Anifrolumab

Neuer Antikörper gegen systemischen Lupus erythematodes zugelassen

Stuttgart - 08.04.2022, 09:15 Uhr

Die Bezeichnung „Lupus“ (lat.: Wolf) rührt ursprünglich daher, dass die unbehandelten entzündlichen Hautveränderungen wie Wolfsbisse aussahen. (s / Foto: AB Photography / AdobeStock)

Die Bezeichnung „Lupus (lat.: Wolf) rührt ursprünglich daher, dass die unbehandelten entzündlichen Hautveränderungen wie Wolfsbisse aussahen. (s / Foto: AB Photography / AdobeStock)


Vor wenigen Wochen hat die Europäische Kommission eine neue Add-on-Behandlungsoption für Patient:innen mit moderatem bis schwerem systemischem Lupus erythematodes zugelassen: Anifrolumab in Saphnelo von AstraZeneca. Es ist nicht der erste Antikörper, der bei Lupus zum Einsatz kommt.

In Europa leiden etwa 250.000 Menschen an einem systemischen Lupus erythematodes (SLE), der Großteil davon sind Frauen zwischen 15 und 45 Jahren. Vor wenigen Wochen hat die Europäische Kommission eine neue Add-on-Behandlungsoption für Patient:innen mit moderatem bis schwerem systemischem Lupus erythematodes zugelassen: Anifrolumab (Saphnelo®, AstraZeneca) ist ein monoklonaler Antikörper, der sich gegen den Typ-1-Interferon-Rezeptor richtet und so die Interferon-1-bedingten entzündlichen und immunologischen Reaktionen unterbindet. 

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Die Zulassung basiert auf zwei Phase-III-Studien, in denen Anifrolumab über jeweils 52 Wochen untersucht worden war. In den Studien konnte im Vergleich zu Placebo in allen betroffenen Organen eine Verringerung der Krankheitsaktivität erkannt werden, infolge benötigten die Betroffenen auch weniger orale Glucocorticoide. Die Minimierung des Einsatzes von Cortison bei gleichzeitiger Reduzierung der Krankheitsaktivität ist ein wichtiges Behandlungsziel bei systemischem Lupus erythematodes, um das Risiko von Organschäden zu verringern. 

Wie in der DAZ 50/2021 zu lesen war, erfolgt die Basismedikation bei Lupus mit Chloroquin bzw. Hydroxychloroquin. Diese Stoffe weisen eine gute Wirksamkeit in Bezug auf Gelenke und Haut auf. Zusätzlich werden je nach befallenen Körperregionen und Krankheitsaktivität weitere Substanzen eingesetzt. 

Bei eher milder bis moderater Krankheitsaktivität werden nichtsteroidale Antirheumatika, Steroide, Methotrexat, Leflunomid oder der monoklonale Antikörper Belimumab (Benlysta®) zur Behandlung von Gelenkschmerzen und -entzündungen eingesetzt. Zur Behandlung von Hauterscheinungen eignen sich lokale Präparate (z. B. Steroide, Tacrolimus), aber auch Methotrexat, Azathioprin, Belimumab oder systemische Steroide. Mit Ausnahme der lokalen Präparate kommen die gleichen Wirkstoffe bei einer Lungenfell- oder Herzbeutelentzündung zur Anwendung. 

Bei hoher Krankheitsaktivität kann akute Lebensgefahr bestehen, z. B. durch Nierenentzündung (Lupusnephritis) oder Befall des Nervensystems. Neben systemischen Steroiden erfolgt die Behandlung mit immunsuppressiven Therapien (z. B. Ciclosporin, Azathioprin oder Mycophenolatmofetil), Cyclophosphamid und Rituximab. 

(Quelle: Ist das der Sieg über den Wolf?, DAZ 50/2021) 

Mit Daratumumab (Darzalex®), das bereits seit 2016 zur Behandlung des multiplen Myeloms zugelassen ist, befindet sich übrigens ein weiterer Antikörper gegen den systemischen Lupus erythematodes in der Entwicklung

Literatur

Saphnelo approved in the EU for the treatment of moderate to severe systemic lupus erythematosus. Pressemitteilung von AstraZeneca, 16. Februar 2022


Marina Buchheit, Apothekerin
redaktion@daz.online


Deutsche Apotheker Zeitung / dm
redaktion@daz.online


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