Schreiben an Gematik-Gesellschafter

BMG: E-Rezept-Start auf unbestimmte Zeit verschoben

Stuttgart - 20.12.2021, 19:00 Uhr

Das BMG gibt nun beim E-Rezept eine neue Richtung vor. (Foto: IMAGO / U. J. Alexander) 

Das BMG gibt nun beim E-Rezept eine neue Richtung vor. (Foto: IMAGO / U. J. Alexander) 


Die Einführung des E-Rezepts wird verschoben. Das hat das BMG heute in einem Schreiben den Gesellschaftern der Gematik mitgeteilt. In dem Brief, der der Redaktion vorliegt, heißt es, dass anders als oftmals von den Akteuren kommuniziert, die erforderlichen technischen Systeme noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen. Es soll daher weiter getestet werden. Ein neues Datum für die geplante Einführung wird aber nicht genannt. Vielmehr soll die Einführung, wenn alles läuft, „nach einem noch festzulegenden Rollout-Verfahren erfolgen“.  

Wirklich überraschend kommt es wohl für niemanden: Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat ein Einsehen und verlängert die Testphase für das E-Rezept. In einem Schreiben an die (übrigen) Gesellschafter der Gematik, die sich zuletzt ebenfalls für eine Verlängerung der Tests ausgesprochen hatten, heißt es, dass das Ministerium derzeit eine Vielzahl von Rückmeldungen aus dem Gesellschafterkreis zur bevorstehenden Einführung des E-Rezepts erreichten. Diese äußerten erhebliche Bedenken, ob Ausstellung, Übermittlung, Annahme und Abrechnung von elektronischen Rezepten ab dem 1. Januar 2022 möglich sein werden. Anlass für die Bedenken gäben die noch laufenden Test und die unzureichende Erprobung – es sollen nur 42 E-Rezepte abgerechnet worden sein.

Das BMG, das mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafter der Gematik ist, teilt demnach die Auffassung der übrigen Gesellschafter, dass sich aufgrund der geringen Teilnehmerzahl an den Feldtests in der Fokusregion die erforderlichen Rückschlüsse auf eine flächendeckende technische Funktionalität noch nicht ziehen lassen. Zwar würden die Ergebnisse der ausgeweiteten Testphase noch ausstehen – erst seit Anfang Dezember wird bundesweit getestet, anscheinend mit gesteigerter Teilnehmerzahl –, aber gleichzeitig werde deutlich, dass, die erforderlichen technischen Systeme noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen – anders als oftmals von den Akteuren kommuniziert. Die flächendeckende technische Verfügbarkeit sei gemäß § 360 Abs.1 SGB V Grundvoraussetzung für die verpflichtende Einführung des E-Rezepts, so das BMG.

BMG mit erhobenem Zeigefinger

Weiter appelliert das BMG an die Mitgesellschafter, gemeinsam darauf hinzuwirken, dass die Rahmenbedingungen für die Einführung des E-Rezepts schnellstmöglich geschaffen werden. Bis dahin solle der kontrollierte Test- und Pilotbetrieb schrittweise fortgesetzt und ausgeweitet werden. Das Ministerium macht aber auch unmissverständlich klar, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, denn weiter heißt es: „Diese kontrollierte Test- und Pilotphase in den kommenden Wochen erfordert jedoch auch deutliche  Verbesserungen in der Unterstützung und der Verbindlichkeit der Testprozesse mit klaren Verantwortlichkeiten, einer höheren Transparenz über den Projektfortschritt seitens aller Beteiligten und einen Reporting­ Prozess, der geeignet ist, Missverständnisse über den Reifegrad der Einzelkomponenten sowie des Gesamtsystems zukünftig zu vermeiden.“

Auch rückt man offenbar von einem fixen Einführungsdatum ab:  Sobald die vereinbarten Qualitätskriterien erfüllt sind, solle die Umstellung auf das E-Rezept nach einem noch festzulegenden Rollout-Verfahren erfolgen, so das BMG.

Wie es nun konkret weiter geht, insbesondere mit Blick auf „die gegenseitigen Pflichten im Rahmen der weiteren Testung“, will das BMG in den kommenden Wochen mit den Gesellschaftern abstimmen. Alle Beteiligten seien nun umso mehr gefordert, den Prozess der Einführung des E-Rezepts zu unterstützen und voranzubringen, wird zum Schluss betont. Es gelte, „dieses politisch höchst bedeutsame Digitalisierungsprojekt entsprechend der gesetzlichen Vorgaben zügig in der Versorgung zu etablieren.“

DAV wollte offenbar Friedenspflicht

Die Gematik-Gesellschafter wurden offenbar im Nachgang zur heutigen Mitgliederversammlung vom BMG zunächst telefonisch über die Verschiebung informiert. Das Schreiben sei dann umgehend im Anschluss an das Telefonat per E-Mail übermittelt worden, heißt es in einer Mitteilung des DAV an die Geschäftsführer:innen der Apothekerverbände. Die Forderung des DAV, die Testphase zu verlängern, sei sowohl seitens der Kassenärztlichen Bundesvereinigung als auch vom GKV-Spitzenverband mitgetragen worden. Der DAV geht außerdem davon aus, dass für eine Friedenspflicht, die man offenbar ursprünglich erwirken wollte, aufgrund der zugesagten Verlängerung der Testphase aktuell kein Bedarf ist.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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13 Kommentare

E-Rezept

von Stephan Garrecht am 21.12.2021 um 18:24 Uhr

Bestes Weihnachtsgeschenk ever!!!

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E-Rezept

von Wolfgang Danner am 21.12.2021 um 15:21 Uhr

Das Problem liegt meiner Ansicht nach nicht bei den Einzelkomponenten, sondern in der Basiskonzeption der TI. Die Praxis mussten auf Biegen und Brechen die erforderliche Hardware anschaffen und installieren (lassen). Seit der Konnektor in unserer Praxis "seinen Dienst tut", gibt es nur noch Probleme. Besonders die sporadischen Ausfälle der EGK-Lesegeräte und die Instabilität des Konnektors selbst bereiten uns immer wieder erhebliche Schwierigkeiten.
Unser Fazit: Viel Lärm um Nichts, kostet den Steuerzahler ein Vermögen, raubt uns den letzten Nerv und war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Hoffentlich wird TI bald in die Tonne getreten

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E rezept

von Georg Taupp am 21.12.2021 um 13:24 Uhr

Ich bin ja nur Laie.
Aber die Digitalisierung in unserem Land muss natürlich auch mit Leben gefüllt werden.
In vielen anderen Ländern der EU ist das schon längst Standard.
Armes Deutschland

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AW: E rezept

von Frank Urban am 21.12.2021 um 16:29 Uhr

Sie sagen es selbst, Sie sind nur Laie

AW: E rezept

von rochlitz am 03.01.2022 um 18:45 Uhr

Auch ich bin ein Laie, aber eins weiß ich, dass in Tschechien ein Patient seine Ärztin anruft, die ihm auf sein Mobiltelefon per SMS ein Code geschickt (e-Rezept) und mit diesem geht man zu Apotheke, wo der Code ausgelesen wird und dem Patienten das verschriebene Medikament verkauft wird.
In Deutschland dagegen wird alles zerredet, zerredet von gut bezahlten Leuten, die nichts zu tun haben und ihre Daseinsberechtigung an den Tag legen müssen, als Selbstschutz.

IT Desaster E-Rezept

von Sylvia Trautmann am 21.12.2021 um 10:57 Uhr

Mein Mann ist Abbonent des Computer Fachmagazins CT. Dort werden seit einiger Zeit hinsichtlich der gravierenden IT-Fehler und Sicherheitslücken sehr interessante und hoch kritische Artikel zum E-Rezept geschrieben. Erschreckend, existenzbedrohend und politisch brisant, wie wir alle hier von der Politik und vor allem von Spahn veräppelt und getäuscht worden sind.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: IT Desaster E-Rezept

von L.Kummer am 24.12.2021 um 0:08 Uhr

Und in wieweit soll der bisherige Standard besser oder sicherer sein?

E-Rezept

von Schmidt Josef am 21.12.2021 um 9:59 Uhr

In der Zeit, in der Steve Jobs das iPhone fertiggestellt hat, ist es der GKV nicht gelungen das E-Rezept zu realisieren. Und das BMG hat offenbar nichts aus dem Koalitionsvertrag verstanden, wonach Digitalisierung ganz oben steht. 500 Millionen Papierrezepte jährlich belasten weiterhin die Umwelt und erschweren die Verwaltungsarbeiten unnütz!

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AW: E-Rezept

von Karl Friedrich Müller am 21.12.2021 um 10:16 Uhr

wenn die Patienten nun das Rezept auf Papier bekommen, dass 2 bis viermal so groß ist, ist nichts gewonnen. Das Digitalisierung zu nennen, ist gewagt. Dafür die Gefahren in Kauf nehmen? Aktuell ist CGM Lauer Fischer gehackt. Super, gell? Die TI war letzte Woche (?) betroffen.
Viele kommen mit dieser Digitalisierung überhaupt nicht zurecht, zeigt das Ausstellen der Impfzertifikate. Nur weil jemand ein Smartphone hat, heißt das noch gar nichts.

AW: E-Rezept

von Gert Müller am 21.12.2021 um 10:27 Uhr

@Herrn Schmidt Josef : Sie haben leider gar nichts verstanden .

E-Rezept

von Sabine Schneider am 20.12.2021 um 21:29 Uhr

Aber wir sind doch nach Frau Oberdingsbums ready! Ehrlich: ich hätte nie gedacht das es nach Schmidt noch unfähiger gehen könnte.

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AW: E-Rezept

von Pharmi am 20.12.2021 um 21:36 Uhr

Die Apotheken waren ja auch irgendwie "ready". Das ganze drum rum halt nicht ;)

AW: E-Rezept

von Karl Friedrich Müller am 20.12.2021 um 22:27 Uhr

Die DAZ und Herr Ditzel haben diese Unfähigkeit noch überaus unkritisch gefördert- hip und toll. Wie wir doch alle so „ready“ sind und die doofen Ärzte nix auf die Reihe bekommen, die Apotheken als Streber im Gesundheitswesen: tief gefallen.
Ich muss sagen, diese Haltung hat mir sehr gestunken und ich habs hier auch geschrieben.
Das war kein Journalismus sondern billiges Anbiedern.
Man hat die Probleme geflissentlich ignoriert.

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