FAZ

Mögliche Gasknappheit bereitet Pharmaindustrie Sorgen

Stuttgart - 13.04.2022, 12:15 Uhr

Potenzielle Gasknappheit: „Mit Blick auf den Energiebedarf und die Volumina in Frankfurt seien die Insuline an allererster Stelle zu nennen“, betonte Sanofi gegenüber der FAZ. (s / Symbolfoto: IMAGO / ITAR-TASS)

Potenzielle Gasknappheit: „Mit Blick auf den Energiebedarf und die Volumina in Frankfurt seien die Insuline an allererster Stelle zu nennen“, betonte Sanofi gegenüber der FAZ. (s / Symbolfoto: IMAGO / ITAR-TASS)


Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) hat sich in der Pharmaindustrie umgehört: Wie stark wäre sie von einer potenziellen Gasknappheit durch den Ukraine-Krieg betroffen? Die Herstellung welcher Arzneimittel wäre in Gefahr?

Dass sich der Ukraine-Krieg auch auf die deutsche Arzneimittelversorgung auswirken könnte, klingt nicht allzu weit hergeholt. Anfang März hieß es jedoch vonseiten der Industrie, dass zumindest kurzfristig keine Lieferengpässe in diesem Zusammenhang erwartet würden. 

Doch nun hält der Krieg an und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) titelte vergangenen Freitag: „Pharmabranche sieht Arzneimittelproduktion in Gefahr“. Die Branche setze häufig auf Gas, „ein Ausfall als Folge des Krieges könnte Patienten gefährden“.

Mehr zum Thema

Sorgen um Mitarbeiter, Exporte und klinische Studien

Der Krieg in der Ukraine und die Folgen für die Pharmaunternehmen

Als Beispiel wird Sanofi angeführt. Frankfurt sei ein wichtiger Produktionsstandort von Sanofi und im Industriepark Höchst würde über die Betreibergesellschaft „Infraserv“ ein Energiemix mit einem Erdgasanteil von rund 70 Prozent bezogen. Kurzfristig ließe sich ein Gasembargo zwar überbrücken, mittelfristig müsste aber zur Kohlefeuerung zurückgekehrt werden, heißt es. 

Doch welche Arzneimittel wären konkret betroffen? „Mit Blick auf den Energiebedarf und die Volumina in Frankfurt seien die Insuline an allererster Stelle zu nennen“, betonte Sanofi gegenüber der FAZ. Bei Merck in Darmstadt fürchtet man, dass im Falle einer kurzfristigen Energie- und/oder Gasknappheit die Produktion und Versorgung mit „lebenswichtigen Medikamenten und kritischen Produkten für die Entwicklung und Herstellung von Biologika und COVID-Impfstoffen“, riskiert würde. 

„Im Rahmen unserer Business Continuity Strategie haben wir umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um unsere Produktion gegen das Risiko einer Energieunterversorgung abzusichern“, hieß es außerdem vom Corona-Impfstoff-Hersteller Biontech. Doch auch Biontech ist bewusst, dass es bei Rohstoffen, Vorprodukten und Zulieferern anders aussehen könnte.

Alternative energiesparende Produktionsverfahren nicht möglich?

Der Pharmahersteller Boehringer Ingelheim will seine Abhängigkeit von russischem Öl und Gas so weitgehend und so schnell wie möglich verringern: „Wir wissen aber auch, dass eine solche Transformation nicht über Nacht erreicht werden kann“. Derzeit werde versucht, Lagerbestände zu erhöhen. 

Zusätzlich besteht laut dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) ein branchenspezifisches Problem: „Die Einführung alternativer energiesparender Produktionsverfahren sei in der pharmazeutischen Industrie aufgrund gesetzlich vorgegebener und behördlich überwachter Anforderungen an die Herstellung und Lagerung sowie Distribution von Arzneimitteln nicht möglich.“


Deutsche Apotheker Zeitung / dm
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Sorgen um Mitarbeiter, Exporte und klinische Studien

Der Krieg in der Ukraine und die Folgen für die Pharmaunternehmen

Biontech/Pfizer-Vakzine wird bevorzugt eingesetzt / Moderna befürchtet Probleme bei der Belieferung über Großhandel

Welche Impfstoffe gibt es bei den Hausärzten?

Novartis und Sanofi bauen in Marburg und Frankfurt/M.

Hessische Investitionen

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.