nach Nabelschnurdurchtrennung oder vor dem ersten Schnitt

Zeitpunkt der Antibiotikum-Gabe keinen Einfluss auf die bakterielle Darmbesiedlung der Kinder

24.01.2022, 12:15 Uhr

Hat der Zeitpunkt der Antibiotikum-Gabe einen Einfluss auf die bakterielle Darmbesiedlung der per Kaiserschnitt geborenen  Kinder (Foto: dtatiana /AdobeStick)

Hat der Zeitpunkt der Antibiotikum-Gabe einen Einfluss auf die bakterielle Darmbesiedlung der per Kaiserschnitt geborenen  Kinder (Foto: dtatiana /AdobeStick)


Bei bestimmten operativen Eingriffen wird als Einmalgabe ein Antibiotikum gegeben. Ziel ist es, postoperative Infektionskomplikationen zu verhindern oder zu reduzieren. Auch bei einem Kaiserschnitt empfehlen Leitlinien dieses Vorgehen. Inwiefern sich der Zeitpunkt der Gabe – nach der Nabelschnurdurchtrennung oder vor dem ersten Schnitt – auf das kindliche Mikrobiom auswirkt, wurde nun in einer aktuellen Untersuchung analysiert

Um Infektionen nach einem Kaiserschnitt zu verhindern, emp­fehlen internationale Leitlinien der werdenden Mutter, nicht erst nach der Nabelschnurdurchtrennung, sondern schon vor dem ersten Schnitt ein Antibiotikum (meist Cefuroxim) zu verabreichen. Ob der Zeitpunkt der Antibiotikum-Gabe sich dabei auf die Zusammensetzung des kind­lichen Mikrobioms auswirkt, war Fragestellung einer aktuellen Untersuchung. Dazu analysierten Forscher das Mikrobiom von 40 per Kaiserschnitt entbundenen Kindern einen Tag, eine Woche, 28 Tage nach der Geburt sowie drei Jahre später. 20 Mütter hatten das Antibiotikum noch vor dem ersten Schnitt erhalten, 20 erst nach der Nabelschnurdurchtrennung.

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Als Kontrolle diente das Mikrobiom von 23 vaginal entbundenen Kindern. Es zeigte sich, dass der Zeitpunkt der Antibiotikum-Gabe keinen Einfluss auf die bakterielle Darmbesiedlung der Kinder hatte. Wohl aber der Kaiserschnitt an sich. So wiesen die vaginal ent­bundenen Kinder deutlich mehr gesundheits­fördernde Bakterien der ­Bacteroides- und Bifidobacterium-Spezies auf. 

Nach drei Jahren Unterschiede nicht mehr messbar

Drei Jahre später waren diese Unterschiede jedoch nicht mehr messbar. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, ob sich diese frühkindlichen Veränderungen im Mikrobiom auf das spätere Leben auswirken oder nicht. 


Marina Buchheit, Apothekerin
redaktion@daz.online


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