Vorschlag der Kommission

EU will europäischen Gesundheits-Datenraum schaffen

Berlin - 03.05.2022, 17:55 Uhr

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides stellte heute die Pläne für einen europäischen Gesundheitsdatenraum vor. (c / Foro IMAGO / Xinhua)

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides stellte heute die Pläne für einen europäischen Gesundheitsdatenraum vor. (c / Foro IMAGO / Xinhua)


Die Europäische Union erhöht den Digitalisierungsdruck auf die Gesundheitssysteme der Mitgliedstaaten: Bis 2025 will sie einem heute präsentierten Vorschlag zufolge einen europäischen Datenraum schaffen, innerhalb dessen Patientinnen und Patienten ihre gesundheitsbezogenen Informationen zum Beispiel mit Praxen und Krankenhäusern teilen können. Auch das Einlösen von E-Rezepten soll grenzübergreifend möglich werden.

EU-Bürger:innen sollen ihre Gesundheitsdaten künftig ganz einfach in allen Ländern der Europäischen Union nutzen können. Die EU-Kommission präsentierte dazu am Dienstag einen Vorschlag, wonach ein „Europäischer Gesundheitsdatenraum“ geschaffen werden soll. Patientinnen und Patienten könnten ihre Krankengeschichte, Testergebnisse oder Verschreibungen dann mit Krankenhäusern sowie Ärztinnen und Ärzten in der gesamten EU teilen, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides in Straßburg. EU-Kommissionsvize Margaritis Schinas sagte: „Das ist revolutionär.“

Ein Arzt in Frankreich könne dann etwa die Krankengeschichte eines Portugiesen einsehen, der in Paris krank wird, und die richtigen Medikamente verschreiben, sagte Kyriakides. Unnötige Untersuchungen würden überflüssig. Patientinnen und Patienten mit seltenen Krankheiten könnten ihre Daten zudem mit Ärztinnen und Ärzten in anderen Ländern teilen. Auch würde Geld gespart, weil Untersuchungen nicht wiederholt werden müssten. Die EU-Mitgliedstaaten müssten sicherstellen, dass Patientenkurzakten, elektronische Verschreibungen, Bilddaten und Bildberichte, Laborergebnisse und Entlassungsberichte in einem gemeinsamen europäischen Format erstellt und akzeptiert werden.

Daten sollen auch für die Forschung bereitstehen

Das zweite Ziel des Vorschlags ist, dass Forscher:innen, Industrie und öffentliche Institutionen das Potenzial der Daten nutzen können. So könnten etwa Medikamente und medizinische Geräte entwickelt werden oder die Regierung könne während einer Pandemie besser Entscheidungen treffen. Datenschutz- und Sicherheitsstandards sollten stets beachtet werden, sagte Kyriakides. Bürgerinnen und Bürger sollten die Kontrolle über ihre Daten haben und selbst entscheiden, welche Informationen sie teilen. Forscher bräuchten zudem die Erlaubnis der nationalen Behörden, um mit den Daten zu arbeiten.

Der Raum für Gesundheitsdaten soll Kyriakides zufolge bis 2025 bereit sein. Zuvor müssen sich jedoch noch das Europaparlament und die EU-Staaten damit befassen. Eine Hürde dürfte auch sein, dass die Digitalisierung der Gesundheitssysteme in den EU-Staaten sehr unterschiedlich weit fortgeschritten ist.

Deutschland muss Gas geben

„Für Deutschland heißt das: Wir müssen jetzt Tempo machen bei der Digitalisierung unseres Gesundheitswesens“, sagte der Präsident des Digitalverbands Bitkom, Achim Berg. Grundsätzlich begrüßte er den Vorschlag der EU-Kommission. Der europäische Gesundheitsdatenraum könne die Versorgung der Menschen in Europa massiv verbessern. Er bilde die Grundlage „zu einer verbesserten und schnelleren Entwicklung von Therapien, Medikamenten und Untersuchungsmethoden, was Millionen Menschen unmittelbar helfen wird“.


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