Schutz vor SARS-CoV-2 und Co.

Mit Stickstoffmonoxid-Nasenspray gegen Corona?

Stuttgart - 07.11.2022, 07:00 Uhr

Ein Nasenspray, das vor Vireninfektionen schützt – mit diesem Versprechen wirbt Viromed Medical für sein neues Medizinprodukt. (Symbolbild: amixstudio / AdobeStock) 

Ein Nasenspray, das vor Vireninfektionen schützt – mit diesem Versprechen wirbt Viromed Medical für sein neues Medizinprodukt. (Symbolbild: amixstudio / AdobeStock) 


Der Winter steht vor der Tür und damit die Hochsaison für COVID-19, Grippe und Erkältungen. Einen neuartigen Schutz vor SARS-CoV-2 und anderen Viren soll das Stickstoff­monoxid-freisetzende Nasenspray VirXTM von Viromed Medical bieten, das in diesen Tagen auf den Markt kommt. Der Hersteller bewirbt das Medizinprodukt als „Virenbarriere mit in Studien nachgewiesener Wirkung“.

Schon im Frühjahr 2021 machte der kanadische Hersteller Sanotize Schlagzeilen mit einem neuartigen antiviralen Nasenspray, welches in Israel zugelassen wurde. Nun bringt der deutsche Vertriebspartner Viromed Medical es auch hierzulande als Medizinprodukt unter dem Namen VirXTM Anti-Corona Nasenspray auf den Markt. Wirken soll das neue Mittel gleich auf zweifache Weise. 

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Die enthaltene Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC) bildet laut Angaben der Firma Viromed GmbH eine Barriere, die das Eindringen des Virus in die Nasenschleimhaut mechanisch verhindert [1]. Verstärkt werde die Barrierefunktion durch Zitronensäure, die den pH-Wert herabsetze und eingeschlossene Viren inaktiviere, so der Hersteller [1]. Gleichzeitig enthalte das Präparat eine patentierte Flüssigformulierung, die kurzzeitig Stickstoffmonoxid freisetzt: Natriumnitrit und die bereits erwähnte Zitronensäure werden beim Sprühen aus einem Zwei-Kammer-System vereint und reagieren unter anderem zu Stickstoffmonoxid [1]. Was ist das Besondere an dem Gas? Nicht nur als potenter Vasodilatator ist es wichtig für den Organismus, sondern auch für die Immunabwehr, denn als Radikal kann es Erreger inaktivieren. In vitro jedenfalls hemmte das Gas als Wirkstoff nicht nur die Replikation von SARS-CoV-2, sondern beispielsweise auch von Influenzaviren [2, 3]. Die Vermarktung als Medizinprodukt erschient aufgrund des aktiven Wirkprinzips fraglich [4].

Nasale Virenlast senken

Da ein positives In-vitro-Ergebnis allein noch nicht viel zur klinischen Wirkung aussagt, präsentiert der Hersteller auch klinische Daten, zumindest in Bezug auf SARS-CoV-2 [5]. Die Phase-III-Studie aus Indien an 306 Erwachsenen zeigt, dass das Spray, wenn es sechsmal täglich appliziert wurde, die Virenlast in der Nase von Erkrankten nach acht Tagen signifikant stärker senkte, als wenn ein Placebo-Spray verwendet wurde. Virenfrei waren die Patienten im Schnitt damit schon nach drei Tagen statt nach sieben, wenn sie das Placebo-Spray nutzten. Statistische Signifikanz erreichte dieser Befund allerdings nur für Risikopatienten (p = 0,044) und nicht das gesamte Studienkollektiv (p = 0,351). Zudem wurden rund 30% der randomisierten Probanden nachträglich aus der Studie ausgeschlossen [4].

Virenbarriere fraglich

Vermindert das Spray auch die Wahrscheinlichkeit einer Infektion? Die Daten, die der Hersteller zum Beweis anbringt, sind leider nur retrospektiver Natur und nicht veröffentlicht. Laut einer Untersuchung an einer thailändischen Universität war eine viermal tägliche Anwendung des Sprays nach einem Omikron-Ausbruch (das heißt als Post-Expositionsprophylaxe) mit einem um 75% verringerten Infektionsrisiko assoziiert (p < 0,0001) [1]. Eine prospektive, verblindete Präventionsstudie mit 13.000 Probanden ist noch nicht abgeschlossen [6]. Der Hersteller untersucht darin, ob das Nasenspray, dreimal täglich über einen Zeitraum von 28 Tagen angewendet, als Prä-Expositionsprophylaxe das Risiko einer Infektion senken kann.

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Indes läuft der Verkauf des Medizinprodukts an. Eine Flasche enthält 200 Pumphübe. Je zwei Hübe sind pro Nasenloch pro Applikation nötig. Kunden werden das Produkt sicherlich auch in der Apotheke nachfragen. Diesen sei gesagt, dass das Spray abseits der nicht belegten Wirksamkeitsversprechen zumindest sicher erscheint. Zu den häufigsten berichteten Neben­wirkungen zählten milde nasale Beschwerden [5]. Zu bedenken gilt: Selbst wenn das Spray wirken sollte, ist eine Ansteckung z. B. über den Mund-Rachenraum immer noch möglich. Als bester Schutz vor einer Infektion gilt nach wie vor eine aktuelle Impfung.


Literatur

[1] Zimmermann J et al. VirX Anti Viren Nasenspray. Informationen der Firma Viromed, www.viromed.de/wp-content/uploads/2022/09/White-Paper-Viromed-virX-Anti-Viren-Nasenspray.pdf, Zugriff am 25. Oktober 2022

[2] Akaberi D et al. Mitigation of the replication of SARS-CoV-2 by nitric oxide in vitro. Redox Biol 2020;37:101734

[3] Regev-Shoshani G et al. Gaseous nitric oxide reduces influenza infectivity in vitro. Nitric Oxide 2013;31:48-53

[4] Vorsicht Desinformation – VIRX: Nasenspray gegen COVID-19? Arznei-Telegramm 2022;53(10):78-79

[5] Tandon M et al. SARS-CoV-2 accelerated clearance using a novel nitric oxide nasal spray (NONS) treatment: A randomized trial. Lancet Reg Health Southeast Asia 2022;3:100036

[6] Nitric Oxide Nasal Spray (NONS) as Prevention for Treatment of Individuals at Risk of Exposure to COVID-19 Infection. https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT05109611?term=nitric+oxide&cond=COVID-19&draw=2&rank=6, Zugriff am 25. Oktober 2022


Dr. Tony Daubitz, Apotheker
redaktion@daz.online


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