Tagung des Arbeitgeberverbands ADA

Warum sich bei den Tarifgehältern etwas tun muss

05.11.2021, 07:00 Uhr

Vor allem die niedrigen Gehaltsgruppen des derzeit gültigen Gehaltstarifvertrags liegen zu dicht in der Nähe des Mindestlohns. (Foto: monropic/AdobeStock)

Vor allem die niedrigen Gehaltsgruppen des derzeit gültigen Gehaltstarifvertrags liegen zu dicht in der Nähe des Mindestlohns. (Foto: monropic/AdobeStock)


Fachkräftemangel im Apothekenbereich und höhere Mindestlöhne werden die anstehenden Gehaltstarifverhandlungen des Arbeitgeberverbands Deutscher Apotheken (ADA) und der Apothekengewerkschaft Adexa mit Sicherheit beeinflussen. Wir sprachen mit dem ausgeschiedenen ADA-Chef Theo Hasse: Er ist überzeugt, dass der Gehaltstarif die in der Realität gezahlten Gehälter besser abbilden muss. Das könnte auch ein Weg sein, um den Arbeitsplatz Offizin attraktiver zu machen.

Auf der Tagung des Arbeitgeberverbands Deutscher Apotheken (ADA) Ende Oktober stand unter anderem die Frage im Raum, wie sich der Tarifvertrag vor dem Hintergrund des steigenden gesetzlichen Mindestlohns entwickeln muss. Da dann vor allem die niedrigen Gehaltsgruppen des derzeit gültigen Gehaltstarifvertrags zu dicht in der Nähe des Mindestlohns liegen, sind beim Gehaltstarifvertrag Lohnerhöhungen vorzunehmen, „da führt kein Weg daran vorbei“, wie Hasse erklärte, „da muss etwas geschehen“.

Der neue Vorstand wird des Weiteren die Forderung der Apothekengewerkschaft Adexa zum zukünftigen Gehaltstarifvertrag diskutieren müssen, so vor allem die Adexa-Forderung nach einem Sockelbetrag und eine prozentuale Erhöhung. Wie Hasse deutlich machte, sind hier die internen Abstimmungen in den Landesvorständen bereits gelaufen, man wird sich zu ersten Tarifverhandlungen mit der Adexa am 15. Dezember 2021 treffen.

In Zukunft Tarifvertrag mit Sockelbeträgen und leistungsorientierte Vergütungen?

Ein Zeichen, in welche Richtung es gehen könnte, hat Adexa bereits gesetzt und zum Beispiel einen Sockelbetrag und prozentuale Erhöhungen gefordert. Dazu erklärt Hasse: „Dieser Sockelbetrag ist auch bei uns ins Spiel gebracht worden. Ich kann mir vorstellen, dass er mit Sicherheit eine wichtige Rolle in den Tarifverhandlungen spielen wird. Dieser Sockelbetrag muss dann über dem Mindestlohn liegen. Zusätzlich wird es dann wohl eine prozentuale Erhöhung dazu geben. Ob der Sockelbetrag allerdings für alle Berufsgruppen in der gleichen Höhe ausfallen wird, ist fraglich. Das wird dann in den Tarifverhandlungen zu diskutieren sein.“ Wie Hasse hinzufügte, habe die Apothekengewerkschaft bisher immer gefordert, dass die prozentualen Erhöhungen für alle Gehaltsgruppen gelten, „ob das dieses Mal auch der Fall sein wird, muss man diskutieren“.

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Auf die Frage, ob sich der ADA auch eine leistungsorientierte Vergütung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorstellen kann – ein Modell, wie es die TGL Nordrhein immer wieder ins Spiel gebracht hat –erklärt Hasse: „Der ADA hat sehr oft über solche leistungsorientierte Gehaltsanteile diskutiert und mit Adexa verhandelt. Wir sind hier aber nie zu einem Ergebnis gekommen.“ Das sei, so fügt Hasse hinzu, „eine sehr komplexe und komplizierte Angelegenheit, so dass wir davon abgekommen sind. Es wird der Arbeitgeber selbst entscheiden müssen, ob er das Engagement von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Beispiel in der Fort- und Weiterbildung honorieren möchte und honorieren kann.“

Der langjährige ADA-Vorsitzende Theo Hasse (Foto: ADA)

Mehr Ehrlichkeit bei den Gehaltstarifen

Von Heidrun Hoch, der bisherigen TGL-Vorsitzenden, ist die Forderung zu hören, sich bei Tarifverträgen ehrlicher zu machen – schließlich sei die übertarifliche Bezahlung mittlerweile in vielen Apotheken gang und gäbe. Laut Hasse ist ähnliches auch für ADA vorstellbar: „Da muss ich Frau Hoch recht geben. Der Gehaltstarifvertrag muss die in der Realität gezahlten Gehälter besser abbilden. Es muss hier ehrlicher zugehen, wir müssen wegkommen von der übertariflichen Bezahlung als Normalfall.“ Hasse räumte ein, dass es natürlich Leistungsunterschiede bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gibt: „Dort, wo es solche herausragenden Leistungen gibt, ist es dem Apothekenleiter freigestellt, eine Schaufel draufzulegen.“



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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5 Kommentare

...

von km am 05.11.2021 um 23:06 Uhr

Die relativ niedrigen Löhne sind das allgemeine Problem sozialer Berufe. Die wurden und werden meist von Frauen ausgeführt. Leider gibt es immer noch die Einstellung "Die heiratet doch sowieso, da braucht man nicht so viel zu zahlen, verdienen tut der Mann."
Durch Corona ist es wenigstens bei der Pflege aufgefallen, dass da was nicht stimmt. Alle anderen, auch die Apotheken, sind leider unsichtbar.

Bei den derzeitigen Tarifen fehlt der Nachwuchs. Wer lernt denn noch PTA? PKA ist kurz vorm Verschwinden. Bei der Verantwortung und einer 6-Tage-Woche bei den derzeitigen Löhnen haben die jungen Leute genug Alternativen.
Von jungen Apothekern ganz zu schweigen. Das war vor 20 Jahren schon ein Mangelberuf.

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Bei den Ärzten gehts doch auch

von km am 05.11.2021 um 22:48 Uhr

Wie schaffen es eigentlich die Ärzte, ihre regelmäßigen Honorarerhöhungen bei der GKV durchzuboxen?

Was ich mir wünsche, ist eine Zusammenarbeit von ADEXA und ADA. Die müssen zusammen mit dem DAV den Krankenkassen gegenübertreten und mehr fordern.
Wir wollen für unsere Arbeit vernünftig bezahlt werden!
Die Apotheken haben größtenteils Frauen in Anstellung, Teilzeitarbeit ist üblich, wohnortnahe und flexible Arbeitsstellen. Das passt doch genau ins rot-grüne Konzept.

Es herrscht leider noch die Meinung, Apotheken wären Goldgruben. Vom Packungshonorar werden auch FACHkräfte bezahlt, das muss auch mal in der Öffentlichkeit und gegenüber der GKV kommuniziert werden.

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Aus den Rippen schneiden?

von Thomas Eper am 05.11.2021 um 15:43 Uhr

Ist das eigentlich so schwer zu kapieren, dass die Apotheken nur dann anständige Gehälter zahlen können, wenn sie ein anständiges Packungshonorar bekommen?

Dieses wurde in den letzten 17 Jahren nur um 3% (im Jahre 2012) erhöht!
Im selben Zeitraum stiegen die Tarifgehälter um mehr als 32%.
Bald werden die Apotheken an den Personalkosten verbluten; das begreift eigentlich jeder aber Laie.
Nur unsere Standesvertreter und die Politik nicht.

Es ist aber scheinbar gewollt; andere Erklärung gibt es nicht.
So ebnet man den Weg für Fremdbesitz.

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Richtig - aber

von ratatosk am 05.11.2021 um 10:51 Uhr

Natürlich sind die Gehälter problematisch. Aber man darf hier Wunsch und Wirklichkeit nicht verwechseln. Da die Politik die Apotheken abwürgen will, siehe keinerlei Erhöhungen der Vergütungen !, sind niedrige Gehälter eine unvermeidliche Konsequenz, egal wie man das bewerten will. Strategisch spielt das den ausländischen Kistenschiebern in die Hände, also kann man sich leicht erklären, warum die Politik unter Spahn dies so zielstrebig umsetzt. Wenn die Apotheken kein motiviertes Personal mehr halten können, kommen die Versender noch schneller ans Ziel. Es ist also nichts Geheimnisvolles an den deutschen Zuständen.

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Danke an die Ampelkoalition

von Michael Reinhold am 05.11.2021 um 8:03 Uhr

Das hätte ich als angestellter Apotheker auch nicht gedacht, dass ich mal davon profitiere, dass der Gesetzgeber den Mindestlohn anhebt.

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