Cave, SAPHO-Syndrom!

AkdÄ warnt vor seltener Nebenwirkung von Isotretinoin

Stuttgart - 02.05.2022, 12:15 Uhr

Unter Isotretinoin sollte man an das SAPHO-Syndrom denken, bei schmerzhaften Knochenschmerzen in Kombination mit Hautmanifestationen (z.B. palmoplantare Pustulose, schwere Akne, etc.). (Foto: Jacob Lund / AdobeStock)

Unter Isotretinoin sollte man an das SAPHO-Syndrom denken, bei schmerzhaften Knochenschmerzen in Kombination mit Hautmanifestationen (z.B. palmoplantare Pustulose, schwere Akne, etc.). (Foto: Jacob Lund / AdobeStock)


Mittels Isotretinoin können bei Patienten mit schwerer Akne häufig sehr zufriedenstellende Ergebnisse erreicht werden. Gleichzeitig ist bekannt, dass Isotretinoin viele Nebenwirkungen hervorruft. In einer aktuellen Bekanntmachung warnt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) nun vor dem sogenannten und sehr selten auftretenden SAPHO-Syndrom.

Wird bei Akne-Patienten unter einer systemischen Antibiotika-Therapie oder topischen Behandlung kein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht, wird häufig eine orale Therapie mit Isotretinoin begonnen. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft warnt nun davor, dass beim Auftreten von schmerzhaften Knochenschmerzen in Kombination mit Hautmanifestationen (z.B. palmoplantare Pustulose, schwere Akne, Psoriasis pustulosa oder vulgaris und Hidradenitis suppurativa) unter Isotretinoin an das SAPHO-Syndrom (Synovitis, Arthritis, Pustulose, Hyperostose, Osteitis) gedacht werden sollte. 

Das Syndrom tritt mit einer Prävalenz von < 1:10.000 sehr selten auf, kann aber jede Altersklasse betreffen, vor allem Kinder und junge Erwachsene. 

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Während bei Erwachsenen die Hyperostose und sterile Osteitis vor allem an der vorderen Brustwand auftreten, sind bei Kindern am häufigsten die langen Extremitätenknochen betroffen. Trotz günstiger Prognose können dauerhafte Schäden die Folge sein. Ursächlich vermutet man hinter dem Syndrom persistierende Bakterien sowie eine Dysregulation des Immunsystems. 

Differenzialdiagnose und Therapie

Differenzialdiagnostisch sollte eine Acne fulminans ausgeschlossen werden, die sich u.a. durch hämorrhagische Ulzerationen der Haut an Brust und Rücken und Knochenbeteiligung äußert. Die Therapie des SAPHO-Syndroms erfolgt symptomatisch mit 

  • nicht steroidalen Antirheumatika, 
  • kurzzeitiger Gabe von Glucocorticoiden, 
  • Antibiotika (Doxycyclin, Clindamycin), 
  • Immunsuppressiva (MTX, Sulfasalazin, Ciclosporin) und 
  • TNF-α-Blockern. 

Laut AkdÄ wird das SAPHO-Syndrom aktuell nicht in der Fachinformation von Isotretinoin aufgeführt, unter den sehr häufigen Nebenwirkungen werden jedoch Arthralgien und Myalgien genannt. Hinter den als sehr selten eingestuften Nebenwirkungen – Aufflammen der Akne, Acne fulminans, Arthritis, Hyperostosen und entzündliche Darmerkrankungen – könnten sich laut AkdÄ möglicherweise aber auch Fälle von nicht diagnostiziertem bzw. abortivem SAPHO-Syndrom verbergen.

Literatur

SAPHO-Syndrom im Zusammenhang mit Isotretinoin („Aus der UAW-Datenbank“), Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) Deutsches Ärzteblatt, Jg. 119, Heft 16, 22. April 2022


Marina Buchheit, Apothekerin
redaktion@daz.online


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