Pharmazie

Deutscher Apotheker Verlag - PROD
Gonorrhö: wenn Standardtherapien versagen
Gonorrhö ist eine weltweit verbreitete sexuell übertragbare Infektionskrankheit. Im Jahr 2020 schätzte die WHO die Zahl der Neuinfektionen mit N. gonorrhoeae bei Erwachsenen im Alter von 15 bis 49 Jahren auf über 82 Millionen. Gonorrhö ist behandelbar, jedoch erschwert das Auftreten von antibiotikaresistenten Erregern zunehmend die Therapie. Die Entwicklung neuer Antibiotika ist entscheidend, um diese Bedrohung zu verringern. Welche Resistenzen liegen vor und wie ist der aktuelle Stand der Forschung?Show moreDie Lust auf Schokolade einfach „wegdenken“
Plötzlich aufkommendem Heißhunger kann man wohl durch den intensiven Blick auf eine schöne Landschaft oder auch die Konzentration auf einen bestimmten Geruch entgegenwirken. Mit dieser Methode werden nämlich genau die Hirnregionen "abgelenkt", die für die Gelüste verantwortlich sind.Show moreVerbesserter Therapieerfolg mit Telaprevir
Für Hepatitis-C-Patienten, die auf eine Standardbehandlung nicht mehr ansprechen, gibt es eine neue, vielversprechende Therapieoption. Wie in einer aktuellen Studie gezeigt wurde, erhöht die zusätzliche Gabe des Protease-Inhibitors Telaprevir die Heilungsraten.Show moreSchizophrenie
Der Begriff Schizophrenie leitet sich vom griechischen schizo = spalten und phren = Zwerchfell ab, da die alten Griechen den Sitz der Seele im Oberbauch lokalisierten (gegenwärtig noch in den "gut feelings" trivialisiert). Er soll die Zerrissenheit von Fühlen und Denken beschreiben. Der Einsatz von Neuroleptika als Arzneistoffe gegen eine persönlichkeitsumfassende Störung leitet sich seinerseits ab von neurolep = das Gehirn ergreifend. Die unter dem Begriff Schizophrenie zusammengefassten Störungsbilder haben eine vielschichtige Begriffsgeschichte, die – ähnlich derjenigen der affektiven Störungen – die verschiedenen Krankheitsbilder, pathogenetischen Konzepte und Verlaufsformen wiedergeben.Show moreMit SGLT-Inhibitoren gegen Übergewicht?
Eine völlig neuartige Gruppe von Diabetesmedikamenten ahmt eine seltene genetische Störung nach: Dabei wird der Blutzucker über die Nieren ausgeschieden, ohne dass es zur Unterzuckerung kommt. Damit werden auch Kalorien ausgeschieden, was sich günstig auf das Gewicht auswirken könnte.Show moreBlutzuckerselbstkontrolle zur besseren Motivation
Die regelmäßige Blutzuckerselbstkontrolle (BZSK) soll Menschen mit Diabetes zum eigenverantwortlichen Management ihrer Erkrankung ermutigen und befähigen. Das nennen Diabetologen "Empowerment". Studien haben gezeigt, dass im günstigen Fall neben besserer Motivation auch eine bessere Stoffwechseleinstellung resultieren kann. Moderne Messgeräte und Software helfen beim Protokollieren und Auswerten der Daten – Voraussetzung für sinnvolle Therapieentscheidungen.Show moreArzneimittelkauf im Ausland – das kann gefährlich sein!
Von Harald G. Schweim, BonnDie große Reisezeit steht bevor, und viele Personen, die ins Ausland verreisen wollen, stellen sich die Frage nach der Arzneimittelversorgung am Urlaubsort. Beispielsweise der ältere, chronisch kranke Patient oder die Frau im gebärfähigen Alter, die mit der "Pille" verhütet. Personen, die zurzeit keine Arzneimittel einnehmen, müssen dennoch mit dem Auftreten akuter Gesundheitsstörungen rechnen, für die sie möglichst gut gerüstet sein sollten. Auch die "Schnäppchenjäger" machen sich Gedanken über ihre Arzneimittelversorgung. Ihnen sollte man raten: Vorsicht bei unschlagbar günstigen Kopfschmerzpillen vom Wochenmarkt oder der "Pille" zum Schleuderpreis vom fliegenden Händler! Hier ist die Gefahr groß, an gefälschte Medikamente zu geraten.
Show moreGefährliches Thiamindefizit bei Diabetikern
Die Diabetesprävalenz steigt, und damit auch die Häufigkeit diabetischer Begleiterkrankungen. Besonders quälend ist für viele Zuckerkranke die diabetische Polyneuropathie. Als eine Säule der Therapie neben der normnahen Blutzuckerkontrolle gilt die Blockade metabolisch-toxischer Stoffwechselwege. Sie gelingt mit Benfotiamin, einer Vorstufe von Thiamin, das die Bildung gefährlicher AGEs reduziert. Klinische Studien zeigen, dass sich vor allem der neuropathische Schmerz reduzieren lässt. Zudem gibt es Hinweise auf gefäßprotektive Effekte.Show moreSchwangerschaftshypertonie mit Vitaminen vorbeugen?
Können Komplikationen einer Präeklampsie durch antioxidative Vitamine verhindert werden? Mit dieser Frage befasste sich eine amerikanische Studie. Die Ergebnisse lassen nicht erkennen, dass durch Vitamin E und C die mit der Schwangerschaftshypertonie verbundenen Komplikationen reduziert werden.Show morePunktmutation beeinflusst Dosierung von Statinen
US-amerikanische Wissenschaftler konnten zeigen, dass eine Punktmutation des Enzyms Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4) einen erheblichen Einfluss auf die Expression des Leberenzyms und die Metabolisierung von Statinen hat. Dies könnte von besonderer Bedeutung für eine individuelle Dosisfindung nicht nur dieser Stoffgruppe sein.Show morePharmazeutische Betreuung bessert Compliance bei Diabetikern
Ein Mehr an Therapietreue brächte der Bevölkerung auf vielen Gebieten einen größeren gesundheitlichen Nutzen als bessere Medikamente, sagen Cochrane-Analysen. Im Gegensatz zu neuen Arzneimitteln würde diese Maßnahme auch noch die Gesamtkosten senken. Insbesondere gilt dies für die galoppierende Volkskrankheit Diabetes, zeigte ein Symposium von Bundesapothekerkammer und Deutscher Diabetes-Gesellschaft. Es ging um Ausmaß und Folgen von Noncompliance, und um mögliche Interventionen. Diabetologen plädierten dafür, das Potenzial der Apotheken besser zu nutzen.Show moreVorteile gegenüber oraler Schmerztherapie?
Warum die transdermale Analgetika-Applikation nur selten überzeugend istKay Brune, Erlangen-Nürnberg
Die transdermale Applikation von Analgetika erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Dieses gilt einerseits für die Cyclooxygenasehemmer (NSAR), die z. B. in Form des Diclofenac und Ibuprofens in immer neuen galenischen Formulierungen (Creme, Gel, Lotion, Spray etc.) auf den Markt kommen. Dabei steht die Vorstellung im Vordergrund, man könne durch topische Applikation über z. B. schmerzhaften Gelenken und anderen Bindegewebsstrukturen einen direkten Effekt auslösen, ohne durch eine systemische Aufnahme des Wirkstoffes eine Belastung des gesamten Körpers in Kauf zu nehmen [1, 17, 28]. Auf der anderen Seite werden hochwirksame Opioide als Pflaster transdermal appliziert, um die bei oraler Gabe für viele Wirkstoffe dieser Gruppe unumgängliche gastrointestinale/hepatische Inaktivierung zu umgehen. Beide Überlegungen scheinen plausibel. Aber werden die therapeutischen Ziele wirklich erreicht und, wenn ja, werden sie mit (zusätzlichen) unerwünschten Wirkungen erkauft?
Show moreSchwangere oft mit Vitamin D unterversorgt
Dass Vitamin D, was die Versorgung weiter Bevölkerungsteile angeht, zu den kritischen Vitaminen zählt, ist bekannt. Aktuell hat nun eine US-amerikanische Studie ergeben, dass die Mehrzahl der schwangeren Frauen mit dem Vitamin unterversorgt ist. Da ein guter Vitamin-D-Status der Mutter nicht nur für sie selbst, sondern auch für das Ungeborene wichtig ist, sollte dies unbedingt geändert werden.Show moreInfliximab plus Azathioprin bei Morbus Crohn überlegen
Bisher war die vergleichende Wirksamkeit und Sicherheit einer Therapie mit Infliximab und/oder Azathioprin bei Morbus Crohn unbekannt. In einer internationalen Vergleichsstudie konnte nun erstmals die Überlegenheit einer Therapie mit Infliximab sowie mit einer Kombination von Infliximab und Azathioprin gegenüber einer herkömmlichen Azathioprin-Monotherapie bei Patienten mit einem mittleren bis schweren Schub einer Morbus-Crohn-Erkrankung nachgewiesen werden.Show moreEine Proteinfessel für unbekannte Grippeviren
Gegen neuartige Influenzaviren hat der Mensch zumeist keine vorab bestehende Immunität. Dennoch sollte das Immunsystem des Körpers in der Lage sein, möglichst rasch nach einer Infektion Schutzmechanismen gegen den unbekannten Erreger zu aktivieren. Berliner und Freiburger Wissenschaftler haben jetzt die Struktur eines Proteins aufgeklärt, das eine Art Fußangel bildet. Wichtige Bestandteile des Influenzavirus werden so in der infizierten Zelle gefesselt und inaktiviert [1]. Auf diese effektive Weise können auch neuartige Viren daran gehindert werden, sich ungehemmt zu vermehren.Show more„PCV in Rotavirusimpfstoffen keine Gefahr“
Nicht nur in dem Rotavirusimpfstoff Rotarix® befinden sich Spuren von porcinen Circoviren (PCV). Sie konnten jetzt auch in Rotateq® nachgewiesen werden. Die FDA hatte zunächst die Nutzung von Rotarix® ausgesetzt und empfohlen, auf Rotateq® auszuweichen. Die EMA und das Paul-Ehrlich-Institut hatten Rotarix® trotz der Kontamination für sicher gehalten. Aufgrund der neuen Datenlage hat nun die FDA die Aussetzung der Nutzung von Rotarix® wieder aufgehoben. Impfungen sind auch in den USA wieder mit beiden Rotavirusimpfstoffen möglich.Show moreAmifampridin gegen Muskelschwäche
Amifampridin (3,4-Diaminopyridin, Firdapse®) ist zur symptomatischen Behandlung des seltenen Lambert-Eaton-Myasthenischen Syndroms (LEMS) bei Erwachsenen indiziert. Der Wirkstoff blockiert spannungsabhängige Kaliumkanäle, verlängert dadurch die Depolarisation der präsynaptischen Zellmembran, verbessert die Acetylcholinfreisetzung an den Synapsen, beschleunigt die Erregungsleitung und verbessert letztendlich die Muskelfunktion.Show moreAls Vorspeise bitte Karotten
Ein wichtiges Ziel in der Ernährungsberatung ist es, den Obst- und Gemüsekonsum der Menschen zu steigern. Bei amerikanischen Vorschülern ist dies durch die Einführung von Karotten als Vorspeise gelungen. Die Kinder aßen nicht nur durch die Karotten selbst mehr Gemüse, sondern griffen auch beim nächsten Gang verstärkt zu dieser Lebensmittelgruppe.Show moreVerbesserte Prognose bei Gallenkarzinomen
Mit einer zytotoxischen Kombinationstherapie kann das Überleben bei malignen Tumorerkrankungen der Gallenblase und Gallengänge signifikant verbessert werden. Dieses Ergebnis einer aktuellen englischen Studie führt möglicherweise zur Etablierung eines bislang ausstehenden Therapiestandards.Show moreFrühe Kombinationstherapie reduziert Anfallsfrequenz
Epileptologen suchen den Weg zu einer rationalen Kombinationstherapie. Nach einem Entwicklungsschub in den letzten Jahren stehen mehr als 20 Medikamente zur Anfallskontrolle zur Verfügung. Da zwei von drei Patienten lebenslang behandelt werden, sind verträgliche und interaktionsarme Wirkstoffe die erste Wahl. Sie ermöglichen, nach Jahren einer "dogmatischen" Monotherapie, ein "Revival" der Kombinationstherapie. Eine aktuelle Praxisstudie belegt den Nutzen von Zonisamid als add on zu einer bestehenden Monotherapie.Show moreTomaten weniger belastet
Tomaten sind eine der beliebtesten Gemüsesorten in Deutschland. Erfreuliche Meldung von Greenpeace für alle Liebhaber: Die Schadstoffbelastung bei Tomaten ist gesunken. Allerdings hat sich die Vielfalt der eingesetzten Gifte vergrößert.Show moreNeue Meningokokken-Vakzine gegen vier Serogruppen
Mit Menveo® wurde in Europa der erste Konjugatimpfstoff zugelassen, der vor vier der fünf bedrohlichen Meningokokken-Serotypen schützt, nämlich vor den Serotypen A, C, W-135 und Y. Das bedeutet einen verbesserten Schutz vor lebensbedrohlichen invasiven Meningokokken-Erkrankungen auch auf Reisen. Denn die Epidemiologie der Meningokokken-Serotypen variiert von Kontinent zu Kontinent. Gerade Jugendliche, die ein erhöhtes Risiko für Meningokokken-Erkrankungen haben und gleichzeitig gerne und häufig auf Reisen gehen, profitieren von der quadrivalenten Vakzine.Show morePrävention mit Dutasterid?
Die vierjährige Einnahme des 5-alpha-Reduktase-Hemmers Dutasterid senkt das Risiko, in diesem Zeitraum ein Prostatakarzinom zu detektieren, so das Resultat einer aktuellen Studie. Ob diese Feststellung eine klinische Relevanz aufweist und ob Dutasterid zur Prävention eingesetzt werden kann, ist noch unklar.Show moreVon Beginn an gut ernährt bei Phenylketonurie
Phenylketonurie, kurz PKU, gehört zu den häufigsten angeborenen Stoffwechselerkrankungen in Deutschland. Dabei ist die Umwandlung der unentbehrlichen Aminosäure Phenylalanin in Tyrosin gestört. Wird auf diese Erkrankung nicht mit diätetischen Maßnahmen reagiert, kommt es bei betroffenen Kindern zu geistiger Behinderung, verzögerter körperlicher Entwicklung und neurologischen Symptomen [1]. Im folgenden Beitrag werden wir die Phenylketonurie sowie die Bedeutung der Ernährung näher betrachten.Show moreNateglinid und Valsartan bei Prädiabetes enttäuschend
In einer der weltweit größten Interventionsstudien zur Therapie von Patienten mit einem Prädiabetes ließ der Hersteller Novartis seine Medikamente Nateglinid und Valsartan an mehr als 9000 Probanden testen. Die Ergebnisse der sogenannten NAVIGATOR- Studie, die jetzt veröffentlicht wurden, sind jedoch ernüchternd: Beide Arzneimittel konnten die Rate von kardiovaskulären Komplikationen nicht senken [1, 2]. Lediglich das Antihypertonikum Valsartan zeigte eine geringe Wirkung bei der Prävention von Diabetes-Neuerkrankungen.Show moreHyperforin-haltige Dermatika bei Neurodermitis
Neue Erkenntnisse zum Wirkmechanismus
Von K. Leuner, M. Kraus, W. H. Boehnke, C. M. Schempp, W. E. Müller
Die atopische Dermatitis (Neurodermitis) ist eine entzündliche Hauterkrankung, die sehr viel häufiger Kinder als Erwachsene betrifft (Prävalenz 10 –20% vs. 1 – 3%) [27]. Da die Erkrankung nicht heilbar ist, kommt der symptomatischen Therapie eine umso größere Rolle zu. Ein hier verwendeter Wirkstoff ist Hyperforin, dessen Wirkmechanismus weitgehend aufgeklärt ist.
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