Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

19.07.2015, 08:00 Uhr

Rückblick auif die letzte Woche (Foto: gavran333 - Fotolia.com)

Rückblick auif die letzte Woche (Foto: gavran333 - Fotolia.com)


Apotheken als Ketten können Griechenland retten, glaubt die EU. Medikationspläne vom Arzt sind fast für die Katz, weiß eine Studie. Noch kein Retax, wenn Vorname und Telefonnummer auf dem Rezept fehlen, versprechen die Kassen. Keine Diskussion zum Lagebericht des ABDA-Präsidenten auf dem Apothekertag, muss die Fraktion BasisApotheker schlucken. Und, oh Schreck, der Pharmazeutinnenverband löst sich auf. Mein liebes Tagebuch, wie halten wir nur diese Hitzewellen aus. Zum Trost: Endlich, im ARD-Morgenmagazin darf eine echte Apothekerin beraten! Wirkt da etwa die ABDA-Imagekampagne?

13. Juli 2015

OTCs an der Tanke und Apothekenketten im Land – das wird Griechenland nicht retten. Und trotzdem bestehen die europäischen Regierungschefs darauf. Sie haben mit den neuen Spar- und Reformvorhaben für Griechenland festgelegt, dass Tsipras die Öffnung des Apothekenmarktes nicht rückgängig machen darf. Die Reformschritte, die den OECD-Empfehlungen zur Stärkung des Wettbewerbs folgen, verlangen außerdem die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten (z. B. Handel auch sonntags) und die Möglichkeit des Fremdbesitzes. Mein liebes Tagebuch, gibt’s dann bald die Onassis-Apothekenkette 24/7 – die dann, wie bei Milliardären dort üblich, wohl keine Steuern zahlt? Beängstigend, wie unreflektiert Politiker die Meinung von Wirtschaftlern übernehmen und glauben, durch Apothekenketten und OTC-Freigabe würde alles besser und billiger. Warum will das nicht in die Hirne von Politikern, dass der Arzneimittelmarkt ein besonderer ist und Arzneimittel keine Brötchen sind?

14. Juli 2015

Gemäß den OECD-Empfehlungen für Griechenland mag ein Apotheker am geeignetsten sein, Arzneimittel abzugeben, aber nicht um ein Geschäft zu führen. Unternehmer und professionelle Manager könnten durch mehr Wettbewerb die Effizienz von Apotheken steigern. Auch die enorme Apothekendichte im Land, vor allem die starren Öffnungszeiten kollidierten mit den Verbraucherinteressen. Kaufleute könnten im Apothekenmarkt mehr Wettbewerb schaffen und das Apothekenrandsortiment professionell ausbauen, meint der OECD-Bericht, der für die Regierungschefs die Grundlage für Reformen im Apothekenmarkt ist. Griechenlands Apotheker wollen sich die aufgedrückte Liberalisierung allerdings nicht bieten lassen, sie kündigten Streik für den Mittwoch an, aber richtig: nicht ein bisschen Notdienstklappe auf und zu, sondern geschlossene Apotheken!

 

Was soll sich im Bereich der Rechenzentren schon tun, der Markt ist ruhig – von wegen. Jetzt kommt neuer Wind auf: Unter dem Namen Noventi (der an die lateinischen Worte für „neue Winde“ erinnert) hat sich die VSA-Unternehmensgruppe eine neue Struktur gegeben. Ab Januar 2016 werden alle Einzelunternehmen der VSA-Gruppe (ALG, awinta, azh, BoS&S und VSA) unter dem Dach Noventi zusammengefasst. Die Führung übernehmen die bisherigen VSA-Geschäftsführer Dr. Andreas Lacher, Peter Mattis und Dr. Hermann Sommer. Die VSA GmbH erhält eine neue Geschäftsführung. Und das Gute, mein liebes Tagebuch: Alles bleibt letztlich in Apothekerhand. Einziger Gesellschafter der Noventi GmbH wird der FSA e.V., der bisher schon Alleingesellschafter der VSA war. Im FSA können nur approbierte Apothekeninhaber Mitglied sein.

 

Auflösungserscheinungen zeigt der Pharmazeutinnen-Verband: Die rund 100 „Mitgliederinnen“ fanden keine mehr, die den Vorsitz übernehmen will. Ein Ziel des Verbands war, „die Repräsentation der weiblichen Mitglieder des Berufsstands deutlich zu verbessern“. Äh, mein liebes Tagebuch, so ganz verständlich war mir ehrlich gesagt dieses Anliegen nicht. Vermutlich ist mittlerweile das Verbandsziel verloren gegangen – bei einer Feminisierungsrate des Apothekerberufs von rund 80 Prozent. Läge da nicht eher die Gründung eines Pharmazeuten-Verbands nahe?

 

MVDA und Linda, ein Marketingverband und seine Apothekenkooperation, wollen enger, noch enger zusammenrücken: Sie sitzen nun kuschelig unter einem Dach, bauen ein gemeinsames Kunden-Service-Center auf und richten ihre Organisation strategisch neu aus, wollen sich als schlagkräftige Einheit den Herausforderungen im Markt stellen, wie’s so nett im Marketingsprech heißt. Also, mein liebes Tagebuch, was will uns das sagen? Linda fühlt sich stark, der MVDA hat viel vor. Wir schauen da gerne mal zu, wo die Reise hingeht.

 

Na, die Studie kommt zur richtigen Zeit: Nur 6,5 Prozent der von einem Arzt ausgestellten Medikationspläne bilden die tatsächliche Medikation der Patienten ab, hat eine Untersuchung der Uni Münster festgestellt. Als größtes Problem zeigte sich der Austausch eines Arzneimittels (Rabattverträge) durch ein wirkstoffgleiches Arzneimittel. Das führt bei Patienten zu Verwirrungen, weil auf dem Medikationsplan ein anderer Name steht als auf dem Arzneimittel, das sie einnehmen. Tja, mein liebes Tagebuch, so richtig Bescheid über die Arzneimittel weiß eben nur der Apotheker. Bleibt zu hoffen, dass diese Studie den Politikern zu denken gibt.  

15. Juli 2015

Arzneimittelfragen im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Vermutlich hat die Moma-Redaktion – wie immer – so einen Arzt eingeladen, den sie als kompetent einschätzt, dachte ich mir, mein liebes Tagebuch. Doch dann fiel mir fast meine Kaffeetasse aus der Hand: Die Moderatorin begrüßte – eine Apothekerin! Ja, ich drehte den Ton lauter: Apothekerin Iris Zeien, Inhaberin der Kölner Vital-Apotheke, durfte Zuschauerfragen zum Thema Reiseapotheke beantworten. Und sie hat’s toll und souverän gemacht! Bravo! Das bisschen Lampenfieber merkte man ihr nicht an, sie ist ja schon ein wenig geübt durch Vorträge und Moderationen. Der WDR in Köln, der im wöchentlichen Wechsel mit dem ZDF das Morgenmagazin produziert, hatte bei der ABDA angefragt, die wegen der Nähe zu Köln an den Apoverband Nordrhein verwies; der wiederum empfahl Frau Zeien. Vielleicht sehen wir Apothekerin Zeien beim nächsten Arzneimittel-Thema wieder. Würde uns freuen.

16. Juli 2015

Auch der Vorname des Arztes und seine Telefonnummer müssen seit 1. Juli auf dem Rezept stehen. Klar, mein liebes Tagebuch, alles sinnvoll. Um Kontakt mit dem Verordner aufnehmen zu können, müssen die Angaben eindeutig sein. In der heutigen Zeit von Ärztesoftware, Rechenzentren und Internet sollte das alles kein Problem darstellen. Aber jetzt lassen Kassen schon durchblicken, dass Apotheken möglicherweise retaxiert werden, wenn solche Angaben auf dem Rezept fehlen. Ungeheuerlich! Warum die Apotheken? Mein Vorschlag: Arzthonorar auf Null, wenn Arztangaben auf dem Rezept fehlerhaft sind. Mein liebes Tagebuch, was meinst du, wie schnell wir da hundertprozentig korrekt ausgestellte Rezepte bekämen!

 

Gunnar Müller von der Fraktion BasisApotheker in der Kammerversammlung der Apothekerkammer Westfalen-Lippe wollte mit einem Antrag zur Änderung der Tagesordnung des nächsten Deutschen Apothekertages erreichen, dass auch über den Lagebericht des ABDA-Präsidenten diskutiert werden kann. Eigentlich ein ganz harmloses, einfaches, verständliches Anliegen. Ein kleiner Verbesserungsvorschlag, um Tage wie die Apothekertage noch ein wenig offener, kommunikativer, kurz: ein wenig transparenter zu machen. Denkt man sich so. Aber so einfach ist das nicht zu machen. Für Anträge dieser Art braucht man die Unterschriften von mindestens fünf Delegierten. Aber die Kontaktaufnahme mit anderen Delegierten außerhalb von Kammerversammlungen oder Apothekertagen ist gar nicht so einfach. Die Adressen gibt’s aus datenschutzrechtlichen Gründen von der ABAD nicht und ein Intranet, eine Plattform, auf der Delegierte oder Apotheker miteinander unbürokratisch kommunizieren können, gibt’s noch nicht – wir sind ja erst im Jahr 2015! Wo kämen wir dahin, wenn solche neumodischen Dinge schon verwirklicht wären. Außerdem fängt die ABDA-Arbeitsgruppe IT erst mal langsam an, sich zu sortieren. Also, gemach, Herr Gunnar Müller, vielleicht dürfen Sie Ihren Antrag form- und fristgerecht auf dem Apotag vortragen, wenn man sie lässt. Und vielleicht stellen Sie gleich noch einen Antrag zur Schaffung einer Internet-Plattform für die interne Kommunikation dazu. Mein liebes Tagebuch und ich drücken die Daumen – vielleicht erleben wir noch die ABDA-Öffnung in die große weite Welt des Internets, ins Neuland.

17. Juli 2015

Wie nett von Ersatzkassen und einigen Ortskrankenkassen und der Knappschaft Bahn-See, bis Ende September auf Retaxierungen zu verzichten, wenn der Arztvorname und seine Telefonnummer auf dem Rezept fehlen sollten. Grazie mille, liebe Krankenkassen, für dieses außerordentlich großzügige Entgegenkommen. Wie sollen wir das nur danken! Mein liebes Tagebuch, im Ernst: So kann’s nicht weitergehen. Wenn wir unter der Knechtschaft der Kassen für solche Lappalien bestraft werden, dann ist doch etwas faul im Kassenstaat. Es wird höchste Zeit, dass sich der GKV-Spitzenverband und der Deutsche Apothekerverband – wie es jetzt ihr Auftrag ist – auf klare verlässliche Spiegelregeln zur Retaxation einigen.

18. Juli 2025

Oh, mein liebes Tagebuch, hab ich doch glatt mal ein paar Seiten vorgeblättert: 18. Juli 2025. Na, was ich da lesen muss! Griechenland bekommt sein 34. Hilfspaket über 45 Milliarden Euro. Der Berliner Flughafen BER hat seinen zweiten Brandschutz-Test bestanden und soll schon 2027 eröffnet werden. BeimStuttgarter Bahnhof ist zum zehnten Mal feinstes Quellwasser in die linke Tunnelröhre eingebrochen, so dass erst in einem Jahr weitergebaut werden kann, Fertigstellung voraussichtlich 2030. Die elektronische Gesundheitskarte musste aus Datenschutzgründen nachgebessert werden: Noch immer ist deshalb der Medikationsplan elektronisch nicht verfügbar. Trotzdem: Rund zwanzig Apotheken in Deutschland machen aktiv Medikationsmanagement, dokumentieren die Ergebnisse in Papierform und bekommen dafür 8,35 Euro einmal im Vierteljahr. Und die IT-Gruppe der ABDA hat nach mehreren Probeanläufen und Testversuchen die erste Kommunikationsplattform freigeschaltet: „ABDAbook“, sogar als App! Jedes Kammermitglied kann sich dort mit einem zwanzigstelligen Zugangscode einloggen und Meinungen posten. Die Beiträge werden zentral im neuen Apothekerhaus am Berliner Hauptbahnhofgesammelt und bewertet, danach gefiltert und – vollkommen transparent, so der Hauptgeschäftsführer – einen Tag später freigeschaltet. Ohgott, mein liebes Tagebuch, nie wieder werde ich in dir nach vorne blättern.


Peter Ditzel (diz), Apotheker / Herausgeber DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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