S3-Leitlinie überarbeitet

Welche Probiotika könnten bei Reizdarm positive Effekte haben?

Montabaur - 01.10.2021, 16:30 Uhr

Beim Reizdarmsyndrom bestehen chronische, länger als drei Monate anhaltende oder rezidivierende Beschwerden, die in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen. (x / Foto: Wellnhofer Designs / AdobeStock)

Beim Reizdarmsyndrom bestehen chronische, länger als drei Monate anhaltende oder rezidivierende Beschwerden, die in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen. (x / Foto: Wellnhofer Designs / AdobeStock)


Reizdarm-Patienten haben oft eine Ärzte-Odyssee hinter sich – ohne dass eine adäquate Diagnostik und Therapie erfolgt. Um dies künftig zu erleichtern, wurde die bestehende S3-Leitlinie überarbeitet. Darin werden auch in Deutschland gebräuchliche probiotische Stämme genannt, mit denen in randomisierten kontrollierten klinischen Studien positive Effekte beobachtet wurden.

Das Reizdarmsyndrom ist eine chronisch verlaufende Erkrankung, welche mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität einhergeht. Ein Reizdarmsyndrom (RDS) bzw. Irritable Bowel Syndrome (IBS) liegt vor, wenn folgende Kriterien erfüllt sind.

  • Es bestehen chronische, länger als drei Monate anhaltende oder rezidivierende Beschwerden, die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen.
  • Die Beschwerden führen dazu, dass der Patient Hilfe sucht, sich sorgt bzw. die Lebensqualität stark beeinträchtigt wird.
  • Voraussetzung ist, dass keine Veränderungen vorliegen, die für andere Krankheitsbilder charakteristisch sind.

In der Pathophysiologie des Reizdarmsyndroms (RDS) spielen organische, zelluläre, molekulare und/oder genetische Veränderungen auf allen Ebenen und Komponenten der Darm-Hirn-Achse eine wichtige Rolle. Es stellt ein sehr heterogenes Krankheitsbild dar, was die Erstdiagnose deutlich erschwert – dabei ist eine ausführliche und zielgerichtete Diagnostik entscheidend für den weiteren Krankheitsverlauf. Zur Erleichterung der Diagnostik und Therapie des RDS hat die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) die bestehende S3-Leitlinie überarbeitet (Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom, Juni 2021).

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Auch der Einsatz von Probiotika, der immer noch ein kontrovers diskutiertes Thema ist, wird darin erwähnt. Denn ausgewählte Stämme stellen eine Therapieoption dar. Dabei richtet sich die Wahl nach der Symptomatik der Patienten. In der Leitlinie werden Beispiele für in Deutschland gebräuchliche probiotische Stämme genannt, mit denen in randomisierten kontrollierten klinischen Studien positive Effekte beobachtet wurden:

  • Bifidobacterium infantis 35624 (z. B. in Alflorex® Inbiotys)
  • Bifidobacterium longum NCC3001 (z. B. Pascoflorin® sensitiv)
  • Bifidobacterium animalis DN173010 (z. B. in Activia®)
  • Bifidobacterium bifidum MIMBb75 (z. B. in Kijimea® Reizdarm Pro)
  • Lactobacillus plantarum 299v (DSM 9843) (z. B. in Innovall® RDS)
  • Lactobacillus acidophilus NCFM(z. B. inProbielle®Pro-A)
  • Lactobacillus gasseri CP2305 (z. B. in Omniflora® N)
  • Lactobacillus reuteri (DSM 17938) (z. B. in BiGaia®)
  • Lactobacillus casei Shirota (z. B. in Yakult®)
  • Escherichia coli (DSM 17252) (z. B. in Symbioflor® 2)
  • Saccharomyces cerevisiae (z. B. in Perenterol®)
  • Multispecies-Produkte (z. B. in SynGut®)

Signifikante Verbesserungen traten hinsichtlich der Sym­ptome Schmerzen, Blähungen und Stuhlfrequenz und -konsistenz auf. Auch die Lebensqualität der Studienteilnehmer verbesserte sich unter der Probiotika-Einnahme. Die aktuelle Studienlage spricht jedoch dafür, dass Wirksamkeitsunterschiede sowohl zwischen den einzelnen Bakterienstämmen als auch in Bezug auf Dosierungen und Einnahmedauer bestehen. Daher sollte der Einsatz von Probiotika individuell abgewogen und nur bei erfolgreicher Behandlung fortgesetzt werden. Eine Empfehlung zum fäkalen Mikrobiomtransfer kann aufgrund der unklaren Sicherheitslage derzeit nicht ausgesprochen werden


Dr. Martina Wegener, Apothekerin
redaktion@daz.online


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