Treuhand Hannover zu Folgen des BGH-Urteils

Höchstens die Hälfte der wegfallenden Skonti kompensierbar

Rostock-Warnemünde - 07.06.2024, 14:15 Uhr

Unabhängig von der Apothekengröße sollten Apothekeninhabern jetzt ihre bereits beim Großhandel aufgelaufenen Rx-Boni  sichern. (Foto: StratfordProductions/AdobeStock)

Unabhängig von der Apothekengröße sollten Apothekeninhabern jetzt ihre bereits beim Großhandel aufgelaufenen Rx-Boni  sichern. (Foto: StratfordProductions/AdobeStock)


Im Juni gelten erstmals neue Großhandelskonditionen aufgrund des Skontourteils. Dabei greifen auch Kompensationsmechanismen, mit denen der Markt reagiert. Doch nach den ersten Einschätzungen der Treuhand Hannover können große Apotheken damit höchstens die Hälfte der entgangenen Skonti kompensieren.

Beim Wirtschaftsseminar des Apothekerverbandes Mecklenburg-Vorpommern am Mittwoch in Rostock-Warnemünde präsentierte Christian Meyer, Treuhand Hannover, Daten zur Wirtschaftslage der Apotheken und zu den Folgen des Skontourteils. Derzeit richtet sich die Aufmerksamkeit besonders auf die Skonti. Zugleich erfordert das Apothekensterben differenzierte Betrachtungen statt Analysen zu Durchschnittswerten. Daher präsentierte Meyer einige Daten zur Verteilung wirtschaftlicher Ergebnisse unter den Apotheken, die von der Treuhand Hannover betreut werden, und die damit etwas von der Gesamtsituation abweichen können.

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Große Spreizung der Apothekenlandschaft

Diese Apotheken erzielten 2023 im Durchschnitt etwa 149.000 Euro Betriebsergebnis, im Median aber nur 118.000 Euro. Das Drittel mit dem geringsten Umsatz hatte durchschnittlich 66.000 Euro Betriebsergebnis und das mittlere Drittel durchschnittlich 129.000 Euro, also weit unter dem Gesamtdurchschnitt. Das obere Drittel mit einem durchschnittlichen Betriebsergebnis von 252.000 Euro zieht den Gesamtdurchschnitt nach oben. Dabei erzielte das obere Drittel einen geringeren prozentualen Rohgewinn (19,6 Prozent im Vergleich zu 21,2 Prozent im mittleren Drittel), es hatte aber auch eine geringere Betriebskostenquote (15,0 Prozent im Vergleich zu 16,8 Prozent im mittleren Drittel).

Stadtapotheken mit schlechteren Zahlen als Landapotheken

Außerdem ermittelte die Treuhand, dass Apotheken in Orten mit unter 10.000 Einwohnern höhere prozentuale Betriebsergebnisse als in Großstädten mit über 300.000 Einwohnern erreichen. Wenn die Apotheken anhand der Betriebsergebnisse in Drittel eingeteilt werden, hat das untere Drittel in Großstädten demnach im Durchschnitt nur ein Betriebsergebnis von minus 0,1 Prozent vom Umsatz, also einen Verlust. Meyer gab zu bedenken, dass es auch in Städten durchaus kleine Apotheken gibt.

Christian Meyer, Treuhand Hannover, erwartet, dass große Apotheken höchstens die Hälfte der wegfallenden Skonti durch neue Konditionen kompensieren können. (Foto: tmb/DAZ)

Große Spannweite bei pharmazeutischen Dienstleistungen

Große Unterschiede gebe es auch bei der Abrechnung pharmazeutischer Dienstleistungen. In etwa der Hälfte der Apotheken würden in der Buchführung keine pharmazeutischen Dienstleistungen erfasst, was möglicherweise auch am Buchungsverhalten liegen könne. Etwa 30 Prozent der betrachteten Apotheken haben im Jahr 2023 Leistungen für jeweils unter 1000 Euro verbucht. In gut einem Prozent der Apotheken seien es hingegen über 10.000 Euro gewesen. Angesichts des gut gefüllten Fonds sieht Meyer hier noch viele Möglichkeiten für die Apotheken.

Mecklenburg-Vorpommern: Gute GKV-Daten bis April

Zur jüngsten Entwicklung hatte Meyer auch eine positive Botschaft: Die Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern hätten in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres 12 Prozent mehr GKV-Umsatz und etwa 5 bis 9 Prozent mehr GKV-Absatz erzielt. Der GKV-Rx-Tax-Rohertrag sei daher um 11 Prozent gestiegen.

Aussicht: Skonto-Belastung könnte zur Hälfte kompensiert werden

Allerdings stehen diesem Vorteil ab Juni die Belastungen durch das Skontourteil gegenüber. Abhängig von den bisherigen Konditionen und der Verteilung des Umsatzes können die Folgen sehr unterschiedlich sein. Meyer präsentierte dazu Modellrechnungen. Bei einem durchschnittlichen Umsatz und Rohertrag, einem Umsatzanteil skontofähiger Produkte von 40 Prozent und einem bisherigen Skonto von 2,5 Prozent auf solche Produkte geht Meyer davon aus, dass durchschnittlich 23.000 Euro Skonto pro Jahr gefährdet sind. Bei sehr großen Apotheken geht es um entsprechend mehr Geld. Der Markt könne darauf mit Kompensationsmaßnahmen reagieren, beispielsweise beim Handelsspannenausgleich, durch den Wegfall von Gebühren, durch Vergütungen für Datenlieferungen und durch eine verzinste Vorauskasse. Nach seinen bisherigen Erfahrungen könnten große Apotheken damit jedoch höchstens 50 Prozent der wegfallenden Skonti kompensieren, erklärte Meyer. Dann blieben über 11.000 Euro Belastung. Kleinere Apotheken könnten eher einen höheren Anteil ihrer Belastung kompensieren, aber dabei geht es um geringere Beträge, denn solche Apotheken haben bisher eher wenig Skonti verbucht.

Tipp: Rx-Boni sichern

Unabhängig von der Apothekengröße riet Meyer allen Apothekeninhabern, jetzt ihre bereits beim Großhandel aufgelaufenen Rx-Boni zu sichern. Diese würden normalerweise zum Jahresende ausgeschüttet. Da aber die Konditionen nun umgestellt werden, sollten die Apotheken dafür sorgen, dass die bis Ende Mai aufgelaufenen Rx-Boni nicht verloren gehen.


Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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