Es geht um bislang 199 Packungen

Gefälschtes Ozempic – Staatsanwaltschaft ermittelt gegen deutschen Pharmagroßhändler

Stuttgart - 11.10.2023, 17:00 Uhr

Es liegen Hinweise vor, dass die Lieferkette des gefälschten Ozempic auch andere Staaten betrifft. (Symbol-Foto: Natalia / AdobeStock)

Es liegen Hinweise vor, dass die Lieferkette des gefälschten Ozempic auch andere Staaten betrifft. (Symbol-Foto: Natalia / AdobeStock)


Im Zentrum der Ermittlungen um möglicherweise gefährliche Fälschungen von Ozempic (Semaglutid) steht offenbar ein Pharmagroßhändler im Südwesten Baden-Württembergs. Das teilte die Zweigstelle Lörrach der Staatsanwaltschaft Freiburg am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur mit. Erstmals erfährt man auch, um wie viele gefälschte Präparate es derzeit geht.

Aufgrund laufender Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Freiburg wurden nach einer Warnung vor Ozempic-Fälschungen in den letzten Tagen nur wenige Details zum Hintergrund bekannt. Noch immer weiß die Öffentlichkeit beispielsweise nicht, was in den gefälschten Pens eigentlich enthalten ist. 

Jetzt meldet die Deutsche Presse-Agentur, dass die Staatsanwaltschaft in dem Fall gegen einen Pharmagroßhändler in Baden-Württemberg ermittelt. Er soll gefälschte Packungen von Ozempic vertrieben haben. 

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199 Packungen kamen laut einer Anzeige des Regierungspräsidiums Freiburg ursprünglich von einem österreichischen Großhändler und seien Anfang September 2023 an einen weiteren Pharmahändler in Großbritannien geliefert worden. Dort seien die Arzneimittel als gefälscht erkannt worden.

Das Regierungspräsidium hatte Ende vergangener Woche vor den mutmaßlich gefälschten Präparaten gewarnt. Von den Fälschungen gingen mit hoher Wahrscheinlichkeit „erhebliche Gesundheitsgefahren“ aus. Es sei nicht auszuschließen, dass sich mehrere gefälschte Packungen in Deutschland im Vertrieb befänden, berichtete das Regierungspräsidium. Es lägen zudem Hinweise vor, dass die Lieferkette auch andere Staaten betreffe.

Gefälschtes Ozempic auch in Deutschland in Verkehr?

Ob der Pharmagroßhändler im Südwesten das mutmaßlich gefälschte Medikament auch in Deutschland in Verkehr gebracht oder an dortige Firmen geliefert habe, werde noch ermittelt, berichtete nun die Staatsanwaltschaft. Dabei gehe es auch um die genauen Vertriebswege und innerbetriebliche Verantwortlichkeiten.

In dem Fall laufe ein Ermittlungsverfahren – der Name des Unternehmens oder dessen genauer Sitz wurden nicht genannt. „Die strafrechtlichen Ermittlungen werden voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen“, hieß es in der Mitteilung. Die Ermittler erinnerten daran, dass laut Gesetz bedenkliche Arzneimittel nicht in den Verkehr gebracht werden dürfen, bei Verstößen drohen Strafen.

Ozempic-Hersteller Novo Nordisk teilte bereits am Dienstag auf Anfrage mit, dass es einen deutlichen Anstieg an illegalen Onlineverkäufen gebe.


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6 Kommentare

Geld für Beratungsspezies, sonst nichts

von ratatosk am 19.10.2023 um 17:51 Uhr

Gut ausgestattete Schwerpunkstaatsanwaltschaften und genügend Ermittler-innen, das wärs gewesen, hatte bei der Kinderpornographie auch große Erfolge. Aber von Staatsanwaltschaften oder Polizei kommt später halt nichts rüber für entsprechende Deals.
Die vielen verschwendeten Milliarden für Securpharm konnten aber für die Beraterfirmen eben nur in diesem Kontext von den entsprechenden Politikern und Ministerien lockergemacht und an entsprechende Stellen verteilt werden. Von den EU Vorgängen brauchen wir schon gar nicht mehr zu sprechen.

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Konsequenzen

von Dr. House am 12.10.2023 um 4:48 Uhr

Handelte es sich bei unserem Berufsstand um einen selbsbewussten, kritischen Nicht-Lakaien-Berufsstand, der die Bürokratie, die er sich SeLBER aufbürdet zumindest hinterfragt, dann würde er erkennen, dass der eigentliche Skandal hier ein Securpharm-Skandal ist. Ach was rede ich da… schön weiter abpiepsen Soldaten! Ihr macht das schon…

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AW: Konsequenzen Secupharm

von Scarabäus am 13.10.2023 um 6:58 Uhr

Chapeau! Genau so sieht‘s aus. Securpharm ist vermutlich nur die Datenkrake, die unsere Markdaten abgreift… Wer weiß, ob die Amazone oder der DocMüsli dort heimlich mitlesen…

Überprüfung der Geschäftsbeziehungen

von Thomas B am 11.10.2023 um 19:23 Uhr

Man schaue sich mal die - überschaubare - Liste der Großhändler (man beziehe auch Nicht-Vollsortimenter mit ein) an, die in Deutschland UND Österreich aktiv sind und evaluiere seine eigenen Lieferanten. Ich kenne nur 2.... und die haben sich in der Vergangenheit beide nicht durch besonders hohe ethische Massstäbe hervorgetan.....

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AW: Überprüfung der Geschäftsbeziehungen

von Anne-Katrin Manger am 11.10.2023 um 22:02 Uhr

Genau das hab ich auch getan und bin ebenfalls auf 2 gekommen, deren Geschäftsgebaren mit ethischen Grundsätzen kaum vereinbar ist. Von denen sollten wir die Finger lassen bzw uns nicht von ihnen beliefern lassen.

Fälschungen Ozempic

von Roland Mückschel am 11.10.2023 um 18:09 Uhr

Da zeigt sich doch dass Securpharm unverzichtbar ist.
Was hätte da alles passieren können.

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