First A, Mayd und Co.

Wie Lieferando für Apotheken?

Stuttgart - 19.04.2022, 07:00 Uhr

First A ist mit Lieferando nicht uneingeschränkt vergleichbar, findet DAZ-Chefredakteurin Julia Borsch. Warum? (Foto: IMAGO / photothek)

First A ist mit Lieferando nicht uneingeschränkt vergleichbar, findet DAZ-Chefredakteurin Julia Borsch. Warum? (Foto: IMAGO / photothek)


Schnelllieferplattformen für Apothekenartikel wie Mayd oder First A werden oft mit Lieferando verglichen, schließlich wird jeweils ein Geschäft mit einem lokalen Anbieter – Restaurant oder Apotheke – über einen Dienstleister abgewickelt, der dann auch die Lieferung übernimmt. Dieser Vergleich hinkt aber gewaltig, findet DAZ-Chefredakteurin Julia Borsch.

Die Apothekenbestellplattformen Mayd, First A, Kurando und wie sie alle heißen und der Restaurantlieferdienst Lieferando haben einiges gemeinsam. Über die Online-Plattform des jeweiligen Dienstleisters können Kund:innen bei lokalen Anbietern bestellen. Der Dienstleister wickelt das Geschäft ab und liefert, wenn gewünscht, die Bestellung aus – meist per Fahrradkurier. Dafür erhalten die Unternehmen einen umsatzabhängigen Beitrag. Bei Lieferando beispielsweise wird Provision fällig, sobald die Bestellung über das Onlineportal eingeht, das Restaurant aber selbst ausliefert oder der Kunde sein Essen abholt. Übernimmt Lieferando auch noch die Auslieferung der Bestellung, werden stolze 30 Prozent Provision fällig. Nicht mitmachen ist aber offensichtlich auch keine Option, anders lässt sich der Erfolg kaum erklären. Ein großer Teil der Wettbewerber, wie Delivery Hero, Foodora und Lieferheld, wurden übrigens mittlerweile von Lieferando geschluckt.

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Allerdings gibt es auch einen entscheidenden Unterschied zwischen der Restaurantplattform und den Apothekenlieferdiensten. Während man sich bei Lieferando bewusst für ein Restaurant entscheidet – zum Beispiel, weil man die Pizza eines bestimmten Restaurants essen möchte –, wählt man bei den Apothekenbestellplattformen lediglich ein Produkt. Die Apotheke dahinter tritt völlig in den Hintergrund. Die Aspekte, mit denen eine individuelle Apotheke bei den Patient:innen punkten und sie damit an sich binden kann, spielen keine Rolle – der Patient bestellt bei Mayd, First A oder wem auch immer, aber nicht bei einer bestimmten Apotheke. Die „Partnerapotheke“ ist also komplett austauschbar, ohne dass es der Patient merkt, und zwar nicht nur gegen eine andere Apotheke, sondern, auch, wenn es die gesetzliche Lage irgendwann erlauben sollte, gegen ein Arzneimittellager, aus dem heraus beliefert wird. Dass Lieferando selbst in einer zentralen Küche von Pizza über Sushi bis hin zu Schweinsbraten alles kocht, ist hingegen eher unwahrscheinlich.

Nicht mitmachen für viele keine Option

Einfach nicht mitmachen ist wie bei Lieferando aber für viele Kolleg:innen offenbar keine Lösung. Schließlich scheint es ja ein Bedürfnis zu geben, sich Arzneimittel innerhalb von 30 Minuten liefern zu lassen, und auf das wollen sie im Sinne der Kund:innen reagieren. Sonst macht es ein anderer. Mit dem eigenen Botendienst ist das aber im Regelfall in diesem Zeitfenster nicht zu stemmen. Ob eine so schnelle Lieferung wirklich erforderlich ist, darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein. Kundenwünsche im Einzelfall zu bewerten, sollte aber nicht Sache der Apotheker:innen sein. Ob man diesem Bedürfnis nachkommen will oder nicht und vor allem mit welchen Partnern, ist dann eine individuelle unternehmerische Entscheidung, die so mancher nach den aktuellen Geschehnissen um First A auch noch einmal überdenken dürfte. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Lieferdienste

von Daniela Hänel am 19.04.2022 um 13:36 Uhr

Interessant 30 Prozent Provision? Vom Gesamtumsatz oder Nettoumsatz? Ich musste mir letztens einen Vortrag zu:

https://www.getcure.app/?gclid=CjwKCAjw9LSSBhBsEiwAKtf0nyd6miLw6BZRZezZReEbBsRlHykQw4BQ-GnvAsPKXBp7EGacTE4A0xoCWxQQAvD_BwE

anhören. Laut dem jungen total motivierten und von sich überzeugten moderierenden Mitarbeitern dieses unbekannten StartUp werden hier 20 Prozent vom Nettoumsatz für die „Vermittlung der Kaufkraft“ fällig, wenn man als Apotheke mit denen zusammen arbeitet.
Habe mit ihm gerechnet und gezeigt, dass dieses Unternehmen dann mehr Geld bekommt als die Apotheken. Wir zahlen drauf und haben die Arbeit, Beratungspflicht ist Apothekensache, aber die „Raider“ gehören zum StartUp. Wie das geregelt ist mit der Haftpflicht konnte er mir nicht erklären. Aber eins ist sicher, ihren Investoren erzählen sie was von Korbumsatz von mindestens 35 € und Orthomol ist auch immer mit dabei. Naja, wer’s glaubt…

Was nützt mir der „Mehrumsatz“ wenn der kleine Rest an Rohertrag nicht mal reicht, um all die verpflichtenden Abgaben auf den getätigten Gesamtumsatz zu bezahlen? Ganz zu schweigen, dass Lohn gezahlt werden sollte…

Weiterhin habe ich mir die bestellbaren Arzneimittel auf dieser Plattform angesehen:
1. Rechtschreibfehler
2. keine aktuellen Preise hinterlegt, also Preiserhöhungen zum 01.04.2022 für das OTC-Sortiment waren nicht berücksichtigt. Bedeutet, dadurch wird für uns ein höherer Ek fällig zum veralteten UVP! Die Gewinnspanne wird somit noch kleiner
3. viele der gelisteten Artikel kauft man nicht mit 50 Prozent Rabatt auf EK ein, so wie es der junge Herr des Unternehmens felsenfest behauptet hat.

Ich persönlich bewundere jedem Kollegen und jede Kollegin, die sich auf eine Zusammenarbeit mit diesen „Zecken“ einlassen, dass sie noch genug Geld zum Verschenken haben. Gleichzeitig freue ich mich über jede/n selbständigen Mitstreiter/in, die rechnen können und solche Kooperationen ablehnen.

(Normalerweise müssten diese StartUps uns Geld geben, dass wir für die fast die gesamte Arbeit machen…)

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