Hohe Nachfrage wegen „Dreifach-Virus-Welle“

Wann ist Flutide mite Dosieraerosol wieder verfügbar?

Stuttgart - 19.01.2023, 16:45 Uhr

Mit einer endgültigen Entspannung der Situation im ICS-Markt rechnet GSK erst im Frühjahr nach Abklingen der aktuellen Krankheitswelle(n). (Symbolfoto: Tobilander / AdobeStock)

Mit einer endgültigen Entspannung der Situation im ICS-Markt rechnet GSK erst im Frühjahr nach Abklingen der aktuellen Krankheitswelle(n). (Symbolfoto: Tobilander / AdobeStock)


Nicht nur Erwachsene, sondern vor allem auch Kinder und Säuglinge sind derzeit von Atemwegserkrankungen durch Influenza-, RSV- oder Corona-Viren betroffen. Wegen der erhöhten Nachfrage kommt es bei einigen Arzneimitteln zu Lieferengpässen. Laut Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) soll sich die Marktsituation für Flutide mite Dosieraerosol in den nächsten Tagen entspannen. Zugleich hat GSK eine konkrete Empfehlung, wie die Versorgungssicherheit zukünftig verbessert werden kann.

Von den Arzneimittellieferengpässen der letzten Monate sind nicht nur Schmerzmittel, Fieberpräparate oder Antibiotika betroffen. Die „Dreifach-Virus-Welle“, bestehend aus Influenza-, RSV- und Corona-Viren, sorgt für Atemwegserkrankungen, die zum Teil mit inhalativen Arzneimitteln therapiert werden müssen. Dazu zählen beispielsweise Beta-2-Sympathomimetika oder inhalative Corticosteroide (ICS).

Fluticason (Flutide) ist ein ICS, das zur mittel- und langfristigen Therapie von asthmatischen und obstruktiven Lungenerkrankungen bei Kindern ab einem Alter von zwei Jahren zugelassen ist. In der Praxis kommt Fluticason in Form eines Dosieraerosols jedoch auch schon bei deutlich jüngeren Kindern zum Einsatz, um akut oder über einen längeren Zeitraum die Entstehung von Bronchitiden zu verhindern. Seit Mitte der 1990er-Jahre versorgt das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) den deutschen Markt mit Flutide in den Dosierungen 50 μg (mite), 125 μg sowie 250 μg (forte).

Seit Dezember registrieren Apotheken und Kinderarztpraxen eine angespannte Liefersituation für Flutide mite (PZN 07123987). Auf Anfrage der DAZ bestätigt GSK eine punktuelle, kurze Lieferunfähigkeit. Als Ursache wird die hohe Nachfrage der vergangenen Monate genannt. Die allgemeine Marktlage im Bereich ICS sei aufgrund der „Dreifach-Virus-Welle“ angespannt. GSK sorge jedoch für eine durchgehende Verfügbarkeit aller ICS, die man dem deutschen Markt zur Verfügung stellt.

Flutide mite 50 µg Dosieraerosol (Quelle: GSK)

Im Hinblick auf Flutide mite arbeite man mit Hochdruck daran, kurzfristig weitere Ware verfügbar zu machen. Das Ziel sei es, trotz der nicht vorhersehbaren Nachfragesteigerung, jeder Patientin und jedem Patienten das jeweils für sie bzw. ihn passende Präparat zur Verfügung stellen zu können. „Heute Morgen haben wir den Großhandel mit einer großen Menge des betroffenen Dosieraerosols versorgt, sodass sich auch in den Apotheken die Situation in den nächsten Tagen entsprechend entspannen sollte“, erklärt Guido Hermanns, Leiter der Unternehmenskommunikation, gegenüber der DAZ. Eine weitere Belieferung soll Mitte Februar erfolgen. Mit einer endgültigen Entspannung der Situation im ICS-Markt rechnet GSK allerdings erst im Frühjahr nach Abklingen der aktuellen Krankheitswelle(n).

GSK registriert aktuell eine im Vergleich zu den gleichen Zeiträumen der Vorjahre deutlich über das bisherige Maß gesteigerte Nachfrage. Auffällig sei dabei vor allem die anhaltend hohe Nachfrage im Gegensatz zu einer sonst eher fluktuierenden Nachfrage im Jahresverlauf. „Bereits im Verlauf der Jahre 2020 bis 2022 konnten wir für das Flutide mite Dosieraerosol eine über 25-prozentige Steigerung des Absatzes beobachten, was für die aktuellen Produktionsmengen bereits berücksichtigt wurde“, so Hermanns. Diese Entwicklung und aktuelle Situation herrschen in ganz Europa. Ein Versorgungsengpass besteht aus der Perspektive von GSK allerdings nicht.

Gibt es Alternativen? Bei Älteren Pulverinhalatoren anwenden

Fluticason zeichnet sich im Vergleich zu anderen ICS durch eine hohe Lipophilie sowie längere Halbwertzeit aus und kann daher deutlich niedriger dosiert werden. Zudem sind Beclomethason- und Budesonid-Dosieraerosole erst für Kinder ab fünf Jahren zugelassen, Präparate mit Ciclesonid und Mometason erst ab zwölf Jahren. Eine Nichtverfügbarkeit von Flutide mite Dosieraerosol könnte also zu einer größeren Herausforderung in den Kinderarztpraxen werden. Hinzu kommt, dass junge Kinder und Säuglinge nicht auf vergleichbare Präparate mit Trockenpulverinhalatoren ausweichen können. Guido Hermanns von GSK erinnert daher an die Option, insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten von Anfang an den Einsatz von Pulverinhalatoren in Betracht zu ziehen. „So können wir gemeinschaftlich sicherstellen, dass die Patientengruppen, die auf ein Dosieraerosol angewiesen sind, dieses auch jederzeit erhalten können.“

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht inzwischen davon aus, dass die Grippewelle in Deutschland ihren Höhepunkt überschritten hat. Der am Mittwochabend veröffentlichte Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKI meldet, dass die Influenza-Aktivität aktuell seit mehreren Wochen zurückgeht.

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Bereits Ende Oktober 2022, also vergleichsweise außergewöhnlich früh, begann die Grippewelle in dieser Saison. Anfang Dezember sprach das RKI sogar von Werten über dem Niveau der Vorjahre zum Höhepunkt schwerer Grippewellen. Die Zahl der im Labor bestätigten und ans RKI gemeldeten Grippe-Fälle liegt laut Bericht bundesweit bei über 255.000. In dem Zusammenhang wurden 558 Todesfälle gemeldet.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz für Infektionen mit dem Corona-Virus wurde am Donnerstagmorgen mit 74,8 angegeben (RKI-Dashboard, 5.00 Uhr). Gestern lag der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche noch bei 80,1 (Vorwoche: 115,7; Vormonat: 236,6).

Diese Meldezahlen seien, so das RKI, allerdings nur ein Ausschnitt des gesamten Geschehens.


Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@daz.online


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