Infoveranstaltung

Wie geht es weiter mit dem E-Rezept?

Süsel - 05.09.2022, 09:15 Uhr

KIM ermöglicht eine sichere Kommunikation zwischen den Beteiligten der TI, ähnlich wie per E-Mail, aber verschlüsselt und datenschutzkonform. (s / Screenshot: gematik.de/anwendungen/kim / DAZ)

KIM ermöglicht eine sichere Kommunikation zwischen den Beteiligten der TI, ähnlich wie per E-Mail, aber verschlüsselt und datenschutzkonform. (s / Screenshot: gematik.de/anwendungen/kim / DAZ)


Nach dem offiziellen Start des E-Rezepts in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein wird das Projekt weiter entwickelt. Bis die Ärzte in den anderen Regionen einsteigen, wird sich einiges verändern – und die dortigen Apotheken werden ihren Start ins E-Rezept anders erleben. Neue Möglichkeiten für die Apotheken verspricht besonders der sichere Kommunikationsdienst KIM.

Vergangene Woche Dienstag hatten die Apothekerkammern und -verbände Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein sowie die Gematik in einer gemeinsamen Veranstaltung über den Stand des E-Rezept-Rollouts informiert. Dabei ging es besonders um Antworten auf praxisorientierte Fragen. Außerdem wurden dort die geplanten Entwicklungen der nächsten Monate dargestellt. Hannes Neumann, Produktmanager für das E-Rezept bei der Gematik, betonte, dass das E-Rezept schon jetzt bundesweit in der Regelversorgung genutzt werden könne. Daher sollten prinzipiell alle Apotheken dafür bereit sein. 

Doch sogar in der Startregion Westfalen-Lippe werden sich die E-Rezepte zumindest anfangs wohl sehr unterschiedlich auf die Apotheken verteilen. Denn auch dort sind zunächst nicht alle Ärzte dabei, sondern die Praxen steigen gemäß einer gestuften Vorgehensweise in das Projekt ein. Jetzt sollen bis zu 250 Praxen mit elf verschiedenen Praxisverwaltungssystemen teilnehmen. Ab Anfang Oktober sollen es 350 bis 500 Praxen sein, wobei weitere Systeme dazukommen. Ab Anfang November sollen über 500 Praxen und eine unbegrenzte Zahl von Praxisverwaltungssystemen dabei sein. Erst später ist ein flächendeckender Einsatz in Westfalen-Lippe geplant.

KIM verspricht besseren Draht zu den Ärzten

Der einfache Übertragungsweg durch das Stecken der elektronischen Gesundheitskarte in der Apotheke wird voraussichtlich erst gegen Ende des Jahres in einzelnen Apotheken und Anfang 2023 als Regelversorgung möglich sein. Doch bis dahin ist noch mehr zu erwarten. Bei der Veranstaltung zeichnete sich ab, dass in den nächsten Monaten in den Apotheken auch Handlungsbedarf beim Kommunikationsdienst KIM („Kommunikation im Medizinwesen“) besteht. KIM ermöglicht eine sichere Kommunikation zwischen den Beteiligten der TI, ähnlich wie per E-Mail, aber verschlüsselt und datenschutzkonform. Bisher gibt es etwa 100.000 Installationen, darunter in 65.000 Arztpraxen. Denn die Ärzte nutzen KIM bereits bei der elektronischen Krankschreibung, erklärte Neumann. 

Bisher nehmen jedoch erst etwa 300 Apotheken an KIM teil, obwohl gerade die Apotheken viel von KIM zu erwarten haben, wie Neumann und Gerald Haas vom Bundesverband Deutscher Apotheken-Softwarehäuser (ADAS) erläuterten. KIM dürfte die Kommunikation mit Arztpraxen, Rückfragen zu (E-)Rezepten und die Heimversorgung wesentlich vereinfachen. Außerdem soll die legale Rezeptzuweisung für Zytostatika, für die bereits ein Nachrichtentyp definiert wurde, über KIM abgewickelt werden. Zumindest als Pilotprojekt soll dies Ende 2022 möglich sein. Allerdings ist keine Anschubfinanzierung von KIM für Apotheken durch die GKV vorgesehen. Neumann erwartet, dass die Softwareanbieter den Apotheken demnächst Angebote für den KIM-Zugang machen werden.

Neue Funktionen für die Gematik-App

Für Anfang 2023 kündigte Neumann eine Neuerung bei der Gematik-App an. Sie soll dann auch das Einlösen von E-Rezepten ohne Anmeldung in der App ermöglichen und zusätzliche Funktionen bieten, beispielsweise die Übermittlung von Abholcodes der Apotheke. Im zweiten Halbjahr 2023 sollen zudem Mehrfach- und PKV-Verordnungen über das E-Rezept möglich werden. Allerdings wird auch dann noch nicht alles elektronisch verordnet werden können. Beispielsweise E-Rezepte für Hilfsmittel und Blutzuckerteststreifen sind erst später geplant. Für den Fall, dass Ärzte solche Artikel bis dahin über die Freitextfunktion im E-Rezept verordnen, empfiehlt Sandra Szabo vom Deutschen Apothekerverband, bei den Verordnern anzurufen. Sie müssten dann stattdessen das übliche Papierrezept ausstellen.

Noch mehr Information beim E-Rezept-Gipfel

Weitere Informationen zum E-Rezept gibt es beim E-Rezept-Gipfel des Deutschen Apotheker Verlags. Diese digitale Fortbildungsreihe unterstützt die Apothekenteams bei der Umsetzung des E-Rezepts. Vier Online-Vorträge stehen bereit und sind bis zum Jahresende abrufbar. Außerdem beantworten die Experten am 28. September ab 19.30 Uhr online in einer Live-Konferenz die Fragen der Teilnehmer.

Digitales Fortbildungsprogramm für PTA, PKA und Apotheker

Fit für das E-Rezept mit dem E-Rezept-Gipfel 2022


Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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