Pharmazie

Deutscher Apotheker Verlag - PROD
Risdiplam so früh wie möglich anwenden
Die spinale Muskelatrophie gehört zu den schwerwiegendsten genetisch bedingten neuromuskulären Erkrankungen des Kindesalters. Lange Zeit gab es keine orale Therapieoption. Das änderte sich 2021 mit Risdiplam, einem oralen niedermolekularen RNA-modifizierenden Wirkstoff.Show moreJeder is(s)t anders
Alexander Ströhle | Einer Analyse des Soziologen Ulrich Beck zufolge hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts "ein gesellschaftlicher Individualisierungsschub von bislang unerkannter Reichweite und Dynamik vollzogen" [3]. Mit der vermehrt molekular ausgerichteten biowissenschaftlichen Forschung und der Implementierung der sogenannten "-omik"-Disziplinen (Genomik, Proteomik) ist nun auch die Biomedizin in den Sog der Individualisierungstendenz geraten. Ausdruck hierfür ist die "personalisierte Medizin", d. h. die auf eine individuelle Person abgestimmte und optimierte Prävention, Diagnostik, Prognose und (Pharmako-)Therapie [70]. Der Trend hin zu individualistischen Ansätzen hat zwischenzeitlich auch die Ernährungswissenschaft und -medizin erfasst. Eine die biochemische Individualität berücksichtigende, auf das Genprofil des Einzelnen zugeschnittene Nährstoffzufuhr – das sind u. a. die Verheißungen einer "personalisierten Ernährung" [39]. Science oder Fiction?
Show moreEndogene Lustsysteme
Die körpereigenen Opioid- und Cannabinoidsysteme gehören zu den wichtigsten Transmittersystemen unseres Nervensystems. Ihre Stimulation kann sowohl höchste Euphorie und Wohlbefinden auslösen als auch negative dysphorische Symptome. Dies erklärt das Suchtpotenzial, aber auch das negative Befinden, das im Entzug oder physiologischerweise ausgelöst werden kann. Die Opioid- bzw. die Heroin-Abhängigkeit ist die Domäne der Ersatztherapie mit Methadon und Buprenorphin. Bei Cannabinoidabhängigkeit gibt es keine spezifische Pharmakotherapie.Show moreWas uns süchtig macht
In Deutschland leiden mehrere Millionen Menschen an einer Substanz-bezogenen Abhängigkeit oder ihren Folgen. Was treibt die Suchtmaschine in unserem Gehirn, dass sie unsere Persönlichkeit verändert, den Willen korrumpiert und das Leben vieler Menschen zerstört? Das Wissen um diese Kräfte öffnet einen freien Blick auf die Suchtkrankheiten und die notwendigen therapeutischen Konzepte sowie auf den Beratungsbedarf in der Apotheke.
Show moreWie entsteht Alzheimer?
Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Altersforschung in Jena konnten die molekulare Struktur der E2-Untereinheit des Alzheimer-Proteins APP (Amyloid-Vorläufer- oder Precursor-Protein) aufklären. Sie entdeckten einen Bereich, der evolutionär stark konserviert ist, Metallionen fest bindet und sehr sensibel auf die Art des jeweils gebundenen Ions reagiert. Durch die Bindung kann wie mit einem Schalter zwischen verschiedenen Strukturen von APP hin und her geschaltet werden, um die Funktion zu regeln.
Show moreSuchtkrankheiten und ihre Therapie
Jede Substanz bzw. Droge hat einen spezifischen Suchtmechanismus, eine eigene Suchtdynamik und eigene Rückfallrisiken. Folgerichtig besitzt auch die Pharmakotherapie, die zur Unterstützung der tragenden Verhaltenstherapie eingesetzt wird, spezifische Ansatzpunkte. In der Apotheke muss beim Umgang mit Suchtkranken den begleitenden Organstörungen und Krankheiten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.Show more
Suchtkrankheiten
Freude und Frust zwischen Koksen und Fressen
Keine Sucht ohne Dopamin. Die Suchtstoffe Alkohol, Nicotin, Cocain oder Heroin und Verhaltenssüchte wie die Fress-Sucht missbrauchen alle das für unser Leben so wichtige dopaminerge Belohnungssystem und überheizen den Dampfkessel der Glückserwartung. In der Suchtkrankheit leiden die Abhängigen unter massivem Stress und dem Mangel an Wohlbefinden, das Leben ohne Droge wird unerträglich. Die Neurobiologie erklärt uns die Stoff-spezifischen Suchtdynamiken und schafft damit das Verständnis für medizinische Therapiehilfen sowie den Beratungsbedarf in der Apotheke.
Von Thomas Herdegen
Teriflunomid senkt Schubrate bei MS
In einer Phase-III-Studie konnte durch den neuen Immunmodulator Teriflunomid die Schubrate bei Patienten mit multipler Sklerose um knapp ein Drittel gesenkt werden. Somit ist Teriflunomid ähnlich gut wirksam wie die Basistherapeutika Interferon und Glatiramer. Der Zulassungsantrag für Teriflunomid soll Anfang dieses Jahres bei der EMA eingereicht werden.
Show moreImpfrisiken bei Kombinationsimpfstoffen
Immer wieder kommt es zu Diskussionen, ob Kombinationsimpfstoffe das Immunsystem belasten. Tatsächlich sind nach der Impfung häufig relativ harmlose Nebenwirkungen zu beobachten, während Komplikationen eher selten sind. Nachdem es in der Vergangenheit verschiedene Meldungen zum Auftreten von Fieberkrämpfen nach einer Fünffachimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio und Haemophilus influenzae Typ b gegeben hatte, belegt jetzt eine dänische Studie diese Möglichkeit. Ein erhöhtes Epilepsierisiko konnte hingegen nicht nachgewiesen werden.
Show moreGlucosamin in Nahrungsergänzungsmitteln
Nahrungsergänzungsmittel, die Glucosamin enthalten, werden mit verschiedenen gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) vertrieben. So sollen die Produkte nach Angaben der Hersteller zur Erhaltung der Beweglichkeit der Gelenke beitragen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass für Personen, die Cumarin-Antikoagulanzien zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen, diese Produkte mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein können.
Show moreApotheker können Fehlerrate von Hausärzten senken
Eine im Lancet veröffentlichte randomisierte Studie zeigt, dass die Beratung durch einen Apotheker die Fehlerrate von britischen Hausärzten bei Arzneimittelverordnungen deutlich senken kann. Ob sich solch eine Beratung durch Apotheker außerhalb der Studie flächendeckend realisieren lässt, wird allerdings bezweifelt: etwa ein Drittel aller angeschriebenen Praxen hatte im Vorfeld die Teilnahme an der Studie abgelehnt.
Show morePalliativmedizinische Betreuung
"Neue Impulse in der Palliativmedizin" – unter diesem Motto stand eine Pressekonferenz der Deutschen Krebsgesellschaft am 22. Februar 2012 beim 30. Deutschen Krebskongress in Berlin. Die palliative Betreuung berücksichtigt frühzeitig die körperlichen, psychischen, spirituellen und sozialen Bedürfnisse eines wahrscheinlich nicht mehr heilbaren Patienten und kann so die Lebensqualität des Betroffenen verbessern.
Show moreAlltagssuchtmittel
Alkohol, Nicotin und Essen sind wesentliche und prägende Bestandteile unserer Lebenskultur. Ihre Akzeptanz erleichtert zum einen den Übergang vom kontrollierten Genuss zur Abhängigkeit, zum andern erschwert sie die Abstinenz bzw. provoziert Rückfalle. Daher sind bei diesen Abhängigkeiten Änderungen der sozialen Verhaltensmuster für die Therapie besonders wichtig.
Show moreDie Suchtmaschine
Keine Sucht ohne Dopamin! Dopamin ist der Kraftstoff, der die Suchtmaschine antreibt. Dopamin schürt den Heizkessel der Erwartungen und setzt unser Wollen unter Dampf. Als "Triebwagen" saust die Suchtmaschine zwischen dem ventralen Tegmentum und dem Striatum, beschleunigt von Energiezufuhren aus dem limbischen und hypothalamischen System. Später entwickelt der Körper Gegenreaktionen, die noch mehr Konsum des Suchtstoffes anfordern, anderenfalls kommt es zu schwer erträglichen Entzugserscheinungen.
Show moreVorsicht Lebensmittelallergie
Lebensmittelallergien sind in Deutschland weit verbreitet. Allerdings wird der Begriff der Lebensmittelallergie nicht immer korrekt zugeordnet und somit fehlinterpretiert. In dieser Folge unserer Serie "Update Ernährung" gehen wir daher sowohl auf die Klassifikation, Symptomatik und Diagnostik von Lebensmittelallergien als auch auf Präventions- und Therapieansätze ein.
Show moreRisikofaktoren für Autoimmunerkrankungen
Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, haben ein mehr als doppelt so hohes Risiko für einen Typ-1-Diabetes als Kinder, die spontan entbunden wurden. Eine Erklärung sehen die Forscher in der Tatsache, dass eine Entbindung per Kaiserschnitt die Zusammensetzung der kindlichen Darmflora verändert und damit die Entwicklung von Autoimmunität begünstigt.Show moreIn der Zukunft ohne Spritze?
Das Unternehmen MicroChips arbeitet an einem implantierbaren Chip, der Patienten die tägliche Routine der Medikamenteneinnahmen abnehmen soll. Dazu enthält die in den Körper eingebettete Elektronik Wirkstoffreservoirs, die nach Bedarf geleert werden können. Das System wurde erfolgreich mit Teriparatid an acht Osteoporosepatientinnen in Dänemark getestet und die Ergebnisse nun erstmals veröffentlicht .Show moreAktive Überwachung beim Prostatakarzinom
Beim frühen lokalen Prostatakarzinom kann eine aktive Surveillance durch 5-alpha-Reduktase-Inhibitoren unterstützt werden. So verzögerte einer aktuellen Studie zufolge die dreijährige Einnahme von Dutasterid die Tumorprogression bei Patienten mit einem lokalen Tumor der Low-risk-Gruppe.Show moreEMA: Positives Nutzen-Risiko-Verhältnis von Orlistat
Das Antiadipositum Orlistat (Xenical®, 120 mg) wurde in Deutschland 1998 zugelassen. Seit 2009 ist auch ein nicht-verschreibungspflichtiges Präparat (alli®, 60 mg) im Handel. Nachdem mehr als 20 Verdachtsfälle einer Leberschädigung nach der Einnahme von Orlistat bekannt geworden waren, wurde im letzten Jahr eine entsprechende Überprüfung eingeleitet. Jetzt hat die EMA Orlistat ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis bestätigt. Allerdings sollen die Fachinformationen einheitlich einen Hinweis auf die Möglichkeit sehr seltener Leberschädigungen enthalten.Show moreNeues zu Vitamin D
Die Bedeutung von Vitamin D wurde lange Zeit unterschätzt. Während früher nur die Funktion im Knochenstoffwechsel bekannt war, schreiben neue Forschungsergebnisse dem fettlöslichen Vitamin eine immer größere Rolle in der Prophylaxe und Therapie verschiedener chronischer Krankheiten zu.
Show moreZweifel an Antibiotikatherapie
Bei einer akuten Rhinosinusitis kommt es zu einer Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis), der meist eine Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinitis) vorausgeht. Nur in etwa 10 bis 20% aller Fälle wird sie durch Bakterien verursacht, häufigste Ursache ist eine virale Infektion. Dennoch ist sie eine der häufigsten Gründe für den Einsatz von Antibiotika. Einen weiteren Beleg für den irrationalen Gebrauch dieser Arzneimittel zeigt jetzt eine randomisierte klinische US-Studie, die eine deutlich eingeschränkte Wirksamkeit bei akuter Rhinosinusitis unter einer Antibiotikatherapie aufzeigt.Show moreRechtliches
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