Nach Fälschungen

BMG arbeitet an der Sperrung einzelner Zertifikate

Stuttgart - 19.11.2021, 07:00 Uhr

Von einer Sperrung betroffene App-Nutzer werden etwa eine Woche vor der Sperrung der Zertifikate durch ihre App gewarnt und darauf hingewiesen, dass sie ein neues Zertifikat benötigen. (s / Foto: privat)

Von einer Sperrung betroffene App-Nutzer werden etwa eine Woche vor der Sperrung der Zertifikate durch ihre App gewarnt und darauf hingewiesen, dass sie ein neues Zertifikat benötigen. (s / Foto: privat)


Die Corona-Warn-App (CWA) hat seit kurzem eine neue Funktion: Sie kann, wenn gefälschte Unterlagen vorgelegt wurden, Zertifikate sperren. Aktuell ist aber nur die Sperrung aller in der betroffenen Apotheke ausgestellten Zertifikate möglich. Immerhin werden betroffene App-Nutzer etwa eine Woche vor der Sperrung der Zertifikate durch ihre App gewarnt und darauf hingewiesen, dass sie ein neues Zertifikat benötigen. Außerdem arbeitet das BMG daran, die Sperrmechanismen weiterzuentwickeln.

Digitale Impfzertifikate von bestimmten Apotheken können seit kurzem zurückgerufen und in der Corona-Warn-App (CWA) als ungültig gekennzeichnet werden. Eine neue Funktion der App macht es möglich. Hintergrund ist laut dem CWA-Team, dass es in der Vergangenheit „einige wenige Apotheken“ gab, die gefälschte Impfzertifikate herausgegeben haben. Und die können nun auf diese Weise aus dem Verkehr gezogen werden. Allerdings werden nicht nur die unrechtmäßig erlangten Zertifikate gesperrt, sondern alle in der jeweiligen Apotheke ausgestellten. Es wird nämlich die entsprechende ID der Apotheke gesperrt und somit alle von dieser ID ausgestellten Zertifikate – auch der Papierausdruck wird dann von der CovPassCheck-App als ungültig ausgewiesen.

Dass unbescholtenen und unbedarften Bürger:innen aber plötzlich der Zugang ins Restaurant oder der Friseurbesuch verwehrt bleibt, weil sie das Pech haben, dass ihr Zertifikat in einer betroffenen Apotheke ausgestellt wurde, sollte zumindest laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) nicht passieren: Wie das Ministerium auf Nachfrage der DAZ mitteilt, werden betroffene App-Nutzer:innen durch ihre App gewarnt, wenn in Ausnahmefällen Zertifikate einer Apotheke zurückgerufen werden, die aus Sicherheitsgründen für die Ausstellung von Zertifikaten gesperrt wurde. Die Warnung erfolgt laut BMG etwa eine Woche vor der Sperrung und ist mit dem Hinweis verbunden, dass ein neues Zertifikat benötigt wird.

Die Betroffenen können sich demnach in einer Arztpraxis oder einer Apotheke mit ihrem Personalausweis und der Impfdokumentation (oder dem entsprechenden Nachweis für einen Genesenenzertifikat) ein neues Zertifikat ausstellen lassen. Bei einer Prüfung mit der CovPass-Check-App, in der CWA und der CovPass-App werden zurückgerufene Zertifikate als ungültig angezeigt. Gelöscht werden die zurückgerufenen Zertifikate übrigens nicht. Sie können weiterhin in der CWA oder CovPass-App angezeigt werden.

„Sperrmechanismen“ sollen weiterentwickelt werden

Außerdem sollen wohl künftig nicht mehr alle von der betroffenen Apotheke ausgestellten Zertifikate gesperrt werden müssen. Mit den europäischen Partnern werde zurzeit daran gearbeitet, die Sperrmechanismen weiterzuentwickeln, so das BMG gegenüber der DAZ.

Wie viele Apotheken jetzt eigentlich schon gesperrt wurden, ist unklar. Das BMG spricht von Ausnahmefällen. Dem Deutschen Apothekerverband war laut eigener Aussage vom gestrigen Mittwoch ein Fall bekannt – einen konkreten Einzelfall, in dem die ausgestellten Zertifikate einer einzelnen Apothekenbetriebsstätte, gegen die im Zusammenhang mit der illegalen Ausstellung digitaler Impfzertifikate ermittelt werde, gesperrt worden seien, wie es heißt. Im Blick hat man mutmaßlich den Fall einer Münchener Apotheke, in dem eine Apothekenmitarbeiterin an einer größeren Fälschungsaktion beteiligt gewesen sein soll.

Nach Informationen der DAZ sind allerdings bereits einige Apotheken von Kund:innen mit gesperrten Zertifikaten konfrontiert worden – und es liegt aufgrund der Lage nicht nahe, dass diese ihre Zertifikate aus der Münchener Apotheke hatten. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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2 Kommentare

leider wirkungslos

von Thomas B am 22.11.2021 um 7:50 Uhr

Die Sperrung ist zwar ein absolut begrüssenswertes Signal. Allerdings ist die Sperrung wirkungslos, solange die Zertifikate nicht verpflichtend mit CovPassCheck gelesen werden. Und genau das habe ich persönlich noch kein einziges Mal erlebt.
So holt sich jeder, der sein Zertifikat zu Unrecht gesperrt bekommen hat, ein neues. Alle anderen wissen ja darum und benutzen das alte einfach weiter. Merkt ja keiner.

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Problemlösung

von Thomas Eper am 19.11.2021 um 13:50 Uhr

Wenn nur die Personen Zertifikate ausstellen dürften, die die Impfung durchführen haben, wäre das Problem gelöst.

Bei Genesenenzertifikaten natürlich die Personen, welche den PCR-Test bestätigen, bzw. Covid diagnostizieren.

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