Dosis, Wirkstoff und Darreichungsform

Wann das kardiovaskuläre Risiko unter Hormonersatztherapie am größten ist

Stuttgart - 31.01.2022, 17:50 Uhr

Wie hängt die Einnahme von Hormonen mit kardiovaskulären Risikofaktoren zusammen? (s / Foto: RFBSIP / AdobeStock)

Wie hängt die Einnahme von Hormonen mit kardiovaskulären Risikofaktoren zusammen? (s / Foto: RFBSIP / AdobeStock)


In der Postmenopause steigt das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen deutlich an. Die Einnahme einer Hormonersatztherapie, von der man sich früher sogar eine kardioprotektive Wirkung erhoffte, erhöht die Gefahr zusätzlich. Ob das kardiovaskuläre Risiko unter neueren Wirkstoffen, unterschiedlichen Dosierungen und Anwendungsformungen unterschiedlich ausfällt, war Fragestellung eines Mini-Reviews.

Vor mehr als 20 Jahren galten Hormonersatztherapien nicht nur als wirksam gegen vasomotorische Symptome, sondern ihnen wurde aufgrund von Tier- und Beobachtungsstudien auch eine kardioprotektive Wirkung zugesprochen. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich jedoch in mehreren randomisierten klinischen Studien heraus, dass das kardiovaskuläre Risiko unter solch einer Therapie in einigen Punkten sogar erhöht ist. Beispielhaft soll hier die HERS-Studie (Heart and Estrogen/progestin Replacement Study) genannt werden, in der gezeigt werden konnte, dass ältere Frauen mit bestehender Herzerkrankung unter einer kombinierten Hormonersatztherapie ein erhöhtes Risiko für Koronarereignisse aufweisen.

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Doch wie hängt die Einnahme von Hormonen mit den kardiovaskulären Risikofaktoren zusammen? Hier ist insbesondere der positive Einfluss von oral eingenommenen Estrogenen auf den Lipidstoffwechsel und den Kohlenhydratmetabolismus zu nennen. Zum einen führen Estrogene nämlich zu einer Zunahme von HDL(High-density Lipoprotein)- und einer Abnahme von LDL(Low-density Lipoprotein)-Cholesterol, und zum anderen zu einer Reduktion der Nüchtern-Glucose. Wird jedoch gleichzeitig Progesteron eingenommen, schwächt dieses die vorteilhaften Wirkungen der Estrogene auf den Lipidstoffwechsel ab. Somit kann eine Hormonersatztherapie zwar kardiovaskuläre Risikofaktoren senken, gleichzeitig kann daraus aber nicht automatisch geschlossen werden, dass sie auch zur Primär- oder Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse geeignet ist.

Welche Rolle spielen Dosis, Wirkstoff und Darreichungsform? 

Da zwischenzeitlich weitere Applikationsformen, andere Wirkstoffmodifikationen (z. B. mikronisiertes Progesteron) und andere Dosierungen der Hormonersatztherapie eingesetzt werden, stellt sich erneut die Frage, ob und in welchem Ausmaß eine solche Behandlung das kardiovaskuläre Risiko beeinflusst. Mithilfe eines „Mini-Reviews“ verschiedener randomisierter Studien sollte diese Frage geklärt werden. 

Ab welcher Dosis Estrogen laut Ergebnissen des Reviews das kardiovaskuläre Risiko erhöht war, welches Gestagen bevorzugt eingesetzt werden sollte und ob bioidentische Estrogene oder eine Pflastertherapie ein geringeres kardiovaskuläres Risiko versprechen, lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der DAZ.  


Marina Buchheit-Gusmão, Apothekerin
redaktion@daz.online


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