Alexander Ströhle
| Einer Analyse des Soziologen Ulrich Beck zufolge hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts "ein gesellschaftlicher Individualisierungsschub von bislang unerkannter Reichweite und Dynamik vollzogen" [3]. Mit der vermehrt molekular ausgerichteten biowissenschaftlichen Forschung und der Implementierung der sogenannten "-omik"-Disziplinen (Genomik, Proteomik) ist nun auch die Biomedizin in den Sog der Individualisierungstendenz geraten. Ausdruck hierfür ist die "personalisierte Medizin", d. h. die auf eine individuelle Person abgestimmte und optimierte Prävention, Diagnostik, Prognose und (Pharmako-)Therapie [70]. Der Trend hin zu individualistischen Ansätzen hat zwischenzeitlich auch die Ernährungswissenschaft und -medizin erfasst. Eine die biochemische Individualität berücksichtigende, auf das Genprofil des Einzelnen zugeschnittene Nährstoffzufuhr – das sind u. a. die Verheißungen einer "personalisierten Ernährung" [39]. Science oder Fiction?