Pharmazie

Deutscher Apotheker Verlag - PROD
Wichtige Mitteilungen
Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) veröffentlicht regelmäßig pharmakovigilanzrelevante Informationen von Institutionen, Behörden und Herstellern. Show moreHumane Papillomviren: Verbesserungen sind möglich
Humane Papillomviren und Zervixkarzinom: Seit diese Liaison bekannt ist, wurden HPV-Impfungen entwickelt und HPV-DNA-Tests auf den Weg gebracht. Über beides wird in der Frauenheilkunde derzeit intensiv diskutiert. Auch der 5. Kongress der European Federation for Colposcopy and Cervical Pathology machte hier keine Ausnahme. Fazit: Der errungene Fortschritt in Prävention und Diagnostik sollte genutzt werden.Show moreWarum Cholesterin nicht für jeden gleich schädlich ist
Deutsche und dänische Forscher haben eine Antwort auf die Frage gefunden, weshalb manche Menschen mit einem zu hohen Cholesterinspiegel einen Herzinfarkt erleiden, während andere offenbar geschützt sind. "Schuld" ist ein Gen, das in verschiedenen Varianten auftritt – eine Variante des Gens schützt, die andere nicht.Show moreProblemgruppen: Kinder und ältere Menschen
In der aktuellen Ausgabe von Lancet befassen sich mehrere Autoren mit der Asthmatherapie von Kindern und älteren Menschen. Für beide Personengruppen gilt, dass zu wenige Studiendaten vorliegen, Unsicherheiten bei der Diagnose bestehen und die Therapie häufig nicht den Bedürfnissen angepasst ist. Durch ein multimodales Vorgehen könnten die Therapieerfolge deutlich verbessert werden, so das Fazit der Autoren.Show moreMicro-RNA schützt bei Lungenkrebs vor Metastasen
Ein kleines RNA-Molekül bestimmt darüber, ob Lungenkrebszellen invasiv wachsen und Metastasen bilden, wie jetzt Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universitätsmedizin Mannheim entdeckten.Show moreErhöhtes Sterberisiko nach Einsatz von Tigecyclin
Der Einsatz des Reserveantibiotikums Tigecyclin kann nach einem Einsatz bei sehr unterschiedlichen Indikationen mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden sein. Zu diesem Ergebnis kommt die amerikanische Arzneibehörde FDA nach der Auswertung klinischer Studien. In der vergangenen Woche veröffentlichte sie die Daten zu 13 Studien mit insgesamt nahezu 3800 Patienten, die Tigecyclin erhielten. 150 (4,0%) von ihnen starben; im Vergleich dazu starben in der Kontrollgruppe 110 (3,0%) von 3650 Patienten, die ein anderes Antibiotikum erhalten hatten.Show moreDrei pflanzliche Argumente für einen gesunden Schlaf
Schlafprobleme sind weit verbreitet. Häufig werden Benzodiazepine eingesetzt, ihre Anwendung ist jedoch mit einem hohen Abhängigkeitspotenzial verbunden. Als ein niedrigschwelliges Angebot aus der Apotheke kann eine Entwöhnung durch ein Phytopharmakon unterstützt werden, das beruhigend wirkt, aber kein Abhängigkeitspotenzial und keine Nebenwirkungen aufweist. Eine aktuelle Beobachtungsstudie zeigt, dass die pflanzliche Dreierkombination aus Baldrianwurzel, Hopfenzapfen und Passionsblume während und nach der Benzodiazepinentzugsphase eine wirksame Hilfe ist.Show moreEinzelne resistente Bakterien sichern Überleben der Gesamtpopulation
US-Wissenschaftler haben einen neuen Weg der Resistenzbildung entdeckt. Die Forscher zeigten jetzt, dass auch einzelne resistente Bakterien die Gesamtheit der Bakterien in einer Kolonie vor der Wirkung eines Antibiotikums schützen können. Über den Signalstoff Indol aktivieren sie protektive Mechanismen in den nicht-resistenten Individuen, die auch deren Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht.Show moreRasterelektronenmikroskopie
Theorie und praktische Anwendungen in der PharmazieVon Hubert Rein
1928 trafen sich im Café Wien in Berlin die Physiker Leo Szilard und Dennis Gabor und diskutierten über den bereits 1870 von Ernst Abbe beschriebenen Zusammenhang zwischen der Wellenlänge des Lichtes und dem Auflösungsvermögen eines Mikroskops sowie über die von de Broglie 1924 postulierte Welleneigenschaft der Elektronen; die Wellenlänge dieser "Materiewellen" sollte um fünf Zehnerpotenzen kleiner sein als die Wellenlänge des Lichtes. Nachdem Walter Busch 1926 die elektromagnetischen Linsen erfunden hatte, sollte es doch möglich sein, ein Mikroskop zu bauen, das anstelle von sichtbarem Licht einen Elektronenstrahl verwendet und demgemäß ein viel höheres Auflösungsvermögen hat. Eine Idee war geboren, die von Deutschland die ganze Welt erfasste [1].
Show moreVorhofflimmern verlangt therapeutische Konsequenz
Der orale direkte Thrombininhibitor Dabigatran (Pradaxa®) senkt bei Patienten mit Vorhofflimmern die Schlaganfallgefahr unabhängig von der individuellen Risikosituation. Das zeigt eine aktuelle Subgruppenanalyse der RE-LY-Studie, die beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in Stockholm vorgestellt wurde.Show moreWarum Spinat stark macht
Was Generationen von Eltern bereits wussten und der Matrose Popeye immer wieder eindrucksvoll zeigte, stellten Wissenschaftler vom Biotech Center der Rutgers Universität, New Jersey, jetzt in einer Studie fest: Spinat macht tatsächlich stark. Verantwortlich für den Effekt sind einem Team um Jonathan Gorelick-Feldman zufolge Phytoecdysteroide.Show moreNeue Indikationen für einen alten Wirkstoff?
Zwei kleinere Studien weisen auf potenziell neue Indikationen für Allopurinol hin. So konnten durch das Gichtmittel die Belastbarkeit bei Angina pectoris verbessert und die Progression von Nierenerkrankungen verlangsamt werden. Das Urikostatikum Allopurinol und sein Hauptmetabolit Oxipurinol verringern die Harnsäurebildung durch Hemmung der Xanthinoxidase, die bei der Oxidation von Hypoxanthin zu Harnsäure eine wichtige Rolle spielt. Infolgedessen werden Harnsäure- und Uratspiegel in den Körperflüssigkeiten und im Urin gesenkt.Show moreSibutramin wieder in der Diskussion
Das Anorektikum Sibutramin, das Anfang 2010 nach einer Megastudie europaweit vom Markt genommen wurde, ist wieder in die Diskussion geraten. Die SCOUT-Studie, deren vorläufige Ergebnisse im Oktober 2009 bekannt wurden, zeigte keinen erkennbaren medizinischen Nutzen des Medikaments, aber ein potenzielles Risiko für Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen. Die Autoren der Studie haben jetzt die Sicherheit des Wirkstoffs im New England Journal of Medicine verteidigt: Kardiovaskuläre Sterblichkeit und Gesamtsterblichkeit seien nicht erhöht [1]. Die Redaktion der Fachzeitschrift widersprach dieser Darstellung.Show moreClopidogrel wirkt unabhängig von Mutationen in CYP2C19
Bisher galt: Clopidogrel soll bei Menschen, die ein weniger aktives Leberenzym CYP2C19 haben, nicht ausreichend wirken. Diese genetische Variante kommt bei zwei bis 14 Prozent der Bevölkerung vor und verhindert, dass Clopidogrel in der Leber zu seinem aktiven Metaboliten umgebaut wird.Show moreIntradermaler Influenza-Impfstoff eingeführt
Zur Prophylaxe der echten Virusgrippe bei Personen ab 60 Jahren, besonders bei Personen mit erhöhtem Risiko für influenzabedingte Komplikationen, wurde jetzt ein intradermal zu verabreichender Spalt-Impfstoff eingeführt. Intanza® ist als Injektionssuspension in einer Fertigspritze erhältlich und enthält Teile von inaktivierten Influenzaviren drei verschiedener Virusstämme: A/New Caledonia/20/99, A/Wisconsin/67/2005 und B/Malaysia/2506/2004.Show moreParacetamol und das Allergie- und Asthmarisiko
Schon 2008 sorgten die Ergebnisse einer Studie des ISAAC-Programms für Beunruhigung, nach denen ein Drittel aller Asthmaerkrankungen im Kindesalter auf die Paracetamolgabe im ersten Lebensjahr zurückzuführen sein könnten. Jetzt wurde eine weitere ISAAC-Studie publiziert, die einen Zusammenhang zwischen Asthma und Allergien und der Paracetamol-Einnahme bei Jugendlichen sieht. Prof. Dr. Erika von Mutius war an beiden Studien beteiligt. Wir haben mit ihr über die Aussagekraft der Untersuchungen und mögliche Konsequenzen gesprochen.Show moreNEM – die Kompetenz der Apotheken ist gefragt
Was Sie bei der Beratung beachten solltenVon Susanne Alban und René Roth-Ehrang
Der Wunsch vieler Verbraucher, ihre Gesundheit zu unterstützen und Erkrankungen vorzubeugen, wächst und lässt die Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln steigen [1 – 3]. Neben den Vitamin- und Mineralstoffprodukten gibt es hier immer mehr Präparate mit pflanzlichen Inhaltsstoffen. Diese ähneln oft pflanzlichen Arzneimitteln, insbesondere wenn sie Extrakte bekannter Arzneidrogen wie Ginkgoblätter oder Artischockenblätter enthalten. Doch sie sind keine Arzneimittel und können Arzneimittel nicht ersetzen. Darüber müssen die Apotheken ihre Kunden aufklären.
Show moreWein für den Geist?
Weinliebhaber wird es freuen: Regelmäßiger moderater Weingenuss könnte einer aktuellen Studie zufolge nicht nur eine gefäßprotektive Wirkung besitzen, sondern auch eine Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit fördern.Show moreSind zehn Tage Gestagensubstitution zu wenig?
Bei Hormonersatzpräparaten mit einem Gestagenzusatz für nur zehn Tage ist nicht ausreichend belegt worden, dass die endometriale Sicherheit vergleichbar gut gewährleistet ist wie bei einer für mindestens zwölf Tage vorgesehenen Gestagensubstitution. Deshalb soll nach der Entscheidung des BfArM in Zukunft auf diese Problematik in den Fach- und Gebrauchsinformationen entsprechender Hormonersatzpräparate wie Climen® , CycloÖstrogynal® und Sisare® hingewiesen werden.Show moreBisphosphonate erhöhen Krebsrisiko nicht
Der Gebrauch von oralen Bisphosphonaten in der Osteoporosetherapie ist in den letzten Jahren weltweit stark gestiegen. Während Ösophagitis eine bereits seit Langem bekannte Nebenwirkung der Bisphosphonate darstellt, deuteten jüngste Berichte sogar auf einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Bisphosphonaten und der Entstehung von Speiseröhrenkrebs hin. Belastbare Studien fehlten jedoch bislang. Die Auswertung von über 80.000 Patientendaten ergab nun, dass die Bisphosphonat-Therapie nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergeht.Show moreHDL-Cholesterin als Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse
Kardiovaskuläre Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Als ein effektiver Therapieansatz gilt die Einnahme von Statinen, die LDL-Cholesterin reduzieren können und so die Morbidität und Mortalität von kardiovaskulären Erkrankungen senken. Mit der JUPITER-Studie sollte der vorbeugende Effekt eine Statineinnahme bei kardiovaskulär unauffälligen und nicht an Diabetes erkrankten Probanden ermittelt werden. Die Zweitauswertung der Daten ergab keinen Zusammenhang zwischen HDL- bzw. LDL-Spiegel und einem kardiovaskulären Ereignis.Show moreVorzeitiger Studienabbruch unter Rimonabant
Die Hoffnung, durch Rimonabant das kardiovaskuläre Risiko adipöser Patienten zu senken, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Eine Studie wurde vorzeitig abgebrochen, da unter der Rimonabant-Einnahme vermehrte Selbsttötungen registriert wurden.Show moreRisikopatienten: Blutfette sind meistens schlecht eingestellt
Vier von fünf Hochrisikopatienten in Deutschland erreichen trotz Behandlung mit einem Statin bei mindestens einem Lipidparameter die Werte nicht, die nach den Leitlinien und Empfehlungen der Fachgesellschaften anzustreben wären. Über 40% weisen mehr als eine Ziel- oder Normwertabweichung auf.Show morePandemrix® unter Narkolepsie-Verdacht
Schweden und Finnland haben vor Kurzem über ein gehäuftes Auftreten von Narkolepsiefällen bei Jugendlichen in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung von Pandemrix® berichtet und damit die Überwachungsbehörden auf den Plan gerufen. In Finnland wurde daraufhin die Aussetzung der Impfung mit Pandemrix® empfohlen. In Deutschland hatte die STIKO die speziellen Empfehlungen zur pandemischen Influenza zurückgezogen, weil der in den Pandemie-Impfstoffen enthaltene Virusstamm jetzt in den saisonalen Grippeimpfstoffen berücksichtigt ist.Show moreNEM in der fachlichen und öffentlichen Diskussion
Rechtsgrundlagen, individueller Bedarf, Verbrauch, BewertungVon Michael Hamm, Thomas Ellrott, Sylvia Terlinden und Jürgen Vormann
Die Schaffung eines europäischen Rechtsrahmens für Nahrungsergänzungsmittel in 2002 und dessen Umsetzung auf nationaler Ebene in 2004 sind ein Meilenstein für diese Produktkategorie. Kontroverse Diskussionen über die Zuordnung als Lebensmittel oder Arzneimittel sind zur Ruhe gekommen. Es bestehen jedoch noch unterschiedliche Ansichten in der Fachwelt über Nutzen und Wirksamkeit der Produkte. Entscheidend für einen sinnvollen Einsatz sind neben Qualität und Sicherheit der Nahrungsergänzungsmittel vor allem die Berücksichtigung des Nährstoffbedarfs einzelner Bevölkerungsgruppen sowie die Ermittlung des individuellen Versorgungsrisikos.
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