar in seiner Urteilsbegründung dargelegt, dass es eben nicht um die Entscheidung ging, ob das Virus existiere oder nicht.
Alles nachlesbar in den objektiven unabhängigen Presseerzeugnissen.

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