Pharmazie

Deutscher Apotheker Verlag - PROD
Orale Tumortherapie: Es gibt nichts, was nicht schiefgehen kann
Orale Chemotherapie verlagert Hochrisiko-Arzneistoffe aus der Klinik in das häusliche Setting, wobei ihre Wirksamkeit und Sicherheit entscheidend von der korrekten Einnahme abhängen. Strukturierte Beratung – unabhängig von einer pDL – darf bei keiner Abgabe fehlen. Doch worauf kommt es an?Show moreFrüher Therapiebeginn kann Überlebenschance verbessern
Der optimale Zeitpunkt für den Beginn einer antiretroviralen Therapie bei asymptomatischen HIV-infizierten Patienten wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Das liegt vor allem daran, dass es noch keine randomisierten Studien zu dieser Fragestellung gibt. Interessante Ergebnisse lieferte kürzlich eine Analyse von Beobachtungsstudien, die die Mortalitätsraten bei frühem und verzögertem Therapiebeginn miteinander verglichen hatte.Show moreVenlafaxin und Duloxetin sind Placebo überlegen
Patienten mit Depressionen können von selektiven Serotonin-und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) profitieren, so das Ergebnis des Abschlussberichts des IQWiG: Es sieht den Nutzen von Duloxetin und Venlafaxin in dieser Indikation gegenüber Placebo als belegt an. Die Patienten sprechen besser auf die Therapie an und leiden weniger unter den Beschwerden ihrer Depression. Außerdem gibt es Hinweise, dass beide Substanzen nicht nur die Symptome lindern, sondern auch vor Rückfällen schützen können.Show moreWirksamkeit bei Kindern nicht überschätzen
Eine Metaanalyse zeigte, dass die Neuraminidasehemmer Oseltamivir (Tamiflu®) oder Zanamivir (Relenza®) bei Kindern im Alter von zwölf Jahren oder jünger mit vermuteter oder bestätigter saisonaler Influenza nur eine geringe Wirkung aufweisen. Die Krankheitsdauer wurde nur 0,5 bis 1,5 Tage reduziert. Auch unerwünschte Wirkungen wie Asthma traten nicht seltener auf. Risiko und Nutzen einer antiviralen Therapie bei Kindern sollten daher genau abgewogen werden. In Deutschland hat die Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie ihre Empfehlung zur Therapie und Prophylaxe der Influenza aktualisiert.Show moreAuswertung aktueller Daten: STIKO empfiehlt HPV-Impfung
Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hatte 2007 eine Empfehlung zur Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) für alle zwölf bis 17 Jahre alten Mädchen ausgesprochen. Die Impfung ist aber hinsichtlich Nutzen, Risiko und Kosten nicht unumstritten. Nach aktueller Auswertung der zur Verfügung stehenden Literatur unter Einbeziehung neu veröffentlichter Daten hält die STIKO die HPV-Impfung für alle Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahre unverändert für empfehlenswert.Show moreCalciumdobesilat schützt die Augen von Diabetikern nicht
Diabetiker haben ein hohes Risiko, im Laufe ihres Lebens eine Retinopathie zu entwickeln, die unbehandelt zur Erblindung führen kann. Eine gute Blutzucker- und Blutdruckkontrolle können dieses Risiko verringern. Zusätzlich werden derzeit verschiedene Wirkstoffklassen auf ihre Wirksamkeit zur weiteren Reduktion dieses Risikos untersucht. In der fünfjährigen CaldiretStudie konnte Calciumdobesilat Diabetiker mit leichter bis mittelschwerer Retinopathie nicht vor dem Auftreten eines Makulaödems schützen.Show moreEin Immunsuppressivum als Pille für ein längeres Leben?
Im Zusammenhang mit einem Screening auf Substanzen mit lebensverlängernder Wirkung wurde auch das Immunsuppressivum Rapamycin untersucht. Im Tierversuch lebten Mäuse, die einem Menschenalter von etwa 60 Jahren entsprachen, durchschnittlich 14% (Weibchen) bzw. 9% (Männchen) länger als die Kontrollen. Auf den Menschen umgerechnet wären dies etwa sechs bis neun zusätzliche Jahre. Die Autoren sind bei der Bewertung ihrer Versuchsergebnisse allerdings eher zurückhaltend.Show moreSicherheit von Metoclopramid in Kohortenstudie bestätigt
Eine retrospektive Kohortenstudie aus Israel kommt zum Schluss, dass eine mütterliche Metoclopramid-Einnahme während der ersten Schwangerschaftswochen keine negativen Auswirkungen auf den Fötus hat.Show moreSTIKO begründet aktualisierte Impfempfehlungen
Um zu einer ausreichenden Impfbereitschaft beizutragen informiert die STIKO umfangreich über die aktuelle Datenlage hinsichtlich Nutzen und Risiken der Standardimpfungen und über die Neuerungen im Impfkalender 2009. Sie betreffen unter anderem die Pertussisimpfung im Erwachsenenalter, die Modifizierung der Varizellenimpfempfehlung sowie die postexpositionelle Meningokokken-Impfung.Show moreSituationseinschätzung zur Neuen Influenza
Wer wird zuerst da sein, die Grippepandemie im Winter oder ein wirksamer Impfschutz? Eine Massenimpfung könnte vor einer Pandemie schützen. Bei der Impfung von Millionen können aber auch seltene Nebenwirkungen auftreten, die nur in großen Studien über einen längeren Zeitraum bemerkt werden können. Als Ausweg gelten Musterimpfstoffe, die für ein bestimmtes Grippevirus entwickelt wurden, jedoch schnell für die aktuellen Grippestämme abgewandelt werden können. Klinische Studien haben begonnen, mit ersten Ergebissen wird im Herbst gerechnet.Show moreNeue Einheit für den HbA1c- Wert
Die HbA1c-Bestimmung ist elementarer Bestandteil einer Behandlung von Patienten mit Diabetes mellitus. Im Zuge der Umstellung des in Deutschland bisher gebräuchlichen Referenzstandards (NGSP) auf einen neuen international geltenden Referenzstandard (IFCC) wird der HbA1c -Wert zukünftig nicht mehr in der Einheit Prozent sondern in mmol/mol angegeben.Show moreMit Relaxin gegen Herzversagen
Akutes Herzversagen ist eine große klinische Herausforderung. Einer Zunahme von Morbidität und Mortalität stehen vergleichsweise wenige neue medikamentöse Therapieansätze gegenüber. Aufgrund vasodilatorischer Effekte auf systemische und koronare Blutgefäße wurde das natürliche Hormon Relaxin Gegenstand intensiver Forschung. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass es bei schwerer Herzinsuffizienz und Bluthochdruck auch die kardiovaskuläre Sterblichkeit positiv beeinflusst.Show moreThalidomid unterdrückt Immunsystem
Thalidomid (Thalidomide® Celgene) wird jetzt bei uns zur Behandlung des multiplen Myeloms eingeführt. Wegen der Gefahr schwerer Missbildungen muss der Wirkstoff über das Thalidomide-Celgene-Schwangerschafts-Präventions-Programm verschrieben und abgegeben werden.Show moreTyrosinkinase-Inhibitoren verbessern die Prognose
Mit der Einführung des Tyrosinkinase-Inhibitors Imatinib hat sich die Prognose fortgeschrittener gastrointestinaler Stromatumore (GIST) deutlich verbessert. Aktuelle Studien befassen sich mit der Verbesserung der adjuvanten Therapie und einer differenzierten Behandlung fortgeschrittener Tumore.Show moreVerkürzung der Behandlungsdauer durch Moxifloxacin?
Die lange Therapiedauer ist der wichtigste Grund für einen Misserfolg der Tuberkulosetherapie, denn vielen Patienten fehlt die Geduld für die monatelange regelmäßige Einnahme der Medikamente. Ergebnisse einer jüngst veröffentlichen Studie deuten darauf hin, dass ein Ersatz des standardmäßig eingesetzten Tuberkulosetherapeutikums Ethambutol durch das Chinolonantibiotikum Moxifloxacin die notwendige Therapiedauer weiter verkürzen könnte.Show moreSenken Statine bei Dialysepatienten das Risiko?
Dialysepatienten weisen ein hohes kardiovaskuläres Risiko auf. Die Therapie mit Statinen senkt zwar die Lipidwerte, hat aber keinen Einfluss auf kardiovaskuläre Ereignisse, wie eine jüngst veröffentlichte Langzeitstudie mit Rosuvastatin zeigte. Der Grund hierfür ist wahrscheinlich in pathogenetischen Besonderheiten der renalen Gefäßverkalkung zu suchen.Show moreVandetanib hemmt zwei Rezeptortypen gleichzeitig
Während der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology wurde eine neue, zielgerichtete Substanz vorgestellt, die sich in der Entwicklung befindet und die eine gute Wirksamkeit beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) in der Zweit-Linien-Therapie aufweisen konnte: Es konnte gezeigt werden, dass Vandetanib (Zactima®), wenn es einer Docetaxel-Therapie hinzugefügt wird, das progressionsfreie Überleben von Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom verlängert.Show moreOrlistat wegen Hepatotoxizität unter Beobachtung
Auf der Liste potenziell gefährlicher Medikamente der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA befindet sich auch das Diätmittel Orlistat (Xenical® , alli®). Besonderes Augenmerk wird auf eine mögliche Hepatotoxizität gelegt. In Deutschland kann das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aus den Daten, wie sie derzeit vorliegen, keine steigende Zahl von Nebenwirkungsmeldungen erkennen.Show moreIntranasales Fentanyl bei Durchbruchschmerzen
Als erstes Opioid mit schnellem Wirkeintritt wurde Fentanyl als Spray zur nasalen Anwendung (Instanyl®) von den europäischen Behörden zur Behandlung von Durchbruchschmerzen bei erwachsenen Tumorpatienten zugelassen, die wegen chronischer Schmerzen bereits eine Opioid-Basismedikation erhalten. Der Hersteller Nycomed beabsichtigt, Instanyl® im zweiten Halbjahr 2009 auf den Markt zu bringen.Show moreHerzerkrankungen und Psyche hängen zusammen
Dem Einfluss psychosozialer Faktoren auf die Entstehung und den Verlauf kardiovaskulärer Erkrankungen wird in den letzten Jahren verstärkt Bedeutung zugemessen. Zahlreiche Studien haben interessante Zusammenhänge aufgezeigt.Show moreGefitinib zur Behandlung des Lungenkarzinoms
Gefitinib (Iressa®) ist ein niedermolekularer selektiver Inhibitor der Tyrosinkinase des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors. Der neue Wirkstoff ist zur Erstlinientherapie von erwachsenen Patienten zugelassen, die an der lokal fortgeschrittenen oder metastasierenden Form des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms leiden und bei denen aktivierende Mutationen dieser Tyrosinkinase nachgewiesen sind.Show moreBlutgerinnungsstörungen – Therapie der Thrombosen und Blutungsgefahr
Eine Gerinnungshemmung muss immer die zahlreichen Komorbiditäten im Auge behalten, die zu schweren Blutungen führen können. Deshalb werden sichere Alternativen immer wichtiger für die herkömmliche Therapie mit Heparinen und Cumarinen.Show moreBlutgerinnungsstörungen – Die Pharmakotherapie
Die Hemmung der Thrombozytenaggregation durch Acetylsalicylsäure und Clopidogrel und die Hemmung der plasmatischen Gerinnung durch Heparin, neuartige (oral verfügbare) Thrombin-Inhibitoren sowie durch Vitamin-K-Antagonisten gehören zu den häufigsten und wichtigsten Therapieprinzipien der modernen Medizin. Der Einsatz dieser Wirkstoffe erfordert die genaue Kenntnis der Wirkung, der Verordnungseinschränkungen und der Kontraindikationen, um das stets lauernde Risiko von Blutungen zu minimieren. Fibrinolytika werden unter intensivmedizinischen Bedingungen bei akuten Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt, wenn auch unter sehr restriktiven Indikationskriterien.Show moreEsomeprazol kann Asthma-Beschwerden nicht lindern
Für Patienten mit schwer kontrollierbarem Asthma empfehlen ärztliche Leitlinien, nach Komorbiditäten zu fahnden, die für das Therapieversagen verantwortlich sein könnten. Dazu zählen beispielsweise gastroösophagealer Reflux, Übergewicht, obstruktive Schlafapnoe, Sinusitis oder Depression. Nicht immer führt eine Behandlung dieser Erkrankungen jedoch zu einer Verbesserung der Asthmabeschwerden, wie kürzlich eine großangelegte amerikanische Studie gezeigt hat.Show moreBlutgerinnungsstörungen – Die Pathophysiologie
Die Mehrzahl der Gerinnungsstörungen sind nicht die Folge von primären Krankheiten wie Defizienz von Protein C oder Protein S. Sie sind die Folge von chronischen Krankheiten wie dem metabolischen Syndrom, KHK oder Immobilität. Zum Verständnis der Pathogenese und der entsprechenden spezifischen Therapien soll eine Reihe von Krankheitsprozessen beschrieben werden, die zu Gerinnungsstörungen führen. Umgekehrt sind Krankheiten mit erhöhtem Blutungsrisiko wie z. B. Hämophilien oft auf (erbliche) Dysfunktionen oder Abwesenheit einzelner Gerinnungsfaktoren zurückzuführen.
Show moreBlutgerinnungsstörungen – Wichtige Neben- und Wechselwirkungen
Die Therapie mit Gerinnungshemmern muss einerseits das Blutungsrisiko beachten und andererseits die effektive Wirkung sicher stellen, damit keine Thromboembolien entstehen. Während die ganz neuen Wirkstoffe hier ein verbessertes Wirkungs-und Sicherheitspotenzial versprechen, muss im Umgang mit den älteren gängigen Substanzen manches beachtet werden.
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Blutgerinnungsstörungen – Zwischen Stau und überhöhter Geschwindigkeit
Gerinnungshemmende Wirkstoffe gehören zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln. Ihr Einsatz erfordert eine ständige Überwachung, denn ihre therapeutische Breite ist stets zweifach limitiert: Wirkungsverstärkung erhöht das Blutungsrisiko, Wirkungsabschwächung steigert das Thrombose- und Infarktrisiko. Beide Risiken sind oft schon durch die Grunderkrankung vorhanden. Arzneimittelinteraktionen spielen besonders in der Therapie von Gerinnungshemmstoffen eine wichtige Rolle. | Von Prof. Dr. med. Thomas HerdegenShow more
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