DAZ-Leserbrief

„Falscher Stolz“ – Zava-Chef Meinertz kontert Hänel

Berlin - 01.03.2022, 13:45 Uhr

David Meinertz ist Gründer und CEO des Telemedizinanbieters Zava. (Foto: Patrick Arrer / Zava)

David Meinertz ist Gründer und CEO des Telemedizinanbieters Zava. (Foto: Patrick Arrer / Zava)


In einem DAZ-Leserbrief hatte Apothekerin Daniela Hänel kürzlich Kooperationen von Telemedizinanbietern und Arzneimittelversendern kritisiert. Jetzt äußert sich David Meinertz, Gründer und CEO des Telemedizinanbieters Zava, dazu. Er meint: Diese Haltung zeuge von falschem Stolz. Ärzte- und Apothekerschaft müssten mit der Zeit gehen und sich den neuen digitalen Möglichkeiten öffnen.

Verbindungen zwischen Telemedizinanbietern und Arzneimittelversendern gibt es mittlerweile zuhauf. Nicht nur die Freie Ärzteschaft sieht das kritisch: In einem DAZ-Leserbrief warnte kürzlich die erste Vorsitzende der Freien Apothekerschaft, Daniela Hänel, davor, dass damit das Edikt von Salerno ausgehebelt werde. Plattformen wie Teleclinic, Zava, Dr. Ansay, GoSpring und andere beugen aus Hänels Sicht geltendes Recht, um mit elektronischen Krankschreibungen und Arzneiverordnungen zu verdienen. „Teilweise erfolgt dies auch unter Zuhilfenahme von Ärzten, denen es lukrativ erscheint, vor dem Bildschirm Pseudoverordnungen auszustellen, ohne die Patienten hierfür persönlich zu untersuchen.“ Diese Fachkräfte fehlten wiederum vor Ort für eine flächendeckende Gesundheitsversorgung. Dadurch würden letztlich jene Strukturen, die für eine „echte“ Versorgung notwendig sind, zerstört.

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Jetzt reagiert der Telemedizin-Anbieter Zava auf die Vorwürfe: David Meinertz, Gründer und CEO des Unternehmens, äußert sich dazu ebenfalls in einem DAZ-Leserbrief. Er meint: Diese Haltung zeuge von falschem Stolz aufseiten der Ärzte- und Apothekerschaft. „Ärzte und Apotheker sind Eckpfeiler und Erfolgsgaranten unseres qualitativ exzellenten Gesundheitssystems“, betont der Zava-Chef.

Steht das Edikt von Salerno guter Zusammenarbeit im Weg?

Auf die Tatsache, dass es sich um zwei unterschiedliche Berufe mit jeweiligen inhaltlichen Sphären handelt, sei kürzlich wieder vermehrt hingewiesen worden. „Gut, wenn der Blick auf das 13. Jahrhundert Vertreter der Berufsgruppen nach wie vor mit Stolz erfüllt“, schreibt Meinertz und spielt damit offensichtlich auf das Edikt von Salerno an. „Schlecht, wenn die Möglichkeiten für gute Zusammenarbeit über berufsrechtliche Abgrenzungsdebatten zusammenschrumpfen.“ Zu Erinnerung: Unter dem Edikt von Salerno versteht man gemeinhin die gesetzlich festgeschriebene Trennung von Arzt und Apotheker. Sie dient dem Ziel, Menschen vor unnötigen Verschreibungen zu schützen. Wer ein Rezept ausstellt, soll demnach nicht an der Abgabe des Medikaments verdienen.

Wer ein gesundheitliches Problem hat, führt Meinertz weiter aus, fragt seinen Arzt oder Apotheker. „Der eine stellt die Diagnose, der andere berät zu den Arzneimitteln. In einer effektiven Patientenversorgung agieren sie fachlich als Team!“ Die Digitalisierung des Gesundheitswesens eröffnet diesbezüglich neue Möglichkeiten: „Ob E-Rezepte, Videosprechstunden für Telemedizin und Telepharmazie oder elektronische Versionen von Patientenakte und Medikationsplan. Viele Ärzte und Apotheker wenden sich dem aktiv zu.“



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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5 Kommentare

Was kann ZAVA überhaupt

von Cordula Eichhorn am 01.03.2022 um 23:24 Uhr

Nein , Herr König , dieser Vergleich hinkt gewaltig. Während der rezeptierende Arzt vor Ort zwar Wiederholungsrezepte ausstellt , schaut er mich dabei doch an . Er untersucht mich visuell . Er hört meine Stimme, sieht in meine Augen , er checkt meine körperliche und seelische Verfassung wie ein Notar beim scheinbaren smalltalk meine Zurechnungsfähigkeit. Er kennst die Namen meiner Kinder und erinnert mich an die nächste aufzufrischende Impfung , wahlweise Vorsorge.
Nichts gegen Digitalisierung- aber ein Arzt , der seine Patienten nicht anfasst , kann diesen auch beHANDeln !!!!!

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Zeitgeist

von Dr Fred am 01.03.2022 um 22:29 Uhr

Lieber Herr König, Ihren 'Zeitgeist' in allen Ehren. Uppsala, gerade habe ich schon wieder keine Verbindung zum Gematik-Server, obwohl der ganze Technik-Schnick-Schnack glänzt und blinkt und auch ab und an mal funktioniert. Egal, bleiben wir bei Zava, dem Verein der vorwiegend blaue Pillen rezeptiert (warum auch immer): Also das Argument mit "ich kann ja auch vor Ort Falschangaben machen" verfängt nicht - dann ist der Arzt blind, taub oder strohdumm. Davon kenne ich jetzt nicht so viele Ärzte. Sie scheinbar schon. Den Frauenarzt möchte ich sehen, der einem Mann das Rezept in die Hand drückt. Was macht Zava?

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.

von Anita Peter am 01.03.2022 um 16:56 Uhr

Jaja, da isser wieder der Zeitgeist. Der muss immer herhalten wenn mal sonst eigentlich völlig nackt da steht.
Ihr habt ja nur Glück, dass Sildenafil weiterhin verschreibungspflichtig ist, sonst wär euer Geschäft von jetzt auf gleich tot.

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Was KANN Zava überhaupt?

von Dr Fred am 01.03.2022 um 14:41 Uhr

Ausser ein paar Fragebögen ins Netz zu stellen, das als die wundersame digitale neue Arzeiwelt zu feiern und FETT Geld damit zu verdienen?! Sie leisten seit Jahren KEINEN Beitrag zur Gesundheitsversorgung. Wie schizophren sind eigentlich Menschen, die diesen Pseudomedizinern Geld für zweifelhafte Privatverschreibungen in den Rachen schieben? Die wären bei einem "echten" Haus- oder Frauenarzt deutlich besser aufgehoben. Wobei die liebe Emily ist schon ein Arbeitstier: hunderttausende Verschreibungen rauszuhauen - dafür hat sie meinen Respekt. Der Herr oben nicht.

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AW: Was KANN Zava überhaupt

von Ralf König am 01.03.2022 um 19:23 Uhr

Also, dass kann man nicht so stehen lassen. Es gibt derzeit sicher mengenmäßig mehr Beispiele von Verordnungen ohne Arztkontakt für Wiederholungsrezepte in den Praxen vor Ort als in der Telemedizin. Besser als mit einem Fragebogen kann ich übrigens die Leitlinien gar nicht darstellen. Das Argument, dass man dabei ja Falschangaben machen kann, verfängt auch nicht, da ich genau diese auch in der Praxis vor Ort machen kann. Das System der sinnfreien, abrechnungstechnischen Notwendigkeit den Patienten ohne medizinischen Nutzen zur Wiederverordnung quartalsweise einzubestellen wird nun durch Digitalisierung aufgedeckt und in Frage gestellt. Und das wird nicht der letzte Punkt im Versorgungsprozess sein. Ob uns das gefällt oder nicht.

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