DAZ-Adventsrätsel – Tag 8

Das knallt!

Stuttgart - 08.12.2021, 07:00 Uhr

Feuer gelegt hat der Protagonist unserer heutigen Rätselfrage – Feuer gefangen manch ein Hobbykoch. (Foto: Maimento / AdobeStock)

Feuer gelegt hat der Protagonist unserer heutigen Rätselfrage – Feuer gefangen manch ein Hobbykoch. (Foto: Maimento / AdobeStock)


Für guten Kuchen braucht man nicht nur Gewürze, sondern für fast jedes Backerzeugnis benötigt man auch ein passendes Triebmittel. Und darum geht es heute. Ein deutscher Chemiker und Universitätsprofessor beschäftigte sich im 19. Jahrhundert intensiv mit der Chemie des Backens und erkannte, dass bei der Vergärung von Hefe sehr viel Mehl verbraucht wurde. So entwickelte er das erste „Backpulver“, das 1853 auf den Markt kam. Fast wäre der gesuchte Mann sogar Apotheker geworden, wenn er nicht den Dachstuhl seines Ausbildungsbetriebs versehentlich in Brand gesteckt hätte.

Backtriebmittel dienen dazu, den Teig durch Bildung und Einlagerung von Gasen aufgehen zu lassen und damit essbar zu machen. Bei einem Kuchen oder einem Brot, das nicht aufgeht, haben sich im Inneren keine Poren gebildet, und damit ist es nur schwer kau- und verdaubar. Man unterscheidet zwischen physikalischer, biologischer und chemischer Lockerung. Die physikalische Lockerung findet dabei fast immer statt, denn dabei verdampft das im Teig enthaltene Wasser und lockert ihn auf. Dieser Prozess lässt sich durch das Einarbeiten von Luft, kohlensäurehaltigem Wasser oder Fettschichten wie beim Blätterteig verstärken. Zur biologischen Lockerung werden Hefepilze und Milchsäurebakterien verwendet. Die Pottasche und das Hirschhornsalz sind frühe Vertreter chemischer Triebmittel.

Doch für einen Chemiker und Universitätsprofessor aus Hessen waren diese Methoden allesamt unausgegoren. Er erkannte, dass bei der Vergärung von Hefe noch viel zu große Mengen an Mehl eingesetzt werden mussten. Durch Berechnungen konnte er zeigen, dass die benötigte Menge an zusätzlichem Mehl ausreichen würde, um jeden Tag weitere 400.000 Menschen in Deutschland mit Brot zu versorgen. Mangelernährung und Hungersnöte waren für große Teile der Bevölkerung damals Realität. So machte sich der Chemiker auf die Suche und fand in Natriumhydrogencarbonat eine Alternative zur Hefe. Unter Zugabe von Salzsäure wurde Kohlendioxid freigesetzt und das Backerzeugnis ging auf. Um sein Konzept marktreif zu bekommen, nahm er statt Salzsäure sauer reagierenden Weinstein (Kaliumhydrogentartrat), weiterhin wurde Stärke zugesetzt, um die Mischungen zu standardisieren und die Reaktionspartner bei der Lagerung voneinander zu trennen. Fertig war das erste „Backpulver“, das1853 in Verkehr gebracht wurde.

In seinem Forscherleben gelangen dem Chemiker aber noch weitere große Erfolge: Er begründete die moderne Mineraldüngung, entwickelte ein Herstellungsverfahren für Rindfleisch-Extrakte sowie moderne Analyseverfahren und entdeckte mit zwei anderen Wissenschaftlern das Narkosemittel Chloroform.

Fast wäre der gesuchte Mann sogar Apotheker geworden. Doch das Schicksal meinte es nicht gut. Zum Abschluss seines Besuchs des Ludwig-Georgs-Gymnasiums in Darmstadt wurde er von einem Lehrer mit den Worten entlassen: „Du bist ein Schafskopf! Bei dir reicht es nicht mal zum Apothekenlehrling.“ Und tatsächlich musste er seine Apothekerlehre in Heppenheim nach etwa einem Jahr vorzeitig beenden, nachdem er bei der Herstellung von Silberfulminat („Knallsilber“) den Dachstuhl seines Ausbildungsbetriebs versehentlich in Brand gesetzt hatte.

Frage: 

Wie heißt der gesuchte Chemiker und Erfinder des Backpulvers?

Die Antwort lautet:

Justus Liebig, ab 1845 Justus Freiherr von Liebig, wurde am 12. Mai 1803 in Darmstadt geboren und starb am 18. April 1873 in München.


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