Welt-Asthma-Tag

Zahl der Menschen mit Asthma nimmt weltweit zu

Stuttgart - 03.05.2022, 15:15 Uhr

In Kindesalter erkranken Jungen 1,5- bis 2-mal häufiger als Mädchen an Asthma bronchiale. (x / Foto: Anchalee / AdobeStock)

In Kindesalter erkranken Jungen 1,5- bis 2-mal häufiger als Mädchen an Asthma bronchiale. (x / Foto: Anchalee / AdobeStock)


Vor allem in Entwicklungsländern nimmt die Zahl der Asthmaerkrankten zu, in Deutschland stagniert sie seit Jahren. Dennoch leidet jedes zehnte Kind hierzulande an Asthma bronchiale. Daran erinnert der Welt-Asthma-Tag am 3. Mai.

300 Millionen – so viele Menschen leiden Schätzungen zufolge weltweit an Asthma bronchiale. Circa 250.000 asthmabedingte Todesfälle sind jedes Jahr zu verzeichnen. Auch in diesem Jahr macht der Welt-Asthma-Tag wieder auf die chronische Erkrankung aufmerksam.

Welt-Asthma-Tag am 3. Mai

Der Welt-Asthma-Tag findet seit 1998 jährlich am ersten Dienstag im Mai statt. Sein Motto in in diesem Jahr lautet: „Die Lücken in der Asthmaversorgung schließen“. Lücken gibt es zum Beispiel global betrachtet im Zugang zur medizinischen Behandlung von Menschen mit Asthma, aber auch beim Wissen über die Erkrankung und der korrekten Anwendung von Medikamenten.

Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Krankheiten überhaupt. Weltweit nimmt die Zahl der Menschen, die an Asthma und allergiebedingtes Asthma leiden, zu. Insbesondere in den Schwellen- und Entwicklungsländern Afrikas, Lateinamerikas und Teilen Asiens gibt es immer mehr Betroffene. 

Nachdem es in westlichen Industrieländern jahrzehntelang immer mehr Asthma-Patienten gegeben hatte, steigen die Zahlen seit einigen Jahren hier nicht weiter an. Vor allem in den Ländern mit der höchsten Asthma-Rate – USA, Großbritannien und Australien – kommt es seit wenigen Jahren zu keinem weiteren Anstieg mehr. 

Asthma trifft häufiger Kinder

In Deutschland sind bis zu 10 Prozent der Kinder und 5 Prozent der Erwachsenen an Asthma erkrankt. Bei mindestens sieben von zehn Kindern, die Asthma entwickeln, machen sich erste Symptome schon vor dem fünften Lebensjahr bemerkbar. Bei der Hälfte dieser Kinder verschwinden die Beschwerden spätestens im Verlauf der Pubertät wieder. Die andere Hälfte der Kinder entwickelt jedoch ein chronisches Asthma. 

In Kindesalter erkranken Jungen 1,5- bis 2-mal häufiger als Mädchen. Jedoch lässt die Überempfindlichkeit der Atemwege bei Jungen mit dem Älterwerden oft nach. Bei Mädchen bleibt sie hingegen eher bestehen. Wenn Asthma erst im Erwachsenenalter auftritt, sind Frauen häufiger betroffen als Männer. 

Asthma: Entzündung und Überempfindlichkeit der Atemwege

Asthma bronchiale ist gekennzeichnet durch eine andauernde Entzündung der Atemwege. Die Luftwege reagieren überempfindlich auf verschiedene Reize (bronchiale Hyperreagibilität) wie Tabakrauch, Autoabgase, kalte Luft, körperliche Anstrengung oder psychische Faktoren wie Stress und Aufregung. 

Aus dieser Konstellation resultiert eine anfallsweise auftretende Verkrampfung und Verengung der Bronchien (Bronchokonstriktion). Das verursacht die typische Asthma-Symptomatik wie Luftnot, Engegefühl in der Brust, pfeifende Atmung (Giemen) und Husten. 

Allergisches und nicht allergisches Asthma

Grundsätzlich wird zwischen allergischem und nicht allergischem Asthma unterschieden. Das allergische Asthma tritt oft familiär gehäuft auf und beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter. Das nicht allergische Asthma beginnt oft erst im Erwachsenenalter – häufig nach einer viralen Atemwegsinfektion. Viele Erwachsene haben aber eine Mischform aus allergischem und nicht allergischem Asthma. 

Behandlung nach Stufenschema 

Die medikamentöse Asthmabehandlung orientiert sich an der Asthmakontrolle und erfolgt für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche gemäß einem Stufenschema mit fünf bzw. sechs Therapiestufen. Die Stufenschemata sind in der Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma (NVL) genau festgelegt und geben den Einsatz von bronchienerweiternden Relievern und antientzündlichen Controllern vor. Die Behandlung wird von Stufe zu Stufe intensiviert. 

Die richtige Inhalationstechnik entscheidet darüber, ob inhalierbare Medikamente tatsächlich in der vorgesehenen Menge in der Lunge ankommen. Studien zufolge wenden viele Patienten ihre Inhalationsdevices falsch an. Unterweisungen in der Apotheke sind daher sehr wichtig für den Therapieerfolg. 

Unterstützend zur medikamentösen Asthmatherapie sollten nicht medikamentöse Maßnahmen empfohlen werden. Neben dem Meiden von bekannten Reizen und Asthma-Auslösern gehören dazu körperliches Training, Gewichtsreduktion, etwaige Tabakentwöhnung und Atemphysiotherapie.

Hohe Luftverschmutzung – mehr Krankenhausaufnahmen

Menschen mit Asthma reagieren stärker auf Luftverschmutzung. Eine aktuelle Studie zeigt, dass in Berlin die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Asthmapatienten steigt, wenn der Luftschadstoff Stickstoffdioxid (NO2) erhöht ist: Bei einem Anstieg der NO2-Belastung um 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft kamen 10 Prozent mehr Asthmapatienten ins Krankenhaus. 

NO2 gilt als Indikator für die Belastung der Bevölkerung durch Luftschadstoffe aus dem Verkehr. Eine häufige Exposition schon gegenüber niedrigen NO2-Werten wirkt sich Experten zufolge ungünstig auf Stoffwechsel, Funktion und Struktur der Lunge aus. 


Ulrike Weber-Fina, Diplom-Biologin, Autorin PTAheute.de
redaktion@daz.online


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