Schwere Pneumonie gesondert betrachten

Kinder mit Pneumonie – weniger Amoxicillin geht auch

Stuttgart - 30.11.2021, 15:15 Uhr

Weniger Antibiotika sparen nicht nur Kosten im Gesundheitssystem, sondern sind auch für das Patientenwohl mit weniger zu erwartenden Nebenwirkungen förderlich. (x / Foto: Dragana Gordic / AdobeStock)

Weniger Antibiotika sparen nicht nur Kosten im Gesundheitssystem, sondern sind auch für das Patientenwohl mit weniger zu erwartenden Nebenwirkungen förderlich. (x / Foto: Dragana Gordic / AdobeStock)


Eine aktuelle Studie zeigt: Weder eine geringere Amoxicillin-Dosis noch eine kürzere Therapiedauer ist bei Kindern mit ambulant erworbener Pneumonie von Nachteil. In die Therapieentscheidung sollte aber auf jeden Fall die Krankheitsschwere mit einfließen.

In einer randomisierten Nichtunterlegenheitsstudie erwies sich neben der drei- statt siebentägigen Amoxicillin-Therapie auch eine geringere gegenüber einer höheren Antibiotikum-Dosis als nicht weniger effektiv bei ambulant erworbener kind­licher Pneumonie. 

Alle 814 teilnehmenden Kinder (medianes Alter: 2,5 Jahre) waren an Pneumonie erkrankt und sollten nach einer stationären Behandlung weiter antibiotisch behandelt werden. Per Zufall wurden die Kinder in vier Gruppen eingeteilt:

  • mit einer geringen Dosis Amoxicillin (35 bis 50 mg/kg/Tag) und
    • kurzer (drei Tage, n = 209) oder
    • langer (sieben Tage, n = 203) Therapiedauer bzw.
  • einer höheren Amoxicillin-Dosis (70 bis 90 mg/kg/Tag) mit
    • kurzer (n = 207) oder
    • langer Therapiedauer (n = 205).

Die Nichtunterlegenheit der Therapievarianten wurde bis zu einer Differenz von 8 Prozent angenommen. 

Als primärer Endpunkt wurde die Notwendigkeit einer weiteren antibiotischen Therapie aufgrund eines Atemwegsinfekts innerhalb von 28 Tagen nach Randomisierung definiert. Diese war bei 12,6 Prozent der Kinder mit niedriger Dosis, bei 12,4 Prozent mit höherer Dosis, bei 12,5 Prozent der dreitägigen Einnahme und bei 12,5 Prozent der siebentägigen Einnahme nötig. Damit waren weder die geringere Dosis noch die kürzere Therapiedauer unterlegen. 

Betrachtet man die Subgruppe der Kinder mit schwerer Pneumonie, waren die Differenzen größer. So mussten dort 17,3 Prozent der Kinder mit geringerer Dosis gegenüber 13,5 Prozent mit einer höheren Dosis und 16,0 Prozent mit der dreitägigen gegenüber 14,8 Prozent mit der siebentägigen Therapie innerhalb von vier Wochen erneut antibiotisch behandelt werden.

Somit stellte sich die geringere Dosis und die kürzere Therapiedauer im Allgemeinen als nicht geringer wirksam heraus. Diese Erkenntnis ist nicht nur für die Kosten im Gesundheitssystem, sondern auch für das Patientenwohl mit weniger zu erwartenden Nebenwirkungen förderlich. In die Therapieentscheidung muss letztlich aber auch die Krankheitsschwere mit einfließen. 

Literatur

Bielicki JA et al. Effect of Amoxicillin Dose and Treatment Duration on the Need for Antibiotic Retreatment in Children With Community-Acquired PneumoniaThe CAP-IT Randomized Clinical Trial. JAMA 2021. doi:10.1001/jama.2021.17843


Desiree Aberle, Apothekerin,Volontärin DAZ
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Kinder mit Pneumonie profitieren von kurzer und niedriger Dosierung

Weniger Amoxicillin geht auch

Empfehlungen des American College of Physicians

Antibiosen bei häufigen Infektionen verkürzen

Welches Therapieregime am besten hilft

Helicobacter pylori den Garaus machen

Nach Zeckenstich kann eine rechtzeitige Antibiotika-Therapie schwere Borreliose-Verläufe verhindern

Warnzeichen Wanderröte

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.