Sie sind hier: Tagesnews-Politik > News

Politik

Wie vertraulich kann die Beratung in der Apotheke sein? (Foto: Sket)

Wie vertraulich kann die Beratung in der Apotheke sein? (Foto: Sket)

Umsetzung der Apothekenbetriebsordnung

Vertraulichkeit – auch eine Frage der Organisation

Berlin - Die neue Apothekenbetriebsordnung setzt auf eine vertrauliche Beratung. Doch auf welche Weise kann diese gewährleistet werden? Lässt sich Vertraulichkeit in Metern abmessen? Und ist davon auszugehen, dass die Aufsichtsbehörden hier einheitliche Maßstäbe anlegen werden? Die Länder-Arbeitsgruppe Arzneimittel-, Apotheken-, Transfusions- und Betäubungsmittelwesen (AATB) gibt Beispiele, wie Vertraulichkeit hergestellt werden kann.

In § 4 Abs. 2a Satz 3 ApBetrO heißt es: „Die Offizin muss so eingerichtet sein, dass die Vertraulichkeit der Beratung, insbesondere an den Stellen, an denen Arzneimittel an Kunden abgegeben werden, so gewahrt wird, dass das Mithören des Beratungsgesprächs durch andere Kunden weitestgehend verhindert wird“.

Die Arbeitsgemeinschaft der Pharmazieräte Deutschlands (APD) hatte sich bereits bei ihrer letzten Tagung im vergangenen Herbst um eine Auslegung dieser Bestimmung bemüht. In ihren Eckpunkten zur einheitlichen Umsetzung und Überwachung der neuen ApBetrO in allen Bundesländern fordert die APD einen Mindestabstand zwischen den einzelnen Bedienplätzen (gerechnet von Kunde zu Kunde) und zwischen Bedienplätzen und wartenden Kunden von jeweils 2 Metern ein. Bei Nichteinhaltung könne bei Neueröffnungen keine Genehmigung der Betriebserlaubnis erteilt werden. 

Die AATB, der ebenfalls an einer einheitlichen Umsetzung der Verordnung gelegen ist, gibt in ihrem Frage- und Antwortkatalog hingegen keine Mindestabstände vor. Ausreichende Vertraulichkeit müsse mindestens an allen Stellen erreicht werden, an denen Arzneimittel an Kunden im Normalfall abgegeben werden, so die AATB. Eine „Beratungsecke“ oder ein „Beratungsraum“ erfüllten diese Voraussetzung nicht – sie kämen allenfalls als Ergänzung in Betracht, würden aber nicht gefordert. Sei jedoch ein Beratungsraum vorhanden oder bei Neuplanungen vorgesehen, so müsse dieser direkt durch die Offizin zugänglich sein.

In bestehenden Apotheken könne die Vertraulichkeit häufig bereits durch organisatorische Maßnahmen zumindest verbessert werden. Dazu führt der Frage- und Antwortkatalog einige Beispiele auf: Abstandshalter, Markierungen am Boden, Aufstellen von Schildern mit entsprechenden Aufschriften, Einbau schallschluckender Materialien in Decke oder Fußboden oder Einzelbedienerplätze mit ausreichendem Abstand zueinander – was in letzterem Fall als „ausreichend“ angesehen wird, bleibt allerdings offen. Neue Apotheken, so die AATB weiter, müssten jedenfalls bereits durch bauliche Maßnahmen ausreichende Vertraulichkeit bieten.

 

Hier finden Sie sämtliche Fragen und Antworten der AATB zur Umsetzung der Apothekenbetriebsordnung.

 

Lesen Sie hierzu auch:

Arbeitsgemeinschaft der Pharmazieräte Deutschlands: Die neue ApBetrO

Kirsten Sucker-Sket / 06.03.2013, 16:00 Uhr

Kommentare:

Stavenhagen-Neumann sagt:
07.03.2013 10:48

wie sagte die Pharmazierätin so nett bei der letzten Revision zu mir: "Da müssten Ihre Kunden ja draußen warten". Wäre im Winter direkt eine Möglichkeit den Verkauf von Erkältungspräparaten zu fördern, die die durchgefrorenen Kunden Tage später benötigen (Ironie!). Kopfschüttel!!!
In einer Arztpraxis in meiner Nähe war die Tür zum Beratungszimmer so dünn, dass im unmittelbar davor befindlichen Wartezimmer alle Anwesenden haarklein jedes Wort verstehen konnten.
Die Regulierungswut lässt sich nur bei Apothekern so schön ausleben, da von dort selten Widerstand kommt. Wir sollten es uns mal abgewöhnen, immer noch die andere Wange hinzuhalten.
Etwas mehr ziviler Ungehorsam ist endlich angebracht.

p.b. sagt:
07.03.2013 09:51

Was war das vor ein paar Jahren noch für eine Riesenaktion zum Einbau des Beratungseck.Was haben die Pharmazieräte da für eine Show abgezogen.Jetzt ist die überflüssig und nicht verlangt.Die Apothekenwelt ist nur noch total gaga.Eine andere Bezeichnung fehlt mir dazu nicht mehr ein.Soll ich nur noch einen Kunden in meine Apotheke lassen und die anderen vor der Tür warten lassen?Was mache ich mit Schwerhörigen?Hat man die Leute,die diesen vollkommen praxisfernen,ich will es mal wegen der Netiquette ,einfach nur Text "ersonnen"haben, auch noch Geld dafür bekommen?Es wird wie bisher auch ganz automatisch auf Vertraulichkeit in der Apotheke geachtet.

Dr.Tillmann sagt:
07.03.2013 08:30

Pillenliesel hat ja sooo.. recht.
Man kann es im Kopf nicht mehr machvollziehen , wer sich derartige Regelungen einfallen läßt. Ich empfehle Gehörschutz an wartende Kundschaft zu verteilen das ist eine kostengünstige Lösung und kann durch Farbwahl beim Stöpsel auch noch für Heiterkeit sorgen und spätestens seit Dr.v. Hirschhausen wissen wir ja , daß Lachen eine gute Medizin ist und deshalb tue ich dieses jetzt sehr ausgiebig , denn sonst halte ich diesen Wahnsinn nicht mehr aus.

Michael Zeimke sagt:
07.03.2013 07:20

Welcher Abstand wird bei einer Chefarztvisite im Krankenhaus ,bei einer Zimmerbelegung von 2-4 Personen verlangt?

miwin sagt:
06.03.2013 19:23

Da der Gesetzgeber sich nicht ausdrücklich zu Meter und Zentimeter ausgelassen hat, wird die Angelegenheit zuletzt wohl vor Gericht geregelt werden, wo dann auch vergleichbare Stellen untersucht werden.

Mal gespannt, wer Recht bekommt...

Pillenliesel sagt:
06.03.2013 19:05

Der Zollstock regiert . Und ersetzt das Maß der Vernunft. Besonders befremdlich: anscheinend ist die Regel- und Kontrollwut in Apotheken besonders ausgeprägt, was den Medizinbereich anbelangt. Arztpraxis im ersten Stock ohne Aufzug ? so what ? apotheke mit Stufe 20 cm? Schließen !!!!! Diskretion in der Arztpraxis ... "Bitte halten Sie Abstand" Fertig. Auch wenn das halbe Wartezimmer mithört. Apotheke : Umbauen !!!! Beratungsecke reicht auch schon nicht mehr. Der PHRat winkt mit dem Zollstock . In keiner Arztpraxis findet sich ein Äquivalent für diese Personen. Warum nur empfindet die Apothekerschaft eine gewisse Lust am Schnüffeln und beschnüffelt werden ? Ist es etwas typisch deutsches, Kontrolllust und Duldsamkeit auf der anderen Seite ? Statt die apothekenspezifische Bürokratie mehr...

Kommentar abgeben:

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

 

 

Sie können die News auch als RSS-Feed abonnieren:

 

RSS-Feed Tagesnews Alle

RSS-Feed Tagesnews Politik

Hier finden Sie weitere Informationen zum RSS-Feed der DAZ.online.