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Minoxidil, Finasterid oder Dutasterid – was wirkt am besten bei Haarausfall?

Stuttgart - 20.04.2022, 09:15 Uhr

Sogenannte Geheimratsecken sind oft die ersten Anzeichen für drohenden Haarverlust. Häufig besteht der Wunsch, pharmakologisch gegenzusteuern. (c / Foto: Diego Cervo /AdobeStock)

Sogenannte Geheimratsecken sind oft die ersten Anzeichen für drohenden Haarverlust. Häufig besteht der Wunsch, pharmakologisch gegenzusteuern. (c / Foto: Diego Cervo /AdobeStock)


Haarverlust stellt für so manchen eine enorme Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. Nicht wenige Betroffene greifen daher auf Pharmaka zurück, um so den Haarausfall zu verlangsamen. Mit welchen Wirkstoffen und in welcher Darreichungsform die besten Ergebnisse erzielt werden, war Fragestellung einer aktuellen Netzwerk-Metaanalyse.

Etwa 80 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen in der kaukasischen Bevölkerung leiden unter androgenetischer Alopezie. Die Miniaturisierung der Haarfollikel beim Mann geht vor allem auf die gesteigerte Empfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber 5-α-Dihydrotestosteron zurück. Bei Frauen sind die genauen Ursachen weiterhin unklar. Pharmakologisch versucht man, dem Haarausfall bei Männern durch den Einsatz der beiden 5-α-Reduktase-Hemmer Finasterid (z. B. Propecia®) und Dutasterid (in Deutschland nur zur Therapie der benignen Prostatahyperplasie zugelassen) Herr zu werden, die die Umwandlung von Testosteron in 5-α-Dihydrotestosteron blockieren. Verschreibungsfrei erhältlich sind für Betroffene topische Präparate (2 Prozent für Frauen, 5 Prozent für Männer) auf Minoxidil-Basis, das ursprünglich zur Blutdruckbehandlung entwickelt wurde und dessen Wirkung auf den Haarwuchs nach wie vor unklar ist.

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Welches dieser Präparate den besten Behandlungserfolg verspricht, war Fragestellung einer Forschergruppe im Rahmen einer Netzwerk-Metaanalyse. In der Datenbank Pubmed suchten die Forscher zunächst nach Publikationen zu Dutasterid, Finasterid und Minoxidil in jeglicher Dosierung und Anwendungsform. Nicht englisch-sprachige Publikationen wurden ausgeschlossen. Von 848 Einträgen wurden schlussendlich 23 Studien quantifiziert. In den vier Endpunkten wurden dann die Gesamt- und die Endhaarzahl nach 24 bzw. 48 Behandlungswochen miteinander verglichen. Es zeigte sich, dass nach 24 Behandlungswochen die tägliche Einnahme von 0,5 mg Dutasterid (nur in Japan und Südkorea zur Behandlung der androgenen Alopezie bei Männern zugelassen) die stärkste Zunahme der Gesamthaarzahl bewirkte. So waren im Vergleich zur täglichen Einnahme von 1 mg Finasterid pro Quadratzentimeter durchschnittlich 7,1 Haare mehr gewachsen. Die Wissenschaftler erklären sich diese gute relative Wirksamkeit von Dutasterid durch die deutlich stärkere 5-α-Reduktase-Inhibierung der Isozym-Typen 1 und 2 im Vergleich zu Finasterid, das nur den Isozym-Typ 2 hemmt. Sie verweisen jedoch auf die deutlich längere Halbwertszeit von Dutasterid (fünf Wochen) gegenüber Finasterid (sechs Stunden), was vermutlich auch der Grund dafür ist, dass die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA Dutasterid nicht für die Behandlung des androgenetischen Haarausfalls zugelassen hat. Für die Langzeitanwendung von Dutasterid über 48 Wochen lagen keine Daten vor. Die Autoren fordern, aufgrund der guten Wirksamkeit hier jedoch künftig weitere Studien durchzuführen. 

Sicherheitsprofil von Finasterid beachten

Während nach 24 Wochen Behandlung noch kein Unterschied der Wirksamkeit zwischen den verschiedenen Finasterid-Dosierungen (0,2 mg, 1 mg und 5 mg pro Tag) gesehen werden konnte, erzielte die Einnahme von täglich 5 mg Finasterid (in Deutschland lediglich zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie zugelassen) über 48 Wochen die größte Zunahme der Gesamthaarzahl. Die topische Anwendung einer 1-prozentigen Finasterid-Lösung erzielte ähnliche Effekte wie die einmal tägliche Einnahme von 1 mg Finasterid. Die Autoren geben jedoch zu bedenken, dass die Sicherheitsprofile zwischen den unterschiedlichen Darreichungsformen und Dosierungen von Finasterid deutlich voneinander abweichen können. Off label bei androgenetisch bedingtem Haarausfall eingesetzt, erzielte die orale Einnahme von täglich 5 mg Minoxidil im Vergleich zu niedrigeren Minoxidil-Dosierungen (0,25 mg/Tag) oder topischer Anwendung die besten Ergebnisse. Während nach 24 Behandlungswochen unter beiden topischen Konzentrationen (2 Prozent und 5 Prozent) noch ähnlich gute Gesamt- und Terminalhaarzahlen ermittelt werden konnten, überragte nach 48 Wochen die höhere 5-prozentige Dosierung in der Veränderung der Terminalhaare. 

Fragen und Antworten zum Post-Finasterid-Syndrom

Die tägliche Einnahme von Finasterid erhöht der Netzwerk-Metaanalyse von Gupta et al. zufolge die Gesamthaarzahl bei androgenetischer Alopezie (siehe Artikel oben). Gleichzeitig steht der Arzneistoff aufgrund seines Sicherheitsprofiles immer wieder in der Kritik. Wir haben mit Professor Dr. Frank Sommer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit, Univer­sitätsprofessor für Männergesundheit Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, über die Nebenwirkung Post-Finasterid-Syndrom gesprochen. Abonnenten lesen das Interview hier. 


Marina Buchheit, Apothekerin
redaktion@daz.online


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