Brief an das Bundesinnenministerium

Apotheker fordert Bürokratieabbau bei Präqualifizierung

Berlin - 29.10.2021, 12:15 Uhr

Das Bundesinnenministerium ist hierzulande auch für das Thema Entbürokratisierung zuständig. (c / Foto: IMAGO / Reiner Zensen) 

Das Bundesinnenministerium ist hierzulande auch für das Thema Entbürokratisierung zuständig. (c / Foto: IMAGO / Reiner Zensen) 


Apothekeninhaber Christian Fehske aus Hagen in Westfalen hat genug vom Präqualifizierungs-Irrsinn: In einem Brief an das Bundesministerium für Inneres fordert er, Apotheken mit gültiger Betriebserlaubnis automatisch als präqualifiziert anzuerkennen. Zudem regt er eine „Beweisumkehr“ für Krankenkassen zum nachträglichen Ausschluss von Leistungserbringern von der Belieferung an.

Die Präqualifizierung ist für Apothekeninhaber:innen seit jeher ein Ärgernis. Dass sie sich in den meisten Bezirken ab dem kommenden Jahr auch für die Teilnahme an der Belieferung von Patient:innen mit Trink- und Sondennahrung präqualifizieren lassen müssen, lässt umso mehr an der Sinnhaftigkeit des Verfahrens zweifeln.

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Apotheker Christian Fehske, Inhaber der Rathaus-Apotheke in Hagen in Westfalen, will das nicht länger kommentarlos  hinnehmen. Er wendet sich jetzt in einem Brief an das Bundesministerium für Inneres, das hierzulande auch für das Thema Entbürokratisierung zuständig ist, und weist auf die Missstände hin. „Es geht mir darum, Sie auf das Verfahren der Präqualifizierung aufmerksam zu machen, im Rahmen dessen Leistungserbringer im Gesundheitswesen sehr aufwendige Nachweise zu erbringen haben, um überhaupt einen von der Bevölkerung i.d.R. erwünschten und erwarteten Versorgungsauftrag zur Belieferung mit Hilfsmitteln erfüllen zu dürfen“, so Fehske, der auch in der Apothekerkammer Westfalen-Lippe sowie in der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer aktiv ist. 

„Aufwand und Nutzen dieses extrem bürokratischen Verfahrens sind für mich und andere Betroffene kaum in eine vernünftige Relation zu bringen“, schreibt der Apotheker an das Ministerium, das derzeit noch von Horst Seehofer (CSU) geführt wird. „Für viele unserer Gäste, wie auch mein Team mit unserem ganzheitlichen Versorgungsanspruch gehört die Versorgung mit Hilfsmitteln / Medizinprodukten wie dem Verleihen von Milchpumpen, der Abgabe von Insulin-Pens, dem Anmessen und der Abgabe von Kompressionsstrümpfen u.ä. ganz selbstverständlich in unsere Apotheke, und sind im § 1a der ApBetrO als apothekenübliche Waren bzw. Dienstleistungen enthalten.“

„Ver(sch?)wendung kostbarer Arbeitszeit“

Um diese apothekenüblichen Waren aber abgeben beziehungsweise diese apothekenüblichen Dienstleistungen zulasten der GKV erbringen zu dürfen, sei „ein extrem bürokratisches und aufwendiges Verfahren erforderlich, das nicht nur mit direkten Kosten, sondern auch einer Ver(sch?)wendung kostbarer Arbeitszeit in einem Bereich des Gesundheitssystems verbunden ist, in dem nach einhelliger Meinung ein Fachkräftemangel herrscht.“ Aus Fehskes Sicht ist das völlig überflüssig – denn schließlich zählten Apotheken zu einer Gruppe von Unternehmen, die von den unteren Gesundheitsbehörden regelmäßig und streng überwacht werden.

Eine Vielzahl der im Präqualifizierungsverfahren abgefragten Informationen würden daher doppelt erhoben, ärgert sich der Inhaber. „Es ist für mich nicht ersichtlich, welche relevanten Qualitäts- und Versorgungsrisiken für gesetzlich Versicherte durch die darüber hinausgehenden Abfragen verringert oder vermieden werden sollen / können, und wie der enorme Aufwand bei allen Beteiligten gerechtfertigt werden könnte.“

Apotheker Christian Fehske


Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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7 Kommentare

Präqualifizierung

von Patrick Witte am 18.11.2021 um 10:18 Uhr

Kann mich den Kommentaren meiner Vorgänger:innen nur anschließen. War bei mir auch ein mehrstufiger Prozess (AfP) mit kleinkarierten Beanstandungen.
Allein der Begriff PRÄqualifizierung erzeugt Unbehagen. Wer ist denn dann eigentlich qualifiziert?
Sollte eigentlich Aufgabe der Kammer sein, gegen diesen Unsinn zu opponieren.
Gibt es nicht ein Bürokratieabbaugesetz?
Gruß an alle, die noch nicht der Resignation anheim gefallen sind.
Patrick Witte
Pelikan Vital Apotheke Mülheim

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Wochenenden futsch

von Herr Ulrich Stamm am 17.11.2021 um 21:52 Uhr

Wir haben uns mit unseren beiden Apotheken auch wiederholt durch diesen Irrsinn gequält mit immer wieder neuem Raussuchen von Dokumenten, die jetzt einen Stempel tragen müssen und Fotos von den gleichen Räumen, Spiegeln und Werkbänken, die jetzt aber eine Datumseinblendung der Kamera haben müssen (ersatzweise darf man auch einen Kalender ins Bild stellen - geht’s noch?).

Wir jedenfalls kommen während unserer Arbeitszeit nicht dazu und bis alles zusammengesucht, hochgeladen und dann wieder korrigiert wurde (weil das geriffelte Glas eventuell nicht blickdicht genug und der Raum nicht in 180-Grad-Ansicht fotografiert wurde), da gehen 2 Wochenenden kaputt. Bewertet wird es dann ganz bequem per Mausklick von einem Sessel aus - gegen Bezahlung versteht sich.

Wenn sich irgendwo eine Initiative auftut, den Schwachsinn zu beenden bin ich gerne qualifiziert dabei.

U. Stamm

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Zustimmung/Petition

von Andreas Uhlig am 29.10.2021 um 18:31 Uhr

Ich kann dem nur zustimmen. Nachdem ich im Mai die Bestätigung des Audits erhalten habe, musste ich im Juli die Re-Präqualifizierung beantragen. Die erste Rückmeldung ergab, dass die eingereichten Nachweise( dieselben wie im Mai) unvollständig und nicht aussagefähig genug waren.
Wenn es dazu eine Petition gäbe würde ich sofort unterschreiben.

Guten Abend

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AW: Zustimmung/Petition

von ED am 30.10.2021 um 10:06 Uhr

Auch ich bin sofort für eine Petition!! Zur Zeit bin ich mit der Re-Präquali beschäftigt und erbringe wiederholt die Nachweise der Präquali. Gestern ist ein neuer Auszug aus dem Gewerbezentralregister angekommen. Als nächstes muss ich noch ein paar schöne Fotos und Selbsterklärungen machen. Es hat mich insgesamt dermaßen viele Nerven und auch Geld ob dieser furchtbaren Unsinnigkeit gekostet!!! Ich unterstütze die Vorschläge des Kollegen Fehske in vollem Umfang!!
Elke Dresia

Präqualifizierung

von Ariane Maaß am 29.10.2021 um 18:18 Uhr

Den Aussagen kann ich nur zustimmen. Nach Präqualifizierung, Re-Präqualifizierung, Audit und erneute Re-Präqualifizierung sind die unveränderten Unterlagen jetzt mehrfach bei der vearntwortlichen Stelle vorhanden. Das ist unverständlich, völliger Blödsinn und Verschwendung von Ressourcen!

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AW: Präqualifizierung

von Reinhard Rodiger am 30.10.2021 um 22:28 Uhr

Sie haben recht.Leider sind diese Methoden sehr professionell,um abzuschrecken.Es geht also um Absicht.
Das ist schwer beweisbar.Das ist erwünscht.Eben ein unbearbeitetes Grundsatzproblem.

Zustimmung

von Joachim Sievers am 29.10.2021 um 17:44 Uhr

Sehr geehrter Herr Kollege

fein gemacht, ich kann Ihnen nur aus vollem Herzen zustimmen!

Joachim Sievers

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