Pharmazie

Deutscher Apotheker Verlag - PROD
Auf der Zielgeraden: BTK-Inhibitor bei MS, neue Gentherapie und siRNA
In ihrer April-Sitzung gibt die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Startschuss zur Zulassung für drei neue Arzneimittel. Neben einem Bruton-Tyrosinkinase-Hemmer zur Behandlung der sekundär progredienten multiplen Sklerose (MS) erteilt der Ausschuss für Humanarzneimittel auch ein positives Votum für eine neue Gentherapie zur Behandlung der spinalen Muskelatrophie sowie für eine siRNA.Show moreZulassungserweiterung für Prucaloprid?
Serotonin(5-HT4)-Rezeptoragonist auch für Männer
Anfang 2010 kam mit Prucaloprid (Resolor®) ein neuartiges Prokinetikum zur Behandlung der Obstipation auf den Markt. Das Präparat führt zu einer Steigerung der Darmmotilität und verstärkt die motorische Aktivität des Darms. Es war bislang nur zur Behandlung der schweren chronischen Verstopfung bei Frauen zugelassen, bei denen Abführmittel eine unzureichende Wirkung gezeigt hatten. Von Shire wurde jetzt eine Zulassungsstudie auf den Weg gebracht, die den selektiven Serotonin-5-HT4 -Rezeptoragonisten zur Behandlung der chronischen Obstipation ausschließlich an Männern testen soll.Show more
Prostatakrebs-Früherkennung
Europäische Megastudie zum PSA-Screening sieht leichte Vorteile gegenüber USA
Das Prostatakarzinom ist in Deutschland die häufigste bei Männern diagnostizierte Krebserkrankung. Die jährliche Mortalität beträgt etwa 11.000. In der Diagnostik hat sich der PSA-Test als Marker etabliert, der allerdings kein spezifischer Tumormarker ist. Umstrittenes Ziel des PSA-Screenings ist die Erhöhung der Lebenserwartung durch Früherkennung von Prostatakrebs. Wie eine randomisierte Megastudie jetzt zeigt, senkt ein alle vier Jahre in Europa durchgeführter PSA-Test die Mortalität beim Prostatakarzinom leicht. Ein Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit war jedoch auch nach elf Jahren nicht erkennbar.Show moreNeuer Therapieansatz bei Dyslipidämie
Kombination aus CETP-Inhibitor Evacetrapib plus Statin
Die Kombination aus dem CETP-Inhibitor Evacetrapib und einem Statin führte in einer Phase-II-Studie zu einer beeindruckenden Verbesserung des Lipidprofils. Das HDL-Cholesterol konnte nahezu verdoppelt und das LDL-Cholesterol deutlich reduziert werden. Ob sich diese Veränderungen auch in einem klinischen Benefit niederschlagen, müssen weitere Studien zeigen.Show morePositive Zahlen zum Welttuberkulosetag
Kein Grund zur Entwarnung, aber zu vorsichtigem Optimismus: Nach dem Global Tuberculosis Control Report 2011 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Zahl der weltweiten Tuberkulosefälle erstmals rückläufig. 2010 hat es weltweit 8,8 Millionen Neuerkrankungen gegeben, und auch die Zahl der Todesfälle ist mit 1,1 Millionen Menschen niedriger als in den Vorjahren, allerdings ohne Berücksichtigung der 350.000 Todesfälle nach einer Koinfektion mit dem HI-Virus. Die WHO ging bislang von einem weiteren globalen Anstieg der Tuberkulose-Erkrankungen aus.
Show moreHeparin routinemäßig für Patienten mit Krebs?
Venöse Thromboembolien (VTE) sind häufige Komplikationen bei onkologischen Patienten und führen zu erhöhter Morbidität, Mortalität und durch längere Hospitalisation auch zu erhöhten Kosten. Zusätzlich zu potenziellen chirurgischen Interventionen wird auch eine Chemotherapie zunehmend als Risikofaktor für Thrombosen gesehen. In einer Studie wurde nun der Einsatz des niedermolekularen Heparins Semuloparin in der onkologischen Therapie untersucht. Es reduzierte Thrombosen und Embolien bei Karzinompatienten, hatte aber keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben.
Show moreBaut Vitamin E Knochensubstanz ab?
Das fettlösliche Vitamin E (Tocopherole) gehört zu den essenziellen Vitaminen, die mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Es schützt mehrfach ungesättigte Fettsäuren in Membranlipiden, Lipoproteinen und Depotfett vor einer Zerstörung durch Oxidation. Einen besonders hohen Gehalt weisen pflanzliche Öle wie Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl, Palmöl und Olivenöl auf. Zu einem unerwarteten Ergebnis kommt jetzt eine japanische Studie an Mäusen, nach der verstärkt Knochensubstanz abgebaut wurde, wenn die Tiere alpha-Tocopherol als Nahrungszusatz erhielten.
Show moreArzneimittelsicherheit in der Onkologie
Komplexe Therapiepläne, eine Polymedikation und immer älter werdende Krebspatienten erschweren eine sichere Arzneimitteltherapie in der Onkologie. Daher sind Wege gesucht, die zu einer sicheren Pharmakotherapie führen. Prof. Dr. Ulrich Jaehde, Bonn, stellte beim 30. Deutschen Krebskongress in Berlin am 24. Februar 2012 ein Modell zur Verbesserung der Arzneimitteltherapie vor.
Show moreNeuer Wirkstoff gegen feuchte Makuladegeneration
Das rekombinante Fusionsprotein Aflibercept (Eylea®) ist für die intravitreale Injektion bei der feuchten Form der altersbedingten Makuladegeneration von der australischen Therapeutic Goods Administration zugelassen worden. Empfohlen wird eine Dosierung von 2 mg pro Monat in den ersten drei Behandlungsmonaten, gefolgt von jeweils einer Injektion alle zwei Monate.
Show moreRisiken von Hypnotika nicht unterschätzen
Eine Koinzidenz zwischen der Einnahme von Schlafmitteln und einem erhöhten Sterberisiko hatten bereits frühere Studien gezeigt. US-amerikanische Wissenschaftler haben jetzt die Daten von mehr als 10.500 Patienten ausgewertet, die über unterschiedliche Zeiträume unterschiedliche Mengen verschiedener Hypnotika erhalten hatten, und sie mit denen entsprechender Kontrollgruppen verglichen. Danach hatten die Patienten – abhängig von der Dosis – ein bis zu fünffach erhöhtes Sterberisiko. Auch das Risiko für eine Krebserkrankung war um 35% erhöht.Show moreEribulin zur Therapie des Mammakarzinoms
Seit Anfang 2011 ist Eribulin (Halaven®) zur Therapie des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinoms zugelassen. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AdkÄ) bewertete den Arzneistoff im Oktober 2011. Zwar werde in der Mono-Chemotherapie eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens beobachtet, die höhere Toxizität von Eribulin im Vergleich zu den Kontrollen relativiert diesen Vorteil jedoch.Show moreKönnen Statine die Entwicklung von Depressionen verhindern?
Zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen gehören Statine zu den häufig verwendeten Medikamenten. In einem Stufenplanverfahren hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vor etwa einem Jahr zur "Abwehr von Gefahren durch Arzneimittel, Stufe II" als Nebenwirkung von einigen Statinen auch Depressionen festgelegt. Eine deutsch-amerikanische Studie kommt jetzt zu einem unerwarteten Ergebnis. Patienten mit Herzerkrankungen, die Statine einnahmen, hatten ein niedrigeres Risiko für Depressionen als solche ohne Statine.Show moreVerhüten mit dem Ring: Nur alle vier Wochen an Kontrazeption denken
"Pille" vergessen? Das passiert nicht selten, manchmal mit weitreichenden Folgen. Einfacher soll die konsequente Verhütung mit einem vaginalen Verhütungsring sein, wie er seit Mitte Februar von Pfizer unter dem Handelsnamen Circlet® angeboten wird. Zu Beginn des Zyklus für 21 Tage eingesetzt, macht er die tägliche Einnahme eines oralen Kontrazeptivums überflüssig. Neben einer hohen Compliance gibt es noch weitere Vorteile: Resorption und Wirkung sind unabhängig von Störungen des Magen-Darm-Trakts wie Erbrechen und Diarrhö.Show moreUpdate für Statine
Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA fordert, sicherheitsrelevante Ergänzungen und Änderungen der Statin-Fachinformationen vorzunehmen [1]. Betroffen sind die Rubriken Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung. Vor dem Hintergrund der Myopathiegefahr wurden zudem in einer weiteren Sicherheitsmeldung neue Kontraindikationen und Dosisgrenzen bei bestimmten Kombinationstherapien erlassen [1, 2].Show moreEndogene Lustsysteme
Die körpereigenen Opioid- und Cannabinoidsysteme gehören zu den wichtigsten Transmittersystemen unseres Nervensystems. Ihre Stimulation kann sowohl höchste Euphorie und Wohlbefinden auslösen als auch negative dysphorische Symptome. Dies erklärt das Suchtpotenzial, aber auch das negative Befinden, das im Entzug oder physiologischerweise ausgelöst werden kann. Die Opioid- bzw. die Heroin-Abhängigkeit ist die Domäne der Ersatztherapie mit Methadon und Buprenorphin. Bei Cannabinoidabhängigkeit gibt es keine spezifische Pharmakotherapie.Show moreWas uns süchtig macht
In Deutschland leiden mehrere Millionen Menschen an einer Substanz-bezogenen Abhängigkeit oder ihren Folgen. Was treibt die Suchtmaschine in unserem Gehirn, dass sie unsere Persönlichkeit verändert, den Willen korrumpiert und das Leben vieler Menschen zerstört? Das Wissen um diese Kräfte öffnet einen freien Blick auf die Suchtkrankheiten und die notwendigen therapeutischen Konzepte sowie auf den Beratungsbedarf in der Apotheke.
Show moreWie entsteht Alzheimer?
Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Altersforschung in Jena konnten die molekulare Struktur der E2-Untereinheit des Alzheimer-Proteins APP (Amyloid-Vorläufer- oder Precursor-Protein) aufklären. Sie entdeckten einen Bereich, der evolutionär stark konserviert ist, Metallionen fest bindet und sehr sensibel auf die Art des jeweils gebundenen Ions reagiert. Durch die Bindung kann wie mit einem Schalter zwischen verschiedenen Strukturen von APP hin und her geschaltet werden, um die Funktion zu regeln.
Show moreSuchtkrankheiten und ihre Therapie
Jede Substanz bzw. Droge hat einen spezifischen Suchtmechanismus, eine eigene Suchtdynamik und eigene Rückfallrisiken. Folgerichtig besitzt auch die Pharmakotherapie, die zur Unterstützung der tragenden Verhaltenstherapie eingesetzt wird, spezifische Ansatzpunkte. In der Apotheke muss beim Umgang mit Suchtkranken den begleitenden Organstörungen und Krankheiten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.Show more
Suchtkrankheiten
Freude und Frust zwischen Koksen und Fressen
Keine Sucht ohne Dopamin. Die Suchtstoffe Alkohol, Nicotin, Cocain oder Heroin und Verhaltenssüchte wie die Fress-Sucht missbrauchen alle das für unser Leben so wichtige dopaminerge Belohnungssystem und überheizen den Dampfkessel der Glückserwartung. In der Suchtkrankheit leiden die Abhängigen unter massivem Stress und dem Mangel an Wohlbefinden, das Leben ohne Droge wird unerträglich. Die Neurobiologie erklärt uns die Stoff-spezifischen Suchtdynamiken und schafft damit das Verständnis für medizinische Therapiehilfen sowie den Beratungsbedarf in der Apotheke.
Von Thomas Herdegen
Teriflunomid senkt Schubrate bei MS
In einer Phase-III-Studie konnte durch den neuen Immunmodulator Teriflunomid die Schubrate bei Patienten mit multipler Sklerose um knapp ein Drittel gesenkt werden. Somit ist Teriflunomid ähnlich gut wirksam wie die Basistherapeutika Interferon und Glatiramer. Der Zulassungsantrag für Teriflunomid soll Anfang dieses Jahres bei der EMA eingereicht werden.
Show moreImpfrisiken bei Kombinationsimpfstoffen
Immer wieder kommt es zu Diskussionen, ob Kombinationsimpfstoffe das Immunsystem belasten. Tatsächlich sind nach der Impfung häufig relativ harmlose Nebenwirkungen zu beobachten, während Komplikationen eher selten sind. Nachdem es in der Vergangenheit verschiedene Meldungen zum Auftreten von Fieberkrämpfen nach einer Fünffachimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio und Haemophilus influenzae Typ b gegeben hatte, belegt jetzt eine dänische Studie diese Möglichkeit. Ein erhöhtes Epilepsierisiko konnte hingegen nicht nachgewiesen werden.
Show moreGlucosamin in Nahrungsergänzungsmitteln
Nahrungsergänzungsmittel, die Glucosamin enthalten, werden mit verschiedenen gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) vertrieben. So sollen die Produkte nach Angaben der Hersteller zur Erhaltung der Beweglichkeit der Gelenke beitragen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass für Personen, die Cumarin-Antikoagulanzien zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen, diese Produkte mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein können.
Show moreApotheker können Fehlerrate von Hausärzten senken
Eine im Lancet veröffentlichte randomisierte Studie zeigt, dass die Beratung durch einen Apotheker die Fehlerrate von britischen Hausärzten bei Arzneimittelverordnungen deutlich senken kann. Ob sich solch eine Beratung durch Apotheker außerhalb der Studie flächendeckend realisieren lässt, wird allerdings bezweifelt: etwa ein Drittel aller angeschriebenen Praxen hatte im Vorfeld die Teilnahme an der Studie abgelehnt.
Show morePalliativmedizinische Betreuung
"Neue Impulse in der Palliativmedizin" – unter diesem Motto stand eine Pressekonferenz der Deutschen Krebsgesellschaft am 22. Februar 2012 beim 30. Deutschen Krebskongress in Berlin. Die palliative Betreuung berücksichtigt frühzeitig die körperlichen, psychischen, spirituellen und sozialen Bedürfnisse eines wahrscheinlich nicht mehr heilbaren Patienten und kann so die Lebensqualität des Betroffenen verbessern.
Show moreAlltagssuchtmittel
Alkohol, Nicotin und Essen sind wesentliche und prägende Bestandteile unserer Lebenskultur. Ihre Akzeptanz erleichtert zum einen den Übergang vom kontrollierten Genuss zur Abhängigkeit, zum andern erschwert sie die Abstinenz bzw. provoziert Rückfalle. Daher sind bei diesen Abhängigkeiten Änderungen der sozialen Verhaltensmuster für die Therapie besonders wichtig.
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